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Aus dem Urlaub in die Diagnose / Burnout-Expertin Stefanie Schnier erklärt, warum viele Menschen ihre psychische Erschöpfung erst dann bemerken, wenn der Stress nachlässt (FOTO)

16.06.2026 09:15 Uhr Stefanie Schnier

Berlin (ots) - Viele Menschen schleppen sich über längere Zeit durch einen belastenden Alltag und merken erst im Urlaub, wie erschöpft sie tatsächlich sind. Die Körpertherapeutin und Burnout-Expertin Stefanie Schnier beobachtet dieses Muster regelmäßig in ihrer Arbeit mit Betroffenen. Viele sagen sich: Ich muss nur noch bis zum Urlaub durchhalten, sagt Schnier. Doch genau dann meldet sich häufig der Körper.

Statt Erholung treten bei vielen Betroffenen plötzlich Schlafstörungen, innere Unruhe, Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder depressive Symptome auf. Was als Auszeit gedacht ist, wird für manche zum ersten deutlich spürbaren Warnsignal einer psychischen Überlastung.

Psychische Erkrankungen auf hohem Niveau

Psychische Erkrankungen gehören zu den wichtigsten Ursachen für Arbeitsausfälle in Deutschland. Laut dem Psychreport 2025 der DAK-Gesundheit entfielen im Jahr 2024 rund 17,4 Prozent aller Fehltage auf psychische Erkrankungen. Depressionen verursachten dabei etwa 183 Fehltage je 100 Versicherte und zählen weiterhin zu den häufigsten Einzeldiagnosen bei Krankschreibungen. Besonders betroffen sind Beschäftigte in sozialen und helfenden Berufen wie Pflege, Kita oder Gesundheitswesen. Dort liegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen deutlich über dem Durchschnitt. Für Schnier ist das kein Zufall.

Viele kennen das von besonders langen und anstrengenden Tagen: Solange etwas erledigt werden muss, funktioniert man. Kaum gibt es eine Pause, kommt die Erschöpfung mit voller Wucht. Der Körper hat gewissermaßen nur darauf gewartet, loslassen zu dürfen. Bei chronischer Überlastung passiere dieser Effekt nicht nur kurzfristig, sondern oft erst nach längeren Ruhephasen wie dem Urlaub.

Aus dem Urlaub wird oft der erste Warnhinweis

Viele Betroffene erkennen ihre Überlastung nicht im Arbeitsalltag, sondern erst in Momenten ohne äußeren Druck. Burnout beginnt nicht mit dem Zusammenbruch, sagt Schnier. Burnout beginnt viel früher, mit dem Gefühl, dauerhaft funktionieren zu müssen. Typische Folgen seien innere Leere, Schlafprobleme oder das Gefühl, selbst in Erholungsphasen nicht mehr abschalten zu können. Besonders betroffen sind Menschen in Berufen mit hoher Verantwortung für andere. Lehrer, Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten oder Sozialarbeiter tragen jeden Tag Verantwortung für andere Menschen. Viele erlauben sich selbst am wenigsten, Hilfe anzunehmen.In diesen Bereichen entsteht häufig ein Teufelskreis: Wer ausfällt, belastet Kolleginnen und Kollegen zusätzlich. Deshalb wird oft weitergearbeitet - auch über die eigenen Grenzen hinaus.

Viele meiner Klienten sagen: Ich konnte mich doch nicht krankmelden, dann hätten meine Kollegen noch mehr Arbeit gehabt. Genau dieses Denken führt häufig dazu, dass aus einer Überlastung eine ernsthafte Erkrankung wird.

Der Körper sendet Signale - aber sie werden überhört

Burnout und Depressionen entwickeln sich in der Regel schleichend über Monate oder Jahre.

Typische Warnsignale sind:

- anhaltende Erschöpfung trotz Ruhephasen - Schlafstörungen - Konzentrationsprobleme - ständiges Gedankenkreisen - zunehmende Gereiztheit - emotionale Distanz zu anderen - Verlust von Freude und Interesse - nachlassendes sexuelles Interesse - das Gefühl, dauerhaft funktionieren zu müssen - das Empfinden, nie genug zu leisten

Viele Betroffene interpretieren diese Symptome lange als normalen Stress oder Überarbeitung. Wer über Monate oder Jahre über seine Grenzen geht, gewöhnt sich an die Erschöpfung, sagt Schnier. Irgendwann erscheint sie normal.

