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Mannheim (ots) - Die Rentenkommission empfiehlt eine grundlegende Reform der
Altersvorsorge: Erstmals sollen auch Selbstständige Teil des neuen Rentensystems
mit Kapitalmarkt-Komponente werden. Neue Unternehmer werden verpflichtet, aber
viele bestehende Unternehmer werden vor die Wahl gestellt: In die neue
gesetzliche Rente einsteigen oder weiter privat vorsorgen? Wo liegt der
Break-even?
Für Selbstständige geht es um eine der wichtigsten finanziellen
Weichenstellungen der nächsten Jahrzehnte. Die Frage ist nicht, ob man vorsorgt,
sondern welches System langfristig die bessere Rendite und Flexibilität bietet.
Dieser Beitrag ordnet ein, für welche Selbstständigen sich der Einstieg lohnen
könnte, wer besser privat vorsorgt und welche Fallstricke Unternehmer jetzt
kennen sollten.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht
Ob sich der Einstieg in das neue Rentensystem lohnt, lässt sich nicht allgemein
beantworten. Entscheidend sind unter anderem Einkommen, Gesundheitszustand,
Liquiditätsbedarf und die Bereitschaft, sich selbst um die Geldanlage zu
kümmern. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren entscheidet darüber, welche Form
der Altersvorsorge langfristig die bessere Wahl ist.
Für sicherheitsorientierte Selbstständige mit mittlerem Einkommen kann die
gesetzliche Rentenversicherung eine solide Basis darstellen. Sie bietet eine
lebenslange Rentenzahlung und umfasst außerdem Leistungen wie den
Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenschutz. Ein weiterer Vorteil: Anders als
viele private Vorsorgelösungen setzt sie keine Gesundheitsprüfung voraus. Auch
Gründer könnten profitieren, denn die geplante dreijährige Karenzzeit mit
reduziertem Beitrag soll die Liquidität in der Aufbauphase schonen.
Anders fällt die Bewertung häufig bei Unternehmern mit hohen Gewinnen oder
starkem Wachstum aus. Wer regelmäßig Kapital im eigenen Unternehmen benötigt
oder seine Geldanlage eigenständig steuern möchte, fährt mit privaten
Vorsorgelösungen oft besser. Flexible Sparraten, individuelle
Gestaltungsmöglichkeiten und die langfristigen Renditechancen breit gestreuter
ETF-Anlagen sprechen vor allem für finanzielle Spielräume und einen langen
Anlagehorizont.
Viele Experten plädieren deshalb dafür, bestehenden Selbstständigen weiterhin
ein Opt-out zu ermöglichen. Denn je nach Lebens- und Unternehmenssituation kann
sowohl die gesetzliche als auch die private Vorsorge die sinnvollere Lösung
sein.
Der Break-even hängt von mehreren Faktoren ab
Gerade weil beide Systeme unterschiedliche Stärken haben, lässt sich auch kein
allgemeingültiger Break-even bestimmen. Ob sich die gesetzliche oder die private
Vorsorge langfristig stärker auszahlt, hängt von mehreren Einflussgrößen ab.
Eine wichtige Rolle spielt zunächst die Beitragsbelastung. Selbstständige tragen
ihre Rentenbeiträge vollständig allein, während Arbeitnehmer vom
Arbeitgeberzuschuss profitieren. Ebenso beeinflusst die Lebenserwartung die
Wirtschaftlichkeit des Systems. Wer ein sehr hohes Alter erreicht, profitiert
tendenziell stärker von der lebenslangen Rentenzahlung. Stirbt ein Versicherter
dagegen früh, verbleibt ein Großteil der Beiträge im Solidarsystem.
Darüber hinaus verändert auch die Einkommenshöhe die Rechnung. Während die
gesetzliche Rentenversicherung bei moderaten Einkommen eine verlässliche
Grundabsicherung bieten kann, gewinnen private Vorsorgelösungen mit steigendem
Einkommen häufig an Attraktivität.
Unterschiede zeigen sich vor allem bei Flexibilität und Renditechancen
Die Entscheidung hängt jedoch nicht allein von der späteren Rendite ab. Ebenso
wichtig ist die Frage, wie flexibel das jeweilige System während des
Erwerbslebens ist.
Das gesetzliche Rentensystem bleibt überwiegend umlagefinanziert und wird
lediglich um eine Kapitalmarkt-Komponente ergänzt. Private ETF-basierte
Vorsorgelösungen partizipieren dagegen unmittelbar an der Entwicklung der
internationalen Kapitalmärkte und bieten langfristig höhere Renditechancen -
allerdings auch ohne Garantie.
Auch bei der Flexibilität unterscheiden sich die Modelle. Während die
gesetzliche Rentenversicherung nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten bietet,
lassen sich Beiträge bei privaten Lösungen häufig an die wirtschaftliche
Entwicklung des Unternehmens anpassen. Darüber hinaus bestehen - je nach Produkt
- größere Spielräume bei der Vererbung und der steuerlichen Gestaltung. Sowohl
die gesetzliche Rentenversicherung als auch die Basisrente bieten zudem einen
hohen Pfändungs- und Insolvenzschutz.
Nicht vorschnell für ein System entscheiden
Gerade deshalb sollten Selbstständige die Entscheidung nicht ausschließlich
unter Renditegesichtspunkten treffen. Ebenso wenig empfiehlt sich ein
konsequentes Entweder-oder-Denken.
In vielen Fällen kann eine Kombination verschiedener Vorsorgebausteine sinnvoll
sein. Eine gesetzliche Rentenversicherung oder Basisrente kann die
Grundabsicherung übernehmen, während ein ETF-Depot den langfristigen
Vermögensaufbau ergänzt. Auf diese Weise lassen sich Sicherheit und Flexibilität
miteinander verbinden.
Fazit
Die geplante Reform erweitert die Möglichkeiten der Altersvorsorge für
Selbstständige, macht die Entscheidung aber nicht einfacher. Ob sich der
Einstieg in das neue Rentensystem lohnt, hängt letztlich von der individuellen
Situation ab. Während sicherheitsorientierte Unternehmer häufig von der
gesetzlichen Absicherung profitieren können, sprechen für wachstumsstarke
Unternehmen und Gutverdiener oft die größeren Freiheiten privater
Vorsorgelösungen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Ziele und den Kapitalbedarf
realistisch einzuschätzen, bevor eine langfristige Entscheidung getroffen wird.
Über Tobias Vetter:
Tobias Vetter ist Finanzberater und Geschäftsführer der Vetter Group. Er
unterstützt Selbstständige, Unternehmer und GmbH-Geschäftsführer dabei, ihre
Steuerlast legal zu minimieren und ihre Finanzen strategisch zu strukturieren.
Mit einem ganzheitlichen Ansatz verbindet er Vertragsgestaltung, Vorsorge und
Vermögensaufbau zu einer durchdachten Steuerstrategie. Sein Credo: "Steuern
sparen ist kein Trick - es ist eine Frage der Struktur." Weitere Informationen
unter http://www.vetter-consulting.de
Pressekontakt:
Vetter Consulting GmbH
Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Tobias Vetter
E-Mail: mailto:info@vetter-consulting.de
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