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Bielefeld (ots) - Warm und sonor klingen die Posaunen. Tief und voluminös die
Tuben. Hell und durchdringend die Trompeten. Heiter und gelöst das Gelächter.
Die weit geöffnete Außentür zur Posaunenmission Bethel lässt Passanten wie
Anwohner im wahrsten Sinne am "harmonischen" Innenleben teilhaben. Es wird
geprobt an diesem frühsommerlichen Abend. Und das bedeutet vor allem:
hochkonzentriertes Musizieren, ausdrücklich aber auch die eine oder andere
Flachserei.
"Genau das macht uns auch aus", sagt Diakon Joachim von Haebler, seit 1993
Leiter der Posaunenmission Bethel und bundesweit einziger hauptberuflicher
Leiter eines Posaunenchores. "Wir finden immer eine gute Mischung. Uns eint der
Spaß am Spielen und die Freude an der Geselligkeit. Und natürlich wollen wir
über die wöchentliche Probenarbeit weiter an Qualität hinzugewinnen", erzählt
er.
Das musikalische Repertoire der Posaunenmission Bethel sei groß, betont Diakon
Joachim von Haebler. Rock, Pop, Jazz, Gospel, klassische Musik ... Die
Posaunenmission Bethel mit ihren insgesamt 75 Bläserinnen und Bläsern hat alle
Genres drauf. "Wenn es passt und gewünscht ist, sind wir uns auch nicht zu
schade, eine böhmische Polka rauszuholen", erzählt von Haebler lächelnd.
Das Haus Schlüsselblume, seit 1974 der Standort des Posaunenchores der
Zionsgemeinde, ist für viele der Bläserinnen und Bläser eine zweite Heimat. Und
der Blick über die dirigierenden Hände von Diakon Joachim von Haebler in die
Gesichter der Musizierenden offenbart: Der Posaunenchor begeistert Jung wie Alt.
Während Frank Schölz bereits seit 1977 Mitglied ist, wurde Sohn David Wattenberg
in dem musikalischen Haushalt die Posaune quasi in die Wiege gelegt. "Ich habe
schon als Kleinkind aus dem Kinderwagen 'Tochter Zion' gepfiffen", erinnert sich
der 32-Jährige.
Schätzt David Wattenberg vor allem das Musizieren und die Gemeinschaft an der
Posaunenmission, steht bei seinem Vater der religiöse Aspekt stärker im
Vordergrund. Durch den Entsendungsgedanken oder musikalische Auftritte, wie dem
letzten Geleit auf Trauerfeiern, möchte der 67-Jährige den Menschen etwas
zurückgeben. Obwohl ihre Gründe für das Mitwirken auch generationsbedingt
unterschiedlich sind, haben Vater und Sohn für das Jubiläumsjahr das gleiche
Ziel: "Wir wollen das verstaubte Image, das uns in der Öffentlichkeit etwas
anhaftet, loswerden." Denn unter den rund 100.000 Bläsern, die deutschlandweit
in Chören organisiert sind, befinden sich viele junge Musizierende.
Gelegenheit, sich von der musikalischen Vielseitigkeit der Posaunenmission
Bethel zu überzeugen, bieten drei Jubiläumskonzerte in der Zionskirche in
Bielefeld-Bethel: Freitag, 3. Juli, 20 Uhr, Konzert des Ensembles "ProBlech" und
des Ensembles ZION; Samstag, 4. Juli, 17 Uhr, Jubiläumskonzert mit dem großen
Chor der Posaunenmission Bethel und Gästen; Sonntag, 5. Juli, 15 Uhr,
Gottesdienst zum Jubiläum mit dem großen Chor der Posaunenmission, Ehemaligen
und Gästen. Der Eintritt ist frei.
Bewegende Historie
Die Geschichte der Posaunenmission in Bethel reicht bis ins Jahr 1875 zurück.
Damals warb Anstaltsleiter Friedrich von Bodelschwingh auf dem Betheler
Jahresfest um Spenden für Posauneninstrumente. Zuvor hatte der Pfleger Peter
Heinrich Venghaus an freien Sonntagen mit seiner Posaune vor den Häusern
musiziert und damit Patienten wie Mitarbeitende begeistert. Schnell entstand
unter ihnen der Wunsch, selbst das Hornblasen zu erlernen. 1876 leitete Heinrich
Wienkamp aus Wallenbrück bei Spenge die ersten Übungsstunden mit Betheler
Mitarbeitenden.
Einen entscheidenden Aufschwung erlebte die Posaunenmission ab 1893 unter
Johannes Kuhlo, dem neuen Vorsteher der Diakonenanstalt Nazareth. Als prägende
Persönlichkeit der evangelischen Posaunenbewegung machte er die Betheler Bläser
weit über die Region hinaus bekannt. Besondere Bekanntheit erlangten das
"Kuhlo-Horn-Sextett" und das "Duwe-Quartett". Kuhlo war 1922 als Vorsteher
Nazareths in den Ruhestand gegangen. Walter Duwe, seit 1905 Mitglied des Chors,
wurde ab 1923 hauptamtlich in der Betheler Posaunenarbeit tätig.
Neben seinen musikalischen Verdiensten müssen allerdings Kuhlos antisemitische
Äußerungen und seine aktive Nähe zur NSDAP kritisch benannt werden. 1933 trat er
der Partei bei, unterstützte offen den Nationalsozialismus und wurde im selben
Jahr zum Reichsposaunenführer der Evangelischen Posaunenmission Deutschlands
ernannt.
Nach 1945 engagierten sich besonders viele Jugendliche in der Posaunenmission.
Duwe leitete die Arbeit bis 1964 weiter. Seine Nachfolger Johannes Gottwald und
Paul Friedrich Klein stärkten vor allem die Gemeinde- und Jugendarbeit in
Bethel. Seit 1993 leitet Diakon Joachim von Haebler die Posaunenmission.
Pressekontakt:
v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
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OTS: Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
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