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Stuttgart (ots) - Für eine genussvolle Auszeit ist Oberschwaben-Allgäu genau die
richtige Region. Auf geht's zu herzlichen Gastgeberinnen, feinen Spezialitäten
und einem sehr weiten Horizont
Der Cappuccino ist so, wie ich ihn liebe: kräftig, voller Röstaromen und mit
viel aufgeschäumter Milch. Ich sitze auf der Terrasse vor dem Rösslerhof in
Schlier und tauche die Gabel in ein Stück selbst gemachten Apfelkuchen mit
Sahne. Ein Glücksmoment! Zufrieden blinzele ich in die Sonne und lausche: Bienen
summen, ich höre Kühe muhen. Der leise Vielklang der Bauernhof- und
Naturgeräusche klingt in meinen Ohren nach Entspannung und Ankommen. Schon der
Weg hierher war wunderbar unaufgeregt - ein schmales Sträßchen schlängelt sich
durch die Wiesen, Felder und Hügel des württembergischen Allgäus bis zum
alleinstehenden Hof der Güldenbergs.
Im Einklang mit der Natur leben und arbeiten
Tochter Sophia ist frisch gebackene Landwirtin - sie hat mir den Kuchen
gebracht. Und weil noch nicht viel los ist, erzählt sie, dass der
Bioland-Betrieb 70 Milchkühe hat, Kälbchen großzieht und Acker- und
Grünland-Wirtschaft betreibt. Der Rösslerhof, im 13. Jahrhundert von der
Benediktinerabtei Weingarten gegründet, ist heute im Besitz der Familie
Güldenberg. Und Bianka und Gereon, Sophias Eltern, öffnen ihn auch für Gäste:
Die können im Hofladen Biolebensmittel kaufen, im Café einkehren und in fünf
Ferienwohnungen übernachten. Mutter Bianka, die sich mittlerweile auch zu uns
gesellt hat, sagt: "Das ist für mich ein großes Privileg, dass wir als Familie
zusammenleben, gestalten und arbeiten dürfen - und das alles im Einklang mit der
Natur."
Ich bin gestern in der Region angekommen, habe im Hotel Zum Schloss im nahen
Amtzell übernachtet. Und auch dort gab's alles, was ich für eine
Wochenend-Auszeit brauche: Natur, herzliche Menschen und gutes Essen.
Gastgeberin Stephanie Fischer hat mich mit allerlei Tipps versorgt und gefragt,
ob ich noch für ein paar Stunden eins der Leih-E-Bikes haben möchte. "Oder du
gehst einfach in unserem Badesee schwimmen", ergänzt sie: "Der ist nur 300 Meter
entfernt." Der Vorschlag gefällt mir. Ehemann Ralph lächelt und sagt: "Wir haben
es als Gastgeber leicht, weil die Region so viel bietet." Na ja, das ist ein
bisschen tiefgestapelt: Die individuell eingerichteten Zimmer, die freundliche
Art und die feine Küche gehören zum Gesamtpaket schon dazu. Abends probiere ich
ein regionales Vitello forello - mit einer Forellen- statt einer Thunfischcreme.
So gut wie alles, was auf den Tisch kommt, stammt aus der Nähe. Seit Kurzem ist
das Hotel Zum Schloss mit dem Ökolabel "GreenSign" zertifiziert. Die Fischers
empfehlen mir, nach dem Abendessen noch einen Spaziergang zur
Heilig-Kreuz-Kapelle zu unternehmen. Und da sitze ich nach einem kurzen Aufstieg
andächtig in dem kühlen Kirchlein, das in seiner Einfachheit wirklich anrührend
ist. Auch draußen auf der Bank unter der alten Linde gefällt es mir. Der Blick
reicht über die hügelige Landschaft bis zu den Alpen. Es fühlt sich ein bisschen
so an, als sei ich zu Besuch bei Freunden.
Doch zurück zum Rösslerhof: Ich frage natürlich auch Bianka und Sophia nach
Empfehlungen. Und die beiden haben gleich zwei Ideen: zum Rösslerweiher
spazieren oder die Käserei Bauhofer ganz in der Nähe besuchen. Dorthin liefern
die Güldenbergs einen Teil ihrer Biomilch. Weil ich über Nacht in einer der
wunderschön eingerichteten Ferienwohnungen auf dem Rösslerhof bleibe, entscheide
ich mich erst einmal für den See. Später darf ich auch noch mit Gereon und
Sophia im Stall vorbeischauen: Dort mümmeln Kühe und Kälbchen zufrieden frischen
Klee und frisches Gras.
Am nächsten Morgen besuche ich die Käserei Bauhofer, wo mir Belinda Locherer und
Marcus Scherler zeigen, wie aus der Milch, die unter anderem von diesen Tieren
stammt, hochwertiger Käse entsteht. "Gäste dürfen uns bei der Käseherstellung
über die Schulter schauen", erzählt Belinda. "So erleben sie, dass das hier
trotz der modernen Maschinen ein Handwerk ist, das Leidenschaft und Geduld
erfordert." Stimmt, die Käselaibe liegen viele Wochen in langen Holzregalen und
werden zwischendurch gewendet und gewaschen. Einen Teil der schweren Arbeit
übernehmen mittlerweile Roboter. So ein kreisrunder duftender Laib wiegt nämlich
bis zu 80 Kilogramm. Der Rohmilchkäse wird mit feinster Heumilch hergestellt und
man schmeckt, dass die Laibe ohne Eile reifen. Etwas unschlüssig stehe ich
später im kleinen Laden. Welchen Käse nehme ich jetzt mit nach Hause? Den
Allgäuer Emmentaler oder den Bergkäse? Oder vielleicht doch den mit der feurigen
Chilirinde? Die Verkäuferin lässt mich probieren und meint: "Nimm doch einfach
von jedem ein kleines Stück mit, dann brauchst du dich gar nicht zu
entscheiden." Ich lächele. Wir verstehen uns.
Info-Kasten:
Mehr Infos zur Region gibt's unter http://www.oberschwaben-tourismus.de und
weitere Bauernhöfe, auf denen man als Gast übernachten kann, bei
http://landorado.de
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