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Berlin (ots) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat zum Thema Krankschreibung erneut
gezeigt, dass Sachpolitik seine Sache eben nicht ist. "Wir müssen den
Krankenstand senken", so das deklarierte Ziel. In der Logik des Kanzlers reicht
es zu verhindern, dass sich Menschen zu "einfach" krankmelden - und schon sind
sie gesund.
Dagegen spricht vieles: Nicht nur, dass telefonische Krankschreibungen selbst in
der Pandemie maximal 1,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
ausmachten. Jetzt die Videosprechstunden als Alternative anzudeuten, ist einfach
lachhaft, wenn man nicht je Praxis noch einen Arzt zusätzlich dafür beschäftigen
will. Auch die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag wäre kontraproduktiv:
Millionen nicht nötiger Arztbesuche würden die Versorgung blockieren. Hier fehlt
nur noch, dass der Vorschlag eines Karenztages zu Beginn jeder Krankschreibung
wieder hervorgeholt wird: kein Lohn für den ersten Tag.
Die Fakten zu diesem Thema liegen nicht erst seit heute vor. Ist Merz bei
Blackrock auch so mit der Realität umgegangen? Falsche Frage - es geht darum,
die Umverteilung nach oben systematisch auszubauen. Wer den Manager einer
Vermögensverwaltung zum Kanzler macht, bekommt Vermögensverwaltung. Das führt
zum Regierungscredo, Unternehmen die größtmögliche Freude mit weiteren
Umdrehungen der Schraubzwinge für Lohnabhängige zu machen.
Nicht nur Menschen in völlig prekären ökonomischen Verhältnissen, sondern auch
viele weitere, bis in den Mittelstand hinein, sehen sich jetzt schon unter Druck
und haben Zukunftsängste. Anhand des Themas Krankschreibung sollen die da unten
erkennen, wo die Reise hingeht. So die Instrumente zu zeigen, ist nicht eben
klug direkt vor wichtigen Wahlen in einigen Bundesländern. Kommt es also jetzt
zu einem Einlenken in der Sache, sollte sich davon niemand täuschen lassen.
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