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Frankfurt/Main (ots) -
- Jährliche Mehrkosten für deutsche Chemie im dreistelligen Millionenbereich
- Unternehmen wollen transformieren, können aber nicht
- Benchmarks realitätsfremd
- Systemfehler bei anstehender Reform lösen
Die Europäische Kommission hat in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten neue
Benchmarkwerte für das Europäische Emissionshandelssystem (ETS 1) beschlossen.
Nach diesen Effizienzmaßstäben für den CO2-Ausstoß von Industrieanlagen wird
berechnet, wie viele CO2-Zertifikate Unternehmen kostenlos erhalten. Durch die
neuen Werte entstehen für die deutsche Chemieindustrie schon ab 2026 jährliche
Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich.
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen
Industrie (VCI), kommentiert: "Wir haben seit Monaten davor gewarnt, jetzt ist
er da: der angekündigte Schlag in die Magengrube. Die neuen Benchmarks sind
reine Schreibtisch-Arithmetik, die an der Realität der Basischemie vorbeigeht.
Statt Transformation zu ermöglichen, entzieht Brüssel den Unternehmen mitten in
der Krise dreistellige Millionenbeträge. Das schützt kein Klima, das verlagert
nur Wertschöpfung."
Voraussetzungen für Zukunftsinvestitionen fehlen
Die EU-Kommission will mit den verschärften Bedingungen Investitionen in
emissionsärmere Produktionsverfahren forcieren. Warum das in der Chemie aktuell
nicht funktioniert, erläutert der VCI-Hauptgeschäftsführer: "Unsere Unternehmen
arbeiten intensiv an der Transformation und haben schon viele neue Verfahren in
der Pipeline. Technische Machbarkeit allein reicht aber nicht: Es fehlt an
Infrastruktur und bezahlbarer Energie. Und am Ende braucht es auch Kunden, die
bereit sind, mehr für grüne Produkte zu bezahlen. Daran scheitert es aktuell."
Der VCI fordert daher: Die EU-Kommission muss die Belastungen durch den Kauf von
CO2-Zertifikaten auf das Niveau von 2025 begrenzen. Zumindest so lange, bis die
Transformationsvoraussetzungen in greifbarer Nähe sind - zum Beispiel
Netzanschlüsse, CO2- und Wasserstoffinfrastruktur sowie grüner Strom und
Wasserstoff zu konkurrenzfähigen Preisen.
EU-Kommission muss realitätsfremde Benchmarks nachbessern
Erschwerend kommt hinzu: Bei der Berechnung der Benchmarks sind seit Jahren
methodische Schwächen bekannt. Große Entrup kritisiert: "Die EU-Kommission setzt
wissentlich realitätsfremde Vorgaben um, die Unternehmen in großen Teilen der EU
technisch nicht erfüllen können. Es kann doch nicht sein, dass skandinavische
Produktionsanlagen zum Maßstab werden. Diese werden mit Holz aus riesigen
Wäldern betrieben, das in Deutschland nicht in dem Ausmaß zur Verfügung steht.
Diese Mängel müssen schnellstmöglich behoben werden." Der VCI drängt darauf,
dass die EU-Kommission die von den Mitgliedstaaten verlangte Überprüfung der
Methodik schnellstmöglich abschließt und notwendige Korrekturen umsetzt.
Grundlegende ETS-Reform nötig
Mit Blick auf die im Juli anstehende Reform des Gesamtsystems sagt Große Entrup:
"Unsere Industrie steht zum Klimaschutz. Solange die
Transformationsvoraussetzungen fehlen, kann der Emissionshandel aber nicht
verschärft werden. Deshalb muss die EU jetzt spürbar nachjustieren - etwa bei
der Marktstabilitätsreserve und mit einem realistischeren Zeitplan bei der
Emissionsminderung."
Hintergrund
Der Emissionshandel gilt als wichtigstes Klimaschutzinstrument der EU:
Unternehmen müssen für ihren CO2-Ausstoß Zertifikate erwerben - je knapper diese
werden, desto teurer wird das Emittieren.
Ein Teil der Zertifikate wird der Industrie kostenlos zugeteilt, um
Wettbewerbsnachteile gegenüber Unternehmen außerhalb Europas abzufedern. Wie
viele dieser kostenlosen Zertifikate ein Unternehmen erhält, hängt von
sogenannten Benchmarkwerten ab - also technischen Vergleichswerten für besonders
effiziente Produktion. Es gibt bislang dezidierte Benchmarks für Produkte und
Produktgruppen sowie einen Brennstoff- und einen Wärme-Benchmark, die als
sogenannte Fallbacks genutzt werden. Fallback-Benchmarks kommen dann zum
Einsatz, wenn es für eine Tätigkeit keinen eigenen Produkt-Benchmark gibt.
Insgesamt existieren 52 Produkt-Benchmarks.
Die Benchmarkwerte für die Jahre 2026 bis 2030 werden nach der nun erfolgten
Abstimmung mit den Mitgliedstaaten von der EU-Kommission nur noch final
veröffentlicht und treten dann in Kraft.
Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit
seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund
2.000 Unternehmen - vom Global Player bis zum hoch spezialisierten
Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000
Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für
Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische
Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und
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