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Berlin/Damaskus (ots) -
- Hohe Rückkehrzahlen erzeugen falsche Vorstellung von Sicherheitslage
- Großteil der Bevölkerung weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen
- Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur müssen vorangetrieben werden
Fast zwei Millionen Kinder sind in den vergangenen 18 Monaten in ihre Heimatorte
in Syrien zurückgekehrt. Doch bei der weltweit größten freiwilligen
Rückkehrbewegung finden viele von ihnen zerstörte Häuser, fehlende
Grundversorgung und lebensgefährliche Sprengkörper vor, warnt Save the Children
einen Tag vor dem Weltflüchtlingstag. Die Kinderrechtsorganisation befürchtet,
dass die hohe Zahl an Rückkehrenden eine gefährliche Fehleinschätzung verstärkt,
die Lage in Syrien sei nach Ende des 14-jährigen Konflikts sicher.
"Familien kehren mit der Hoffnung in ihre Heimat zurück, dass ihre Kinder
endlich in Sicherheit aufwachsen können. Doch die Situation ist an vielen Orten
unzumutbar", sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children
Deutschland, der sich im vergangenen Jahr ein Bild von der Situation der Kinder
in Syrien gemacht hat. "Kein Kind kann neu anfangen, wenn es hungrig ist, kein
sauberes Wasser hat, keine Schule besuchen kann und beim Spielen Angst haben
muss, auf einen Blindgänger zu treten."
Laut UNHCR sind seit Dezember 2024 mehr als 1,6 Millionen Geflüchtete nach
Syrien zurückgekehrt, darunter 953.000 Kinder. Save the Children schätzt, dass
zudem über eine Million Kinder, die innerhalb Syriens vertrieben waren, in ihre
Herkunftsgebiete zurückgekehrt sind. Trotz der hohen Rückkehrzahlen benötigen
fast 70 Prozent der Bevölkerung humanitäre Hilfe, darunter 7,5 Millionen Kinder.
Auch die zwölfjährige Lina* und ihre Familie wollten nach Hause zurückkehren.
"Als wir in unser Dorf kamen, lagen sowohl unser Haus als auch unsere Schule in
Trümmern, und wir konnten nicht bleiben, also kehrten wir ins Camp zurück."
Eine Umfrage von Save the Children in 90 syrischen Haushalten bestätigt dieses
Bild: Fast zwei Drittel der Familien gaben an, bei ihrer Rückkehr ihre Häuser
beschädigt oder zerstört vorgefunden zu haben. Fast ebenso viele sagten, ihr
Zugang zu Wasser und Strom sei schlecht. Viele zurückgekehrte Familien
überlegten, erneut ihre Heimat zu verlassen. Drei Viertel der Befragten nannten
als mögliche Gründe eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage,
fast zwei Drittel eine Verschlechterung der Sicherheitslage.
Besonders stark betroffen sind Kinder. Jugendliche Mädchen sind häufig mit
unsicheren Schulwegen, Schulabbrüchen und dem Risiko von Frühehen konfrontiert.
Kinder mit Behinderungen werden oft von Hilfsangeboten ausgeschlossen. Außerdem
bleibt die Gefahr durch nicht explodierte Munition allgegenwärtig, sowohl auf
landwirtschaftlichen Flächen als auch täglich genutzten Wegen. Hinzu kommt eine
dramatisch geschwächte Gesundheitsversorgung. Nur etwas mehr als die Hälfte der
Krankenhäuser und ein Drittel der Gesundheitszentren sind voll funktionsfähig.
Save the Children fordert die syrische Regierung, die internationale
Gemeinschaft und Geber auf, die Sicherheit, die Rechte und den Zugang zu
Basisdienstleistungen für Kinder in den Mittelpunkt der Entscheidungen über die
Rückkehr zu stellen. Dazu gehören insbesondere die großflächige Räumung von
Sprengkörpern, die Wiederherstellung der Gesundheitsversorgung, der
Wasserversorgung und des Bildungswesens sowie die garantierte Ausstellung von
Ausweisdokumenten für zurückkehrende Kinder.
Save the Children ist seit 2012 in Syrien tätig und erreicht über fünf Millionen
Menschen, darunter mehr als drei Millionen Kinder, mit Unterstützung in den
Bereichen Kinderschutz, Bildung, Gesundheit, Ernährungssicherheit und
Existenzsicherung sowie Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Nach dem
politischen Umbruch Ende 2024 hat die Kinderrechtsorganisationen ihre
Aktivitäten im Land ausgeweitet.
* Name zum Schutz geändert
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und
Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und
Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte
unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save
the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen.
Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und
sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit
über 100 Jahren.
Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 -120
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