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Berlin (ots) - Der deutsche Journalismus steht vor der Herausforderung, den
Nahostkonflikt ausgewogen und differenziert einzuordnen. Wie gelingt ihm das?
Und wie schätzen die staatsfernen Gremien der deutschen Medienaufsicht das ein?
Die Studie "Medienaufsicht in Ausnahmezeiten - Presserat, Rundfunkräte,
Medienanstalten und die deutsche Nahost-Berichterstattung"
(https://www.rosalux.de/publikation/id/54687) des Medienjournalisten Stefan Mey
kommt zu dem Ergebnis, dass die Kontrollmechanismen nur eingeschränkt
funktionieren. Während der Presserat seinen Kontrollauftrag aktiv wahrnimmt,
bleiben Rundfunkräte und Landesmedienanstalten überwiegend passiv. Dies werfe
grundlegende Fragen nach der demokratischen Resilienz des deutschen
Mediensystems auf.
Stefan Mey untersucht und vergleicht in der Studie die Arbeit des Presserats,
der zwölf Rundfunkräte und 14 Landesmedienanstalten zwischen Oktober 2023 und
Dezember 2025. Im Fokus stehen Beschwerden zu Nahost-Berichterstattung.
Der Deutsche Presserat entschied über 72 Beschwerden zu Nahost-Berichterstattung
und sprach zwölf öffentliche Rügen aus. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
wurden ebenfalls 72 Programmbeschwerden entschieden. Es kam zu fünf förmlichen
Beanstandungen. Bei den Landesmedienanstalten ergab die Untersuchung keinen Fall
journalistischer Medienaufsicht im privaten Rundfunk - allerdings ein Vorgehen
gegen einen Palästina-solidarischen Influencer.
Henning Obens, Bereichsleiter der Politischen Kommunikation der
Rosa-Luxemburg-Stiftung, sagt: "Mit der Studie soll eine sachliche Debatte über
die Rolle der Medienaufsicht angestoßen werden. Ziel ist es, journalistische
Standards zu stärken, Transparenz zu fördern und das Vertrauen in unabhängigen
Qualitätsjournalismus langfristig zu sichern."
Der Studienautor Stefan Mey, Autor der Studie, sagt: "Der Presserat macht einen
soliden Job und verurteilt regelmäßig journalistische Standardverletzungen - vor
allem bei einer großen Boulevard-Zeitung. Dabei zeigt sich ein klares Muster:
Alle Rügen zu Nahost-Berichterstattung gingen auf propalästinensisch motivierte
Beschwerden zurück. Rundfunkräte und Medienanstalten schöpfen ihre erheblichen
Möglichkeiten kaum aus. Journalistischen Regelverstößen und
antipalästinensischem Rassismus setzen sie wenig entgegen. Das System der
staatsfernen Medienaufsicht versagt teilweise. Das ist gefährlich, auch im
Hinblick auf zukünftige gesellschaftliche Konflikte."
Zur Studie: https://www.rosalux.de/publikation/id/54687 .
Pressekontakt:
Jannine Hamilton
Mobil +49-173-6096103
mailto:jannine.hamilton@rosalux.org
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/128021/6313918
OTS: Rosa-Luxemburg-Stiftung
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