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Berlin (ots) - Forderung: Umlagen muss Staat übernehmen und Angebot erhöhen
durch Fracking, Kohle- und Kernkraft
Deutschlands Industrie zahlt für Strom rund 17 Prozent mehr als der
EU27-Durchschnitt. Gleichzeitig sind die deutschen und europäischen Gaspreise
mehr als viermal so hoch wie in den USA und Kanada. Dies liegt vor allem am
Staat, zeigt eine neue Studie von Prof. Dr. Manuel Frondel von der
Ruhr-Universität Bochum (RUB) im Auftrag der Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM). Die Analyse vergleicht Energiepreise für industrielle
Verbraucher im internationalen und zeitlichen Kontext und benennt die
politischen Stellschrauben, an denen Deutschland drehen muss. So fordert die
Studie zum einen, die Umlagen und staatlichen Abgaben nicht länger von den
Verbrauchern zahlen zu lassen, sondern aus den Steuermitteln des Klima- und
Transformationsfonds. Außerdem müsse das Energieangebot deutlich ausgeweitet
werden: Studienautor Frondel schlägt dafür vor, heimisches Erdgas durch Fracking
zu fördern, die Kohlekraftwerke nicht wie geplant abzuschalten sowie
Kernkraftwerke zu reaktivieren bzw. neu zu bauen.
Industriestrom: Deutschland überdurchschnittlich teuer, vor allem wegen
staatlicher Belastungen
In der zweitgrößten Verbrauchskategorie zahlten deutsche Industrieunternehmen im
Jahr 2025 rund 14 Cent je Kilowattstunde Strom; gegenüber einem
EU27-Durchschnitt von 12 Cent. Besonders ins Auge fällt der Abstand zu
Frankreich (8 Cent) und Spanien (10 Cent). Treiber sind vor allem Kostenblöcke,
die der Staat unmittelbar beeinflusst: Netzentgelte und Steuern, Abgaben sowie
Umlagen.
Bei den Netzentgelten zahlen die stromintensivsten deutschen Unternehmen knapp 3
Cent je Kilowattstunde - und damit nahezu das Doppelte des EU-Durchschnitts von
1,73 Cent. Infolge des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren dürften diese Entgelte
für Industrieunternehmen noch auf das Dreifache steigen. Die Kosten für den
Netzausbau werden Schätzungen zufolge bei 730 Milliarden Euro bis 2045 liegen.
Auch der Anteil von Steuern, Umlagen und Abgaben am Strompreis ist in
Deutschland trotz Sondervergünstigungen für die energieintensive Industrie
erheblich größer als in den meisten EU-Staaten.
Globaler Vergleich: USA und China beim Strom deutlich günstiger
Im weltweiten Vergleich für das Jahr 2024 lagen die gemittelten
Industriestrompreise der beiden höchsten Verbrauchskategorien in Deutschland bei
rund 13 Cent je Kilowattstunde, im EU27-Schnitt bei rund 11 Cent. Kanada und die
USA kamen auf rund 8 Cent, China auf 9 Cent. Auch wenn globale Vergleiche
aufgrund unterschiedlicher Datengrundlagen schwer zu führen sind, wird deutlich:
Im globalen Wettbewerb sind die Strompreise für deutsche und europäische
Industrieunternehmen ein Nachteil.
Gaspreise: Gegenüber Nordamerika nicht konkurrenzfähig
Bei den Gaspreisen fällt der Befund differenzierter aus. Die gasintensivsten
deutschen Unternehmen zahlten 2025 durchschnittlich 4,7 Cent je Kilowattstunde
Erdgas (ohne MwSt.) - nur leicht über dem EU27-Schnitt von 4,5 Cent. Wiederum
spielen die Steuern und Umlagen auf Erdgas in Deutschland eine
überdurchschnittlich hohe Rolle.
Der Kontrast zu Nordamerika ist hingegen dramatisch: Unternehmen in den USA und
Kanada zahlten 2024 lediglich rund 1 Cent je Kilowattstunde Erdgas, rund ein
Fünftel des deutschen Preises. Grund dafür ist der dortige Gasreichtum, der vor
allem durch Fracking erschlossen wurde und die USA zum weltweit größten
Gasförderland gemacht hat. Die Studie nennt eigene europäische Gasförderung
durch Fracking als eine Option zur Verbesserung der Versorgungssicherheit im
Kontext des Importstopps aus Russland.
Was jetzt zu tun ist: Abgaben senken, Angebot ausweiten
Die Studie skizziert einen klaren Reformpfad: Kurzfristig sollten sämtliche
Abgaben und Umlagen auf Strom aus dem Klima- und Transformationsfonds und damit
aus Steuermitteln finanziert werden, statt sie den Stromverbrauchern
aufzubürden. Für die stromintensivsten Unternehmen machen diese Posten derzeit
2,75 Cent je Kilowattstunde aus. Würden sie wegfallen, könnte der
Industriestrompreis für diese Unternehmen um rund ein Fünftel sinken. Mittel-
bis langfristig brauche es eine erhebliche und technologieoffene Ausweitung des
Stromangebots. Dazu zählt laut Studie der Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken und
der Wiedereinstieg in die Kernenergie.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kommentiert: "Deutschland hat ein
handfestes Energiepreisproblem, und es ist hausgemacht. Aufgrund politischer
Entscheidungen zahlen Unternehmen hier deutlich höhere Energiepreise als die
meisten Wettbewerber im Ausland. Der Staat belastet mit überbordenden Steuern,
Abgaben und Umlagen die Energiepreise. Wenn der Staat meint, das sei eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe, muss er das aus Steuermitteln zahlen. Außerdem
brauchen wir mehr Energieangebot: Der Kohleausstieg ist in dem Zusammenhang ein
großer Fehler und muss gestoppt werden. Außerdem müssen wir endlich die
rechtlichen Möglichkeiten schaffen, damit - wie in zahlreichen anderen
EU-Ländern - auch bei uns wieder Kernkraftwerke betrieben werden können."
Pressekontakt:
Carl-Victor Wachs
Leiter Kommunikation & Pressesprecher
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OTS: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
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