|
Berlin (ots) - Viele Menschen schleppen sich über längere Zeit durch einen
belastenden Alltag und merken erst im Urlaub, wie erschöpft sie tatsächlich
sind. Die Körpertherapeutin und Burnout-Expertin Stefanie Schnier beobachtet
dieses Muster regelmäßig in ihrer Arbeit mit Betroffenen. Viele sagen sich: Ich
muss nur noch bis zum Urlaub durchhalten, sagt Schnier. Doch genau dann meldet
sich häufig der Körper.
Statt Erholung treten bei vielen Betroffenen plötzlich Schlafstörungen, innere
Unruhe, Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder depressive Symptome auf. Was als
Auszeit gedacht ist, wird für manche zum ersten deutlich spürbaren Warnsignal
einer psychischen Überlastung.
Psychische Erkrankungen auf hohem Niveau
Psychische Erkrankungen gehören zu den wichtigsten Ursachen für Arbeitsausfälle
in Deutschland. Laut dem Psychreport 2025 der DAK-Gesundheit entfielen im Jahr
2024 rund 17,4 Prozent aller Fehltage auf psychische Erkrankungen. Depressionen
verursachten dabei etwa 183 Fehltage je 100 Versicherte und zählen weiterhin zu
den häufigsten Einzeldiagnosen bei Krankschreibungen. Besonders betroffen sind
Beschäftigte in sozialen und helfenden Berufen wie Pflege, Kita oder
Gesundheitswesen. Dort liegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen
deutlich über dem Durchschnitt. Für Schnier ist das kein Zufall.
Viele kennen das von besonders langen und anstrengenden Tagen: Solange etwas
erledigt werden muss, funktioniert man. Kaum gibt es eine Pause, kommt die
Erschöpfung mit voller Wucht. Der Körper hat gewissermaßen nur darauf gewartet,
loslassen zu dürfen. Bei chronischer Überlastung passiere dieser Effekt nicht
nur kurzfristig, sondern oft erst nach längeren Ruhephasen wie dem Urlaub.
Aus dem Urlaub wird oft der erste Warnhinweis
Viele Betroffene erkennen ihre Überlastung nicht im Arbeitsalltag, sondern erst
in Momenten ohne äußeren Druck. Burnout beginnt nicht mit dem Zusammenbruch,
sagt Schnier. Burnout beginnt viel früher, mit dem Gefühl, dauerhaft
funktionieren zu müssen. Typische Folgen seien innere Leere, Schlafprobleme oder
das Gefühl, selbst in Erholungsphasen nicht mehr abschalten zu können. Besonders
betroffen sind Menschen in Berufen mit hoher Verantwortung für andere. Lehrer,
Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten oder Sozialarbeiter tragen jeden Tag
Verantwortung für andere Menschen. Viele erlauben sich selbst am wenigsten,
Hilfe anzunehmen.In diesen Bereichen entsteht häufig ein Teufelskreis: Wer
ausfällt, belastet Kolleginnen und Kollegen zusätzlich. Deshalb wird oft
weitergearbeitet - auch über die eigenen Grenzen hinaus.
Viele meiner Klienten sagen: Ich konnte mich doch nicht krankmelden, dann hätten
meine Kollegen noch mehr Arbeit gehabt. Genau dieses Denken führt häufig dazu,
dass aus einer Überlastung eine ernsthafte Erkrankung wird.
Der Körper sendet Signale - aber sie werden überhört
Burnout und Depressionen entwickeln sich in der Regel schleichend über Monate
oder Jahre.
Typische Warnsignale sind:
- anhaltende Erschöpfung trotz Ruhephasen
- Schlafstörungen
- Konzentrationsprobleme
- ständiges Gedankenkreisen
- zunehmende Gereiztheit
- emotionale Distanz zu anderen
- Verlust von Freude und Interesse
- nachlassendes sexuelles Interesse
- das Gefühl, dauerhaft funktionieren zu müssen
- das Empfinden, nie genug zu leisten
Viele Betroffene interpretieren diese Symptome lange als normalen Stress oder
Überarbeitung. Wer über Monate oder Jahre über seine Grenzen geht, gewöhnt sich
an die Erschöpfung, sagt Schnier. Irgendwann erscheint sie normal.
