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Itzehoe (ots) - Noch Anfang 2025 war sich die Börse sicher: Künstliche
Intelligenz macht Softwareunternehmen wie Adobe, Salesforce oder SAP zu
Gewinnern der Zukunft. Je intelligenter Software durch KI wird, desto wertvoller
würden auch die Unternehmen dahinter. Die SAP-Aktie schoss in die Höhe und wurde
zum wertvollsten Konzern Europas.
Heute erzählt die Börse eine andere Geschichte: Software wird durch KI
langfristig überflüssig. KI-Agenten werden künftig viele Aufgaben direkt
erledigen und klassische Programme ersetzen. Aus den Gewinnern von Anfang 2025
wurden so innerhalb von 18 Monaten die Verlierer von heute. Die SAP-Aktie brach
um fast 70% ein. Adobe, Salesforce & Co. ähnlich.
Was aber hat sich eigentlich seither so dramatisch verändert? Die Unternehmen?
Wohl kaum. Ihre Produkte? Auch nicht. Verändert hat sich vor allem die
Geschichte, die über die Firmen erzählt wird. Die Börsenreaktion verdeutlicht
die Macht dieser Erzählungen.
Dabei sind Geschichten so alt wie die Menschheit: Schon unsere steinzeitlichen
Vorfahren saßen am Lagerfeuer und erzählten sich von Gefahren, Helden, Feinden
und Göttern. Gemeinsame Erzählungen gaben Orientierung und ließen den Stamm
geschlossen handeln. Wer dieselbe Geschichte glaubte, gehörte dazu. Wer sie
infrage stellte, stand schnell im Abseits. Dieser Mechanismus war
überlebenswichtig - und steckt bis heute in uns.
Nur das Lagerfeuer brennt heute woanders: in TV-Nachrichten, der Tageszeitung,
im Internet. Die dort erzählten Geschichten verbreiten sich in Windeseile und
heißen neudeutsch "Narrative". Deren Macht ist heute noch genauso groß wie in
der Steinzeit: Sie prägen unsere Sicht auf die Dinge und setzen kollektives
Handeln in Bewegung - nicht nur an der Börse. Das Ergebnis: Herdentrieb.
Das Problem: die Geschichten über Unternehmen ändern sich deutlich schneller als
die Unternehmen selbst. 2020 galten Öl- und Energiekonzerne angesichts von
Klimaschutz und Energiewende als Auslaufmodelle. Heute sind sie wegen
geopolitischer Konflikte, wachsendem Strombedarf und energiehungriger KI wieder
gefragt. Aktuell gelten Halbleiteraktien als Gewinner des KI-Booms - schon bald
könnte eine andere Geschichte erzählt werden.
Verstehen Sie mich bitte richtig: Nicht jedes Narrativ ist falsch. Fast jedes
enthält einen wahren Kern. Gefährlich wird es, wenn Anleger eine gerade populäre
Sichtweise mit der dauerhaften Wahrheit verwechseln.
Erfolgreiches Investieren beginnt deshalb mit eigenständigem Denken. Nicht
einfach der neuesten Geschichte hinterherlaufen, sondern kritisch prüfen: Wie
dauerhaft ist die Geschichte? Wie stark die dahinterstehenden Geschäftsmodelle?
Wie anpassungsfähig die Unternehmen? Wie groß sind Preissetzungsmacht,
Innovationskraft und finanzieller Spielraum? Die Antworten auf diese Fragen sind
weit weniger spektakulär als die neusten Geschichten - für langfristigen
Anlageerfolg sind sie jedoch viel entscheidender.
Im IAC hören wir uns die Lagerfeuer-Geschichten aus Gesellschaft, Politik und
Börse aufmerksam an. Wir laufen ihnen jedoch nicht unkritisch hinterher. Statt
auf die vermeintlichen Gewinner des nächsten Trends zu wetten oder panisch aus
den angeblichen Verlierern zu fliehen, investieren wir so: konstant, breit
gestreut und in internationale Qualitätsaktien.
Denn unser Anlageerfolg soll nicht davon abhängen, welche Geschichte die Börse
morgen erzählt. Narrative kommen und gehen - Qualitätsunternehmen bleiben.
Pressekontakt:
Rene Petersdorf
Tel: +49 4821 6793-46
Fax: +49 4821 6793-19
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OTS: Itzehoer Aktien Club GbR
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