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Mainz (ots) - Versorgung in Zukunft "kaum noch zu bewältigen" / Investition von
Hunderten Milliarden für Infrastruktur notwendig / Umsetzung der Nationalen
Wasserstrategie zu langsam / ARD Politikmagazin heute, 21:45 Uhr, im Ersten
Mainz. Viele Wasserversorger sehen die Trinkwasserversorgung in Deutschland
während extremer Hitzeperioden in Zukunft gefährdet. Das hat eine "Report
Mainz"-Umfrage bei Wasserversorgern in den 50 größten und den 50
bevölkerungsreichsten Kreisen und kreisfreien Städten ergeben. Fast 19 Prozent
der antwortenden Unternehmen geben an, angesichts steigender Hitzetage sei die
Wasserversorgung in Zukunft mit der bisherigen Wasserinfrastruktur "kaum noch"
oder "gar nicht" zu bewältigen. "Gerade noch" geben 45 Prozent an, 36 Prozent
"gut".
In diesem Sommer war es bereits an mehreren Tagen in Deutschland zeitweise so
heiß wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung, mit Temperaturen von teils
über 40 Grad. In vielen Städten und Gemeinden hatte es in der Folge
Einschränkungen oder Appelle zum Wassersparen gegeben, weil der Wasserverbrauch
deutlich gestiegen war. Bei den Wasserversorgern, die an der "Report
Mainz"-Umfrage teilgenommen haben, war das bei jedem vierten Unternehmen der
Fall.
Experte: Wasserversorgung an vielen Stellen in Deutschland nicht zukunftssicher
Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft, an der Technischen
Universität München, kritisiert im Interview mit dem ARD-Politikmagazin "Report
Mainz", die Wasserversorgung sei an vielen Stellen in Deutschland nicht
zukunftssicher aufgestellt. Probleme erwartet der Experte insbesondere während
extremer Hitzephasen, die aufgrund des Klimawandels zunehmen könnten. Die
Appelle und Einschränkungen bezüglich der Wasserversorgung in diesem Jahr seien
voraussichtlich nur ein erster Vorgeschmack: "Ich würde es tatsächlich als das
neue Normal beschreiben, was wir hier sehen. Wir haben extreme Veränderungen in
beide Richtungen. Zu viel Wasser auf der einen und zu wenig Wasser auf der
anderen Seite. Vor allem auch schlechter prognostizierbar. Wir kennen das aus
anderen Ländern, wo die Wasserversorgung nicht 24 Stunden gewährleistet ist."
Das sei auch in Deutschland für einzelne Kommunen während extremer Hitzeperioden
zeitweise vorstellbar, so Professor Jörg Drewes. Die heutige
Trinkwasserinfrastruktur sei an vielen Orten nicht auf die extremen
Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.
Trinkwasserinfrastruktur: Hunderte Milliarden Euro in den nächsten zwei
Jahrzehnten notwendig
Eine Studie im Auftrag des Verbands der Kommunalen Unternehmen (VKU) aus dem
Jahr 2025 schätzt die nötigen Investitionen in die Wasserinfrastruktur auf 800
Milliarden Euro in den nächsten 20 Jahren. Zwischen 80 und 120 Milliarden Euro
seien laut dem Gutachten für Klimawandelanpassungen nötig. Die Investitionen
sind laut Experten beispielsweise notwendig, um etwa neue Wasserpipelines zu
bauen, so dass wasserarme Bereiche mit wasserreichen Gebieten verbunden werden
können. Außerdem geht es unter anderem um Talsperren, größere Wasserspeicher,
Brunnen, aber auch neue Formen von Wassermanagement etwa in Großstädten.
Nationale Wasserstrategie: Aktueller Finanzrahmen "nur ein Tropfen auf den
heißen Stein"
Seit 2023 gibt es auf Bundesebene die sogenannte "Nationale Wasserstrategie",
die auch die Anpassung des Wassernetzes an den Klimawandel als eines der
wichtigsten Ziele beschreibt. Prof. Jörg Drewes, der auch Co-Vorsitzender des
Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
(WBGU) ist, sieht Probleme bei der Umsetzung. Er kritisiert im Interview mit
"Report Mainz", dass es an finanzieller Unterfütterung fehle. Der bisher
angedachte Finanzrahmen sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Stattdessen
lägen die erforderlichen Maßnahmen im mehrfachen Milliardenbereich. Solche
Investitionen seien nicht mit dem Regelbudget eines öffentlichen
Wasserversorgers zu stemmen: "Da sehe ich den Bund eindeutig in der Pflicht, die
Daseinsvorsorge in Zukunft zu sichern, auch für kommende Generationen", so
Drewes im Interview.
In der vom ARD-Politikmagazin durchgeführten Umfrage kritisieren Wasserversorger
auch den Fortschritt der "Nationalen Wasserstrategie". Die Versorger, die auf
"Report Mainz"-Anfrage antworteten, geben zu 63 Prozent an, dass es kaum oder
gar nicht voran gehe. Nur 37 Prozent bewerten den Fortschritt als gut oder sehr
gut. 69 Prozent erklären, sie erwarteten und benötigten für die Umsetzung
deutlich mehr finanzielle Unterstützung vom Bund.
Bundesregierung fehlen belastbare Zahlen zur notwendigen Investitionshöhe
Das Bundesumweltministerium schreibt auf Anfrage, man habe im Koalitionsvertrag
erstmal vereinbart, eine preisstabile und bedarfsgerechte Versorgung beim Wasser
sicher zu stellen: "Deshalb wird zu schauen sein, wie groß die
Infrastrukturinvestitionsaufgabe im Wasser/Abwasserbereich ist und ob und wie
Lasten zwischen Bund, Ländern und Kommunen verteilt werden können. Der
Bundesregierung liegen bislang keine belastbaren Zahlen zur notwendigen
Investitionshöhe vor."
Insgesamt hatten sich an der nicht-repräsentativen "Report Mainz"-Umfrage mehr
als 140 Wasserversorger beteiligt.
Zitate gegen Quellenangabe frei.
Weitere Informationen auf http://www.reportmainz.de
Bei Rückfragen rufen Sie bitte in der Redaktion "Report Mainz" an, Tel.: 06131
929-33351.
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