Reiß dich zusammen - ein Satz, der krank machen kann

Trotz wachsender Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit erleben viele Betroffene weiterhin Vorurteile. Bei einem gebrochenen Bein würde niemand sagen: Reiß dich zusammen, sagt Schnier. Bei Depressionen oder Burnout hören Betroffene solche Sätze jedoch immer noch. Psychische Erkrankungen seien kein Zeichen von Schwäche. Burnout und Depressionen sind keine Charakterfehler. Sie sind Signale des Körpers, dass ein Mensch über längere Zeit mehr gegeben hat, als ihm zur Verfügung stand. Wer früh über Belastungen spricht, hat deutlich bessere Chancen auf Unterstützung. Schweigen schützt nicht - es verlängert häufig den Leidensweg.

Warum psychische Erkrankungen kein Einzelfallproblem sind

Der Anstieg psychischer Erkrankungen hat auch strukturelle Ursachen. Studien zeigen, dass steigender Arbeitsdruck, Personalmangel und hohe emotionale Anforderungen in vielen Branchen zu einer zunehmenden Belastung führen. Für Schnier ist der Umgang damit auch eine betriebliche Frage. Wenn Beschäftigte Angst haben, über psychische Belastungen zu sprechen, werden Symptome häufig verborgen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie später deutlich länger ausfallen. Unternehmen könnten durch Prävention, flexible Arbeitsmodelle und niedrigschwellige Unterstützung gegensteuern. Flexible Arbeitszeiten, ein verständnisvolles Umfeld und Zugang zu therapeutischer Unterstützung können dazu beitragen, dass Menschen rechtzeitig Hilfe bekommen.

Vor dem Urlaub stellt sich die wichtigste Frage

Mit ihrem Buch Wenn nichts mehr geht - Mein Weg aus Burnout, Overthinking und Depression in ein kraftvolles und erfülltes Leben möchte Stefanie Schnier Betroffenen Mut machen, Warnsignale früher zu erkennen und Hilfe anzunehmen. Die Expertin hat selbst erlebt, wie schleichend sich Burnout und Depression entwickeln können. Heute begleitet sie Menschen auf dem Weg aus chronischer Erschöpfung und Überforderung. Ich habe selbst erfahren, wie viel Scham mit Burnout und Depression verbunden sein kann. Dabei sind sie keine Zeichen von Schwäche. Sie sind Signale des Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Kurz vor der Urlaubszeit richtet sie einen Appell an Beschäftigte, Arbeitgeber und Angehörige.

Wir fragen vor dem Urlaub, welches Hotel wir buchen, welche Ausflüge wir machen und welches Wetter uns erwartet. Die wichtigere Frage lautet oft: Wie geht es mir eigentlich wirklich.

Urlaubsreif sind viele Menschen. Erschöpft sind deutlich mehr, als sie glauben. Der Unterschied zeigt sich oft erst dann, wenn der Alltag verstummt. Manchmal ist der Urlaub nicht der Beginn der Erholung. Manchmal ist er der Moment, in dem sichtbar wird, dass man schon viel zu lange über die eigenen Grenzen gegangen ist.

Zur Person

Stefanie Schnier ist Körpertherapeutin, Burnout-Expertin und Autorin des Buches Wenn nichts mehr geht - Mein Weg aus Burnout, Overthinking und Depression in ein kraftvolles und erfülltes Leben . Sie war selbst Lehrerin und erlebte einen Burnout sowie eine Depression. Heute arbeitet sie mit Menschen, die unter chronischer Erschöpfung, emotionaler Überlastung und den Folgen moderner Arbeitswelten leiden.

Pressekontakt:

Stefanie Schnier Greifswalder Str. 228 10405 Berlin

Tel: + 49 (0) 30- 25784073 Mail: mailto:loslassen@stefanieschnier.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179995/6294975 OTS: Stefanie Schnier


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Stefanie Schnier
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