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Geplante Steuererhöhung auf Spirituosen verfehlt Ziel: BWSI warnt vor wirtschaftlichen Risiken und politischem Fehlanreiz

19.06.2026 12:08 Uhr Bundesverband Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI)

Wiesbaden/Berlin (ots) -

- Steueraufkommen unsicher: Konsumveränderungen können erwartete Mehreinnahmen deutlich reduzieren - 9,6 Mrd.-Euro-Branche unter Druck: Gastronomie und Mittelstand überproportional betroffen; Investitionen und Arbeitsplätze in Gefahr - Widerspruch in der Steuerpolitik: Entlastung bei Speisen einerseits, neue Belastungen bei Spirituosen andererseits - Zielgerichtete Maßnahmen statt pauschaler Steuererhöhungen: Wirtschaftliches Wachstum und Prävention wirksamer fördern

Die von der Bundesregierung diskutierte Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen ist aus Sicht des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI) weder fiskalisch verlässlich noch wirtschafts- oder gesundheitspolitisch überzeugend. Der Verband warnt vor Fehlanreizen, zusätzlichen Belastungen für Unternehmen und unbeabsichtigten Nebenwirkungen für Gastronomie und Innenstädte.

Fiskalische Wirkung fraglich

Steuerpolitische Maßnahmen müssen berechenbar und zielgerichtet sein. Genau daran bestehen bei einer möglichen Erhöhung der Spirituosensteuer erhebliche Zweifel. Bereits heute tragen Alkoholsteuern nur einen vergleichsweise kleinen Anteil zum Gesamtsteueraufkommen bei[1]. Zugleich zeigt eine BWSI-Modellrechnung (s. Tabelle): Höhere Steuern bedeuten nicht automatisch höhere Staatseinnahmen. Wenn Verbraucher auf Preissteigerungen mit Konsumrückgang oder Ausweichbewegungen reagieren, sinkt die versteuerte Menge deutlich. Zusätzliche Alkoholsteuereinnahmen werden somit durch geringere Mehrwertsteuereinnahmen teilweise aufgezehrt. Ab 2029 gehen die Gesamteinnahmen aus Alkoholsteuer und Mehrwertsteuer in der BWSI-Modellrechnung sogar zurück.

"Eine Steuererhöhung auf Spirituosen ist kein verlässliches Instrument zur Haushaltskonsolidierung. Wer auf Mehreinnahmen setzt, muss auch berücksichtigen, dass sich Konsumverhalten anpasst. Das untergräbt die Kalkulation des Ministeriums und bringt negative Konsequenzen für die Wirtschaft mit sich", erläutert Dr. Alexander Tacer, Geschäftsführer des BWSI.

Belastung für Gastronomie und mittelständische Strukturen

Besonders betroffen wären getränkegeprägte Gastronomiebetriebe, also Bars, Kneipen und Clubs, die bereits seit Jahren unter steigenden Kosten und wirtschaftlicher Unsicherheit leiden. Zusätzliche steuerliche Belastungen erhöhen den Preisdruck, dämpfen die Nachfrage und erschweren Investitionen.

Die Konsequenz: ein wachsender Druck auf Geschäftsmodelle, rund 225.000 Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Stabilität einer Branche, die einen Jahresumsatz von annähernd 10 Mrd. Euro erwirtschaftet (Stand 2024), stark mittelständisch geprägt ist und entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirkt.

Maren Meyer, Vorstandsvorsitzende Deutsche Barkeeper-Union e.V., ergänzt: "Gerade jetzt braucht die Branche Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Zusätzliche steuerliche Belastungen treffen vor allem diejenigen Betriebe, die ohnehin unter hohem wirtschaftlichem Druck stehen. Die Politik muss jetzt zeigen, dass sie die besondere Rolle von Bars, Kneipen und Clubs für unsere Gesellschaft ebenso wie unsere Wirtschaft erkannt haben und entsprechend handeln."

Inkonsistente Steuerpolitik schwächt Wirkung von Entlastungsmaßnahmen

Aus Sicht des BWSI steht die Debatte über eine höhere Spirituosensteuer zudem im Widerspruch zu bestehenden politischen Maßnahmen: So wurde die Gastronomie zuletzt durch steuerliche Anpassungen gezielt entlastet. Eine gleichzeitige Mehrbelastung einzelner Produktgruppen konterkariert diese Ziele und führt zu inkonsistenten politischen Signalen.

Auch gesundheitspolitisch bleibt die Wirksamkeit pauschaler Steuererhöhungen auf einzelne Produktkategorien begrenzt. Der Alkoholkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig, während Präventionsmaßnahmen und Jugendschutz zunehmend greifen.

