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Report Mainz: Trinkwasserversorgung gefährdet durch Hitzetage

28.07.2026 17:50 Uhr SWR - Das Erste

Mainz (ots) - Versorgung in Zukunft "kaum noch zu bewältigen" / Investition von Hunderten Milliarden für Infrastruktur notwendig / Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie zu langsam / ARD Politikmagazin heute, 21:45 Uhr, im Ersten

Mainz. Viele Wasserversorger sehen die Trinkwasserversorgung in Deutschland während extremer Hitzeperioden in Zukunft gefährdet. Das hat eine "Report Mainz"-Umfrage bei Wasserversorgern in den 50 größten und den 50 bevölkerungsreichsten Kreisen und kreisfreien Städten ergeben. Fast 19 Prozent der antwortenden Unternehmen geben an, angesichts steigender Hitzetage sei die Wasserversorgung in Zukunft mit der bisherigen Wasserinfrastruktur "kaum noch" oder "gar nicht" zu bewältigen. "Gerade noch" geben 45 Prozent an, 36 Prozent "gut".

In diesem Sommer war es bereits an mehreren Tagen in Deutschland zeitweise so heiß wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung, mit Temperaturen von teils über 40 Grad. In vielen Städten und Gemeinden hatte es in der Folge Einschränkungen oder Appelle zum Wassersparen gegeben, weil der Wasserverbrauch deutlich gestiegen war. Bei den Wasserversorgern, die an der "Report Mainz"-Umfrage teilgenommen haben, war das bei jedem vierten Unternehmen der Fall.

Experte: Wasserversorgung an vielen Stellen in Deutschland nicht zukunftssicher

Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft, an der Technischen Universität München, kritisiert im Interview mit dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz", die Wasserversorgung sei an vielen Stellen in Deutschland nicht zukunftssicher aufgestellt. Probleme erwartet der Experte insbesondere während extremer Hitzephasen, die aufgrund des Klimawandels zunehmen könnten. Die Appelle und Einschränkungen bezüglich der Wasserversorgung in diesem Jahr seien voraussichtlich nur ein erster Vorgeschmack: "Ich würde es tatsächlich als das neue Normal beschreiben, was wir hier sehen. Wir haben extreme Veränderungen in beide Richtungen. Zu viel Wasser auf der einen und zu wenig Wasser auf der anderen Seite. Vor allem auch schlechter prognostizierbar. Wir kennen das aus anderen Ländern, wo die Wasserversorgung nicht 24 Stunden gewährleistet ist." Das sei auch in Deutschland für einzelne Kommunen während extremer Hitzeperioden zeitweise vorstellbar, so Professor Jörg Drewes. Die heutige Trinkwasserinfrastruktur sei an vielen Orten nicht auf die extremen Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.

Trinkwasserinfrastruktur: Hunderte Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahrzehnten notwendig

Eine Studie im Auftrag des Verbands der Kommunalen Unternehmen (VKU) aus dem Jahr 2025 schätzt die nötigen Investitionen in die Wasserinfrastruktur auf 800 Milliarden Euro in den nächsten 20 Jahren. Zwischen 80 und 120 Milliarden Euro seien laut dem Gutachten für Klimawandelanpassungen nötig. Die Investitionen sind laut Experten beispielsweise notwendig, um etwa neue Wasserpipelines zu bauen, so dass wasserarme Bereiche mit wasserreichen Gebieten verbunden werden können. Außerdem geht es unter anderem um Talsperren, größere Wasserspeicher, Brunnen, aber auch neue Formen von Wassermanagement etwa in Großstädten.

Nationale Wasserstrategie: Aktueller Finanzrahmen "nur ein Tropfen auf den heißen Stein"

Seit 2023 gibt es auf Bundesebene die sogenannte "Nationale Wasserstrategie", die auch die Anpassung des Wassernetzes an den Klimawandel als eines der wichtigsten Ziele beschreibt. Prof. Jörg Drewes, der auch Co-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist, sieht Probleme bei der Umsetzung. Er kritisiert im Interview mit "Report Mainz", dass es an finanzieller Unterfütterung fehle. Der bisher angedachte Finanzrahmen sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Stattdessen lägen die erforderlichen Maßnahmen im mehrfachen Milliardenbereich. Solche Investitionen seien nicht mit dem Regelbudget eines öffentlichen Wasserversorgers zu stemmen: "Da sehe ich den Bund eindeutig in der Pflicht, die Daseinsvorsorge in Zukunft zu sichern, auch für kommende Generationen", so Drewes im Interview.

In der vom ARD-Politikmagazin durchgeführten Umfrage kritisieren Wasserversorger auch den Fortschritt der "Nationalen Wasserstrategie". Die Versorger, die auf "Report Mainz"-Anfrage antworteten, geben zu 63 Prozent an, dass es kaum oder gar nicht voran gehe. Nur 37 Prozent bewerten den Fortschritt als gut oder sehr gut. 69 Prozent erklären, sie erwarteten und benötigten für die Umsetzung deutlich mehr finanzielle Unterstützung vom Bund.

Bundesregierung fehlen belastbare Zahlen zur notwendigen Investitionshöhe

Das Bundesumweltministerium schreibt auf Anfrage, man habe im Koalitionsvertrag erstmal vereinbart, eine preisstabile und bedarfsgerechte Versorgung beim Wasser sicher zu stellen: "Deshalb wird zu schauen sein, wie groß die Infrastrukturinvestitionsaufgabe im Wasser/Abwasserbereich ist und ob und wie Lasten zwischen Bund, Ländern und Kommunen verteilt werden können. Der Bundesregierung liegen bislang keine belastbaren Zahlen zur notwendigen Investitionshöhe vor."

Insgesamt hatten sich an der nicht-repräsentativen "Report Mainz"-Umfrage mehr als 140 Wasserversorger beteiligt.

Zitate gegen Quellenangabe frei.

Weitere Informationen auf http://www.reportmainz.de

Bei Rückfragen rufen Sie bitte in der Redaktion "Report Mainz" an, Tel.: 06131 929-33351.

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Pressekontakt: Sibylle Schreckenberger, Tel.: 06131 / 929-32755, sibylle.schreckenberger@swr.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/75892/6323094 OTS: SWR - Das Erste


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - SWR - Das Erste
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