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Berlin (ots) - Eine große Mehrheit (86 Prozent) der Bevölkerung findet laut
einer repräsentativen Forsa-Umfrage, dass sich humanitäre Hilfe allein nach der
Schwere der Not orientieren sollte und nicht an geopolitischen Interessen.
Gleichzeitig finden 73 Prozent, dass die internationale Gemeinschaft mehr Mittel
bereitstellen sollte, um Hunger und Armut weltweit zu bekämpfen. Die massiven
Kürzungen der Bundesregierung in der humanitären Hilfe stoßen in der Bevölkerung
auf deutliche Kritik: 48 Prozent aller Befragten halten die Kürzungen für zu
stark.
"Die aktuelle Forsa-Umfrage ist ein Weckruf für die Bundesregierung", sagt Jan
Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. "Die
Menschen in Deutschland erwarten, dass humanitäre Hilfe auch in Zeiten knapper
Kassen wichtig bleibt. Die Koalition muss diese Botschaft ernst nehmen und
sicherstellen, dass sich dieser Rückhalt im Haushaltsentwurf 2027
widerspiegelt."
Obwohl die humanitäre Hilfe im Vergleich zu anderen außenpolitischen Bereichen
eine geringere Priorität genießt, stößt der drastische Sparkurs der
Bundesregierung und die Kürzung der Mittel für die weltweite Nothilfe um mehr
als die Hälfte auf Ablehnung: Rund die Hälfte (48 Prozent) aller Befragten
findet die Kürzungen zu stark.
0,2 Prozent für humanitäre Hilfe zu niedrig
Gleichzeitig empfinden 37 Prozent der Deutschen die Ausgaben für humanitäre
Hilfe generell als zu niedrig, ein Drittel (33 Prozent) hält diese für
angemessen. Nur 18 Prozent bewerten sie als zu hoch. Der Anteil der Ausgaben für
humanitäre Hilfe am Gesamthaushalt der Bundesregierung liegt im Jahr 2026 bei
rund 0,2 Prozent. Am 6. Juli wird die Bundesregierung den Kabinettbeschluss für
den Haushalt 2027 vorlegen.
"Die Bundesregierung steht vor einer Richtungsentscheidung: Investiert sie
weiter in humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit oder zieht sie sich
aus ihrer internationalen Verantwortung zurück? Kürzungen im Haushalt gefährden
nicht nur Menschenleben, sondern schwächen auch Deutschlands Rolle als
verlässlicher Partner in Krisenzeiten", so Jan Sebastian Friedrich-Rust. Bis
2030 könnten bis zu 22,6 Millionen Menschen, darunter fünf Millionen Kinder, an
den globalen Kürzungen sterben.
Einschätzung außenpolitischer Aufgaben
Im direkten Vergleich verschiedener außenpolitischer Aufgaben messen die
Bundesbürger der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung die höchste
Bedeutung bei: 70 Prozent halten dieses Engagement für besonders wichtig. Es
folgen die Diplomatie und Konfliktlösung (63 Prozent), militärische Sicherheit
und Verteidigung (55 Prozent) sowie Klimaschutz und die internationale
Umweltpolitik (44 Prozent). Für 40 Prozent ist die humanitäre Hilfe wie
Katastrophen- oder Nothilfe besonders wichtig.
Die große Mehrheit der Befragten meint, humanitäre Hilfe sollte sich
ausschließlich an der Not orientieren und nicht an geopolitischen Interessen (86
Prozent). Zudem sollte sich die Bundesregierung verstärkt für die Einhaltung des
humanitären Völkerrechts einsetzen (83 Prozent). Darüber hinaus sind fast drei
Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft
müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.
Mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht Deutschland in einer grundsätzlichen
Verantwortung, Menschen in Not weltweit und unabhängig von eigenen nationalen
Interessen zu helfen. Diese Solidarität zeigt sich auch im Privaten: 58 Prozent
der Befragten können sich vorstellen, selbst für humanitäre Hilfe im Ausland zu
spenden.
"In Zeiten geopolitischer Umwälzungen und gesellschaftlicher Polarisierung sind
die Umfrageergebnisse ein starkes Zeichen für Solidarität und Verantwortung. Für
die deutsche Bevölkerung ist humanitäre Hilfe kein Werkzeug geopolitischer
Interessen, sondern eine moralische Pflicht, die sich an der Not der Betroffenen
orientiert", so Friedrich-Rust. "Nach den massiven Kürzungen der Hilfsgelder
fordern die Menschen mehr Engagement bei der Bekämpfung von Hunger und Armut."
Hinweise an die Redaktionen
- Die Ergebnisse und die grafische Auswertung der Befragung finden Sie hier (htt
ps://aktiongegendenhunger.sharepoint.com/:f:/s/Presse_Medien/IgCQGmSXxgMHSqaLz
Vx96mkmASoIn7TjXIc5qK9vk4TPYcQ?e=MsyVAF) .
- Die repräsentative Umfrage zum Thema "Bedeutung der internationalen
humanitären Hilfe" wurde von forsa - Gesellschaft für Sozialforschung und
statistische Analysen mbH durchgeführt. Befragt wurden 1.008 Personen ab 18
Jahren, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden. Die
Befragung wurde vom 9. bis 11. Juni 2026 telefonisch durchgeführt.
- Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder
Hintergrundgespräche.
Über Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische
Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund
26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen
den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und
gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten
Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.
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