Reiß dich zusammen - ein Satz, der krank machen kann
Trotz wachsender Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit erleben viele
Betroffene weiterhin Vorurteile. Bei einem gebrochenen Bein würde niemand sagen:
Reiß dich zusammen, sagt Schnier. Bei Depressionen oder Burnout hören Betroffene
solche Sätze jedoch immer noch. Psychische Erkrankungen seien kein Zeichen von
Schwäche. Burnout und Depressionen sind keine Charakterfehler. Sie sind Signale
des Körpers, dass ein Mensch über längere Zeit mehr gegeben hat, als ihm zur
Verfügung stand. Wer früh über Belastungen spricht, hat deutlich bessere Chancen
auf Unterstützung. Schweigen schützt nicht - es verlängert häufig den
Leidensweg.
Warum psychische Erkrankungen kein Einzelfallproblem sind
Der Anstieg psychischer Erkrankungen hat auch strukturelle Ursachen. Studien
zeigen, dass steigender Arbeitsdruck, Personalmangel und hohe emotionale
Anforderungen in vielen Branchen zu einer zunehmenden Belastung führen. Für
Schnier ist der Umgang damit auch eine betriebliche Frage. Wenn Beschäftigte
Angst haben, über psychische Belastungen zu sprechen, werden Symptome häufig
verborgen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie später deutlich länger
ausfallen. Unternehmen könnten durch Prävention, flexible Arbeitsmodelle und
niedrigschwellige Unterstützung gegensteuern. Flexible Arbeitszeiten, ein
verständnisvolles Umfeld und Zugang zu therapeutischer Unterstützung können dazu
beitragen, dass Menschen rechtzeitig Hilfe bekommen.
Vor dem Urlaub stellt sich die wichtigste Frage
Mit ihrem Buch Wenn nichts mehr geht - Mein Weg aus Burnout, Overthinking und
Depression in ein kraftvolles und erfülltes Leben möchte Stefanie Schnier
Betroffenen Mut machen, Warnsignale früher zu erkennen und Hilfe anzunehmen. Die
Expertin hat selbst erlebt, wie schleichend sich Burnout und Depression
entwickeln können. Heute begleitet sie Menschen auf dem Weg aus chronischer
Erschöpfung und Überforderung. Ich habe selbst erfahren, wie viel Scham mit
Burnout und Depression verbunden sein kann. Dabei sind sie keine Zeichen von
Schwäche. Sie sind Signale des Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten
ist. Kurz vor der Urlaubszeit richtet sie einen Appell an Beschäftigte,
Arbeitgeber und Angehörige.
Wir fragen vor dem Urlaub, welches Hotel wir buchen, welche Ausflüge wir machen
und welches Wetter uns erwartet. Die wichtigere Frage lautet oft: Wie geht es
mir eigentlich wirklich.
Urlaubsreif sind viele Menschen. Erschöpft sind deutlich mehr, als sie glauben.
Der Unterschied zeigt sich oft erst dann, wenn der Alltag verstummt. Manchmal
ist der Urlaub nicht der Beginn der Erholung. Manchmal ist er der Moment, in dem
sichtbar wird, dass man schon viel zu lange über die eigenen Grenzen gegangen
ist.
Zur Person
Stefanie Schnier ist Körpertherapeutin, Burnout-Expertin und Autorin des Buches
Wenn nichts mehr geht - Mein Weg aus Burnout, Overthinking und Depression in ein
kraftvolles und erfülltes Leben . Sie war selbst Lehrerin und erlebte einen
Burnout sowie eine Depression. Heute arbeitet sie mit Menschen, die unter
chronischer Erschöpfung, emotionaler Überlastung und den Folgen moderner
Arbeitswelten leiden.
Pressekontakt:
Stefanie Schnier
Greifswalder Str. 228
10405 Berlin
Tel: + 49 (0) 30- 25784073
Mail: mailto:loslassen@stefanieschnier.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179995/6294975
OTS: Stefanie Schnier
|