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Landesbischof i.R. Jochen Bohl verstorben / Trauer um Persönlichkeit mit Gestaltungswillen und Prägekraft

30.07.2026 11:05 Uhr EKD - Evangelische Kirche in Deutschland

Dresden/Hannover (ots) - Dresden/Hannover (30. Juli 2026). Wie seine Familie mitteilte, ist am gestrigen 29. Juli 2026 der ehemalige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben.

Jochen Bohl war von 2004 bis 2015 sächsischer Landesbischof und von 2010 bis 2015 stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). "Mit diesem Amt und seiner umfassenden Beanspruchung zu leben, hat mich sehr geprägt und auch verändert", schrieb Bohl selbst einmal. Über die Grenzen der Landeskirche hinaus galt Bohl als ein Theologe mit Gestaltungswillen. Ihm war es wichtig, gerade in einer von SED-Diktatur und Säkularisierung geprägten Gesellschaft die Kirche und ihre Dienste als wichtigen Teil des Gemeinwesens ins Bewusstsein zu heben. Höhepunkte seiner Amtszeit waren die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005 und der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dresden 2011.

Landesbischof Tobias Bilz würdigte in persönlichen Worten Jochen Bohls ausdauerndes Wirken: "Jochen Bohl war meinungsstark, und er hatte Prägekraft. Er hat auch mich geprägt. Weitsichtig hat er auf Dinge hingewiesen, die für uns noch heute wichtig sind. Dazu gehört die Einsicht, dass auch die Kirche und die kirchliche Arbeit einem steten Wandel unterliegen." Dem zu folgen, was ihn im Innersten bewegt und überzeugt habe, sei beispielhaft, so Bilz, der auch stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender ist. Mit Jochen Bohls Frau und Familie ist Landesbischof Bilz in diesen Tagen eng verbunden.

Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), erinnert sich: "Jochen Bohl übte seinen Dienst mit geistlicher Kraft, theologischer Klarheit und einem Blick für die Vielfalt innerhalb der Kirche aus. Auch in bewegten Zeiten hat er einen klaren Kurs gehalten und die gesamtkirchliche Perspektive nie aus dem Blick verloren."

Elf Jahre als Landesbischof im Dienst der sächsischen Landeskirche

Ein Höhepunkt zu Beginn von Jochen Bohls Amtszeit war die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005, nachdem seine Vorgänger den Start und die Wiederaufbaustationen begleitet und unterstützt hatten. Als Landesbischof war er in seiner elfjährigen Amtszeit Vorsitzender des Stiftungskuratoriums der Frauenkirche. In dieser Kirche konnte er vier Jahre später auch den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihres Besuches in Dresden begrüßen. Neben der Kreuzkirche und dem Dom zu Meißen ist die Dresdner Frauenkirche seitdem häufige Predigtstätte der Landesbischöfe.

Nach der Einführung von Jochen Bohl als 7. Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am 26. Juni 2004 in der Dresdner Kreuzkirche war es sein Anliegen, den Kontakt zur Pfarrerschaft enger zu gestalten und aktuelle und gemeinsame Herausforderungen anzusprechen. Regelmäßig versendete Pastoralbriefe, regionale Dienstbesprechungen sowie eine intensive Visitationstätigkeit in allen Regionen Sachsens bis hin zu vielen persönlichen Gesprächen prägten sein Bischofsamt. In seine Zeit fällt auch die Einführung der alle zwei Jahre stattfindenden zentralen Pfarrertage, die seit 2007 in Dresden, Leipzig und Chemnitz durchgeführt wurden. Am 29. August 2015 wurde Jochen Bohl nach dessen 65. Geburtstag in der Dresdner Kreuzkirche feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

Neben seinem besonderen Einsatz in der Landeskirche pflegte Bohl vielfältige persönliche Kontakte zu Vertretern aus Politik und Gesellschaft im Freistaat Sachsen und darüber hinaus. Daneben engagierte er sich in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der weltweiten Ökumene. Er gehörte seit Oktober 2009 dem Rat der EKD an und war von 2010 bis 2015 Stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD. Seine Auslandsreisen führten ihn zu Partnerkirchen nach Papua-Neuguinea, Tansania, Russland, zu Kirchen in Nord- und Südamerika sowie zu Begegnungen mit Christen in mittel- und osteuropäischen Ländern. Viele Vertreter von ausländischen Partnerkirchen konnte er auch als Bischof der gastgebenden sächsischen Landeskirche zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden 2011 begrüßen.

Gestalter und Wegbereiter der sächsischen Diakonie

1995 wurde Jochen Bohl zum Direktor des Diakonischen Werkes der sächsischen Landeskirche berufen und in den Pfarrdienst der sächsischen Landeskirche übernommen. Neun Jahre leitete er das Diakonische Amt in Radebeul und prägte die evangelische Sozialarbeit in Sachsen nachhaltig.

Jochen Bohl galt als ausgewiesener Experte für diakonische und sozialpolitische Themen. Früh machte er auf die zunehmende Ökonomisierung des Sozialen aufmerksam und setzte sich beharrlich dafür ein, dass wirtschaftliche Erwägungen nie den Blick auf die Bedürfnisse der Menschen verdrängen. Mit Weitblick gestaltete er die Zukunft der Diakonie Sachsen, war ihre soziale Stimme gegenüber Politik und Gesellschaft und brachte seine Expertise weit über Sachsen hinaus auch auf Bundesebene ein.

In seine Amtszeit fiel auch der Neubau des Empfangs- und Tagungsgebäudes der Diakonie Sachsen in Radebeul, das bis heute ein zentraler Ort für fachlichen Austausch und Begegnung ist.

Sein Engagement war stets von der Überzeugung getragen, dass Kirche und Diakonie dort handeln müssen, wo Menschen Unterstützung und eine starke Fürsprecherin brauchen.

Zur Person Jochen Bohl

Jochen Bohl wurde am 19. April 1950 in Lüdenscheid/Westfalen geboren und studierte von 1968 bis 1974 Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, der Philipps-Universität Marburg/Lahn und der Ruhr-Universität in Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der westfälischen Kirche ab. Seinen zweijährigen Vorbereitungsdienst (Gemeindevikariat) absolvierte er (1974-1976) in Brüninghausen bei Lüdenscheid. 1977 wurde Bohl ordiniert und war dann nach dem Probedienst in der westfälischen Kirche von 1978 bis 1986 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Bevor er nach Sachsen kam, leitete er neun Jahre das Evangelische Jugendwerk an der Saar.

Publikationen

Bohl, Jochen: Was nun? - Kirche im Wandel Taschenbuch - Evangelische Verlagsanstalt (2021)

Bohl, Jochen: In Zeiten des Wandels: Briefe, Predigten, Vorträge (German Edition) Taschenbuch - Evangelische Verlagsanstalt (2015)

Diese Pressemitteilung wird von den Pressestellen der EKD und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens zeitgleich verschickt. Mehrfachzusendungen bitten wir zu entschuldigen.

Pressekontakt:

Carsten Splitt Evangelische Kirche in Deutschland Pressestelle Stabsstelle Kommunikation Herrenhäuser Strasse 12 D-30419 Hannover Telefon: 0511 - 2796 - 269 E-Mail: presse@ekd.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/55310/6324049 OTS: EKD - Evangelische Kirche in Deutschland


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