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Berlin (ots) - Verbindliche Mindeststandards für kritische Infrastrukturen
erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.
Unabhängige Prüfungen als Frühwarnsystem in der Resilienz-Architektur nutzen.
Physische und digitale Sicherheit integrieren. TÜV-Verband legt Positionspapier
vor.
Die Resilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ist angesichts
geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen, regelmäßiger Cyberangriffe und
fragiler Lieferketten zu einer drängenden sicherheitspolitischen Aufgabe
geworden. In einem aktuellen Positionspapier fordert der TÜV-Verband, die
Resilienz ziviler, technischer und wirtschaftlicher Infrastrukturen in
Deutschland zu verbessern. Unter anderem sollten Mindestanforderungen für
Notbetrieb, Redundanz und Ersatzversorgung kritischer Systeme festgelegt und
deren Einhaltung unabhängig überprüft werden. "Im Krisenfall müssen
sicherheitskritische Bereiche wie die Energieversorgung, wichtige
Gesundheitseinrichtungen, Verkehrswege und digitale Infrastrukturen wie
Rechenzentren und Datennetze funktionsfähig bleiben", sagt Juliane Petrich,
Referentin für Politik und Nachhaltigkeit beim TÜV-Verband. "Resilienz
entscheidet darüber, ob die Bevölkerung im Ernstfall sicher ist, Unternehmen
weiter funktionieren und staatliche Institutionen handlungsfähig bleiben." Sie
umfasse die Fähigkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen, den Betrieb unter
Krisenbedingungen aufrechtzuerhalten und Systeme nach Ausfällen geordnet
wiederherzustellen. Der TÜV-Verband fordert deshalb verbindliche Standards für
kritische Funktionen, regelmäßige Belastungs- und Krisentests sowie die
systematische Einbindung unabhängiger Prüfungen in die Sicherheitsvorsorge.
Physische und digitale Sicherheit gemeinsam betrachten
Neben dem akuten Stromausfall in Berlin am Jahresanfang zeigen aktuelle Daten
den Handlungsdruck. Das Bundeskriminalamt registrierte im Jahr 2025 in
Deutschland 321 Sabotageverdachtsfälle auf Kritische Infrastrukturen und fast
1.300 verdächtige Drohnenüberflüge. Laut "TÜV-Baurechtsreport 2026" weist gut
jede dritte Brandschutzanlage in Sonderbauten wie Kliniken, Hochhäusern oder
Einkaufszentren erhebliche Mängel auf. In der TÜV Cybersecurity-Studie geben 15
Prozent der Unternehmen an, im Jahr vor der Befragung Opfer eines Cyberangriffs
geworden zu sein. Diese gehen zunehmend von staatlichen Akteuren aus. Aus Sicht
des TÜV-Verbands stellt vor allem das Zusammenwachsen von physischen und
digitalen Systemen eine besondere Herausforderung für die Sicherheit dar.
"Gebäudetechnik, Energienetze, industrielle Anlagen oder medizinische Geräte
sind gleichzeitig physische und digitale Systeme", sagt Marc Fliehe,
Cybersecurity-Experte beim TÜV-Verband. "Besondere Risiken entstehen an den
Schnittstellen zwischen analogen und digitalen Komponenten." Der Schutz vor
Cyberangriffen müsse daher über die digitale Welt hinaus verstärkt werden.
Die Empfehlungen des TÜV-Verbands im Überblick:
- Rahmenbedingungen schaffen: Deutschland braucht einen sektorübergreifenden
Ordnungsrahmen mit klaren Anforderungen an Notbetrieb, Wiederanlauf,
Redundanzen, Ersatzversorgung und Wiederherstellung kritischer Funktionen.
Zuständigkeiten, Prioritäten und Eskalationswege sollen eindeutig geregelt
werden.
- Unabhängige Prüfungen integrieren: Unabhängige Prüfungen sind ein zentrales
Instrument zur Früherkennung von Risiken und Schwachstellen. Prüfergebnisse
sollten systematisch für Risikobewertung, Aufsicht und Mängelbeseitigung
genutzt werden. Mängel müssen verbindlich und fristgerecht behoben werden.
- Physische und digitale Sicherheit verbinden: Physische und digitale Sicherheit
müssen künftig gemeinsam betrachtet werden. Neben "Security-by-Design" müssen
künftig auch "Resilience-by-Design" gelten, damit Systeme auch bei Angriffen
oder Ausfällen unter erschwerten Bedingungen funktionsfähig bleiben.
- Qualifizierung und Personalverfügbarkeit ausbauen: Resilienz hängt wesentlich
von qualifiziertem Personal und eingeübten Prozessen ab. Regelmäßige
Lasttests, Planspiele, Wiederanlaufübungen und sektorübergreifende
Krisenszenarien sollen verpflichtender Bestandteil von Resilienz-Strategien
werden.
Das Positionspapier "Resilienz stärken. Sicherheit gewährleisten. Beitrag
unabhängiger Prüfungen zu kritischen Funktionen und Gesamtverteidigung" (https:/
/www.tuev-verband.de/positionspapiere/resilienz-kritischer-infrastrukturen-durch
-unabhaengige-pruefungen-staerken) steht ab sofort auf der Website des
TÜV-Verbands zum Download bereit.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
Pressekontakt:
Maurice Shahd
Pressesprecher
TÜV-Verband e. V.
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