Dr. Alexander Tacer, Geschäftsführer des BWSI:"Wer verantwortungsvollen Konsum stärken will, sollte auf gezielte Prävention und Aufklärung setzen statt auf pauschale Steuererhöhungen, die weder differenzieren noch nachweislich wirksam sind."

Breitere Auswirkungen auf Wirtschaftsstandort und Innenstädte

Über die unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte hinaus sieht der Verband auch Risiken für die Attraktivität von Innenstädten und lokale Wirtschaftsstrukturen. Gastronomiebetriebe übernehmen eine wichtige Funktion für Frequenz, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Dynamik insbesondere in urbanen Räumen, aber auch im ländlichen Raum. Eine zusätzliche Belastung könnte dazu beitragen, bestehende strukturelle Herausforderungen weiter zu verschärfen.

Position des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International e.V.

Der BWSI plädiert daher für eine evidenzbasierte und kohärente Steuerpolitik:

Statt pauschaler Steuererhöhungen sollten gezielte Maßnahmen zur Stärkung von Wirtschaftskraft, Investitionen sowie Aufklärung und Prävention im Fokus stehen.

Tabelle: BWSI-Modellrechnung auf Basis einer Preiselastizität von -1,5.

Jahr Versteuerte Alkoholsteuer MwSt.-Einnahmen Gesamteinnahmen Veränderung Menge nach aus Alkoholsteuer ggü. Vorjahr Modell und MwSt.

2026 149 Mio. Liter 1,941 Mrd. EUR 0,265 Mrd. EUR 2,206 Mrd. EUR 2027 111 Mio. Liter 2,057 Mrd. EUR 0,230 Mrd. EUR 2,287 Mrd. EUR + 81 Mio. EUR 2028 94 Mio. Liter 2,079 Mrd. EUR 0,220 Mrd. EUR 2,299 Mrd. EUR + 12 Mio. EUR 2029 80 Mio. Liter 2,088 Mrd. EUR 0,200 Mrd. EUR 2,288 Mrd. EUR - 11 Mio. EUR

Die BWSI-Modellrechnung basiert auf der aktuellen Verbrauchsmenge von 149 Mio. Litern Reinalkohol und unterstellt für Spirituosen eine Preiselastizität von -1,5. Sie zeigt: Reagieren Verbraucherinnen und Verbraucher auf deutliche Preissteigerungen mit Konsumrückgang oder Ausweichreaktionen, sinkt die versteuerte Menge spürbar - von 149 Mio. Litern im Jahr 2026 auf rund 80 Mio. Liter im Jahr 2029. Die Einnahmen aus der Alkoholsteuer steigen dadurch trotz höherer Steuersätze nur begrenzt. Werden zusätzlich die rückläufigen Mehrwertsteuereinnahmen berücksichtigt, gehen die Gesamteinnahmen aus Alkoholsteuer und Mehrwertsteuer im Modell ab 2029 sogar zurück.

Über den Bundesverband Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI)

Der Bundesverband Wein und Spirituosen International e. V. repräsentiert rund fünfzig kleine, mittelständische und große Hersteller, Händler und Importeure von Wein und Spirituosen, die das wesentliche Volumen des Einfuhrhandels nach Deutschland repräsentieren. Seine Mitglieder bereichern den deutschen Markt um qualitativ hochwertige Weine, Perlweine, Schaumweine, Likörweine, aromatisierte Weine und Spirituosen aus aller Welt. Der BWSI verfolgt dabei keine eigenwirtschaftlichen Zwecke.

Über die Deutsche Barkeeper-Union e.V. (DBU)

Seit 1909 ist die DBU e.V. die Stimme der deutschen Barbranche. Als Berufsfachverband vereint sie Barprofis und Menschen mit Leidenschaft für Barkultur, Gastfreundschaft und hochwertige Drinks. Die DBU fördert Wissenstransfer und Weiterbildung, vertritt die Interessen der Branche und schafft ein starkes Netzwerk für Austausch, Inspiration und gemeinsames Wachstum.

[1] s. Steuereinnahmen, Statistisches Bundesamt unter: https://genesis.destatis.de/datenbank/online/url/3229b149

Kontakt für Rückfragen:

Oliver Hennes Bundesverband Wein und Spirituosen International e. V. Verbandssitz: Sonnenberger Straße 46, 65193 Wiesbaden Hauptstadtbüro: Pariser Platz 3, 10117 Berlin Tel.: +49 611 521033 E-Mail: mailto:info@wein-spirituosen-verband.de Webseite: http://www.wein-spirituosen-verband.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/182821/6297697 OTS: Bundesverband Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI)


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Bundesverband Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI)
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