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Berlin (ots) - Für Menschen ist das Anschnallen im Auto selbstverständlich. Bei
Haustieren nehmen es viele dagegen nicht ganz so genau: Der Hund springt
kurzerhand in den Kofferraum, nimmt im Fußraum Platz oder darf während der Fahrt
sogar den Kopf aus dem Fenster halten. Das ist bequem und sieht putzig aus, aber
das Sicherheitsrisiko ungesicherter Tiere ist nicht zu unterschätzen. "Bewegen
sich Haustiere frei im Auto, können sie die fahrende Person ablenken, an
Schaltung oder Pedale gelangen oder beim Öffnen von Türen und Fenstern plötzlich
aus dem Fahrzeug springen. Und bei einer Vollbremsung können sie zum Teil mit
erheblichem Körpergewicht mit großer Wucht durch den Innenraum geschleudert
werden", sagt André Siegl, Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim
TÜV-Verband. Dabei könnten das Tier, die Fahrzeuginsassen oder andere
Verkehrsteilnehmende schwer verletzt werden. "Eine sicher befestigte
Transportbox oder ein geeignetes Gurtsystem sollte zur Grundausstattung jedes
Tierhaushalts gehören", sagt Siegl. Der TÜV-Verband erklärt, welche
Transportsysteme geeignet sind und wie Hunde und Katzen im Auto sicher
untergebracht werden.
Vierbeiner im Auto: Diese Vorschriften gelten
Verkehrsrechtlich gelten Hunde und Katzen als Ladung. Nach § 22 StVO müssen sie
so untergebracht und gesichert sein, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder
einem plötzlichen Ausweichmanöver nicht durch das Fahrzeug geschleudert werden.
Zusätzlich schreibt § 23 StVO vor, dass Tiere die Sicht und das Gehör der
fahrenden Person nicht beeinträchtigen dürfen. Bei Verstößen drohen Verwarnungs-
oder Bußgelder, bei einer Gefährdung auch ein Punkt in Flensburg. Vor allem aber
können ungesicherte Tiere bei einem Unfall schwer verletzt werden und zugleich
die Fahrzeuginsassen gefährden. "Haustiere sollten sich daher nicht frei im Auto
bewegen, auch dann nicht, wenn sie klein und leicht sind", sagt Siegl. Bei einem
abruptem Abbremsen oder einem Unfall kann ein kleiner, ungesicherter Hund im
Auto ein Vielfaches seines Körpergewichts entfalten, Ein 5-kg-Hund kann, je nach
Bremsverzögerung oder Aufprall des Fahrzeuges etwa 150 kg entsprechen. Damit
kann auch ein kleiner Hund bei einem Crash zu einem gefährlichen Geschoss werden
und sowohl sich selbst als auch die Insassen erheblich gefährden.
Welche Kräfte bei einer Vollbremsung entstehen können, zeigt ein Crashtest des
ADAC: Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h wurde ein 22 Kilogramm schwerer
Hunde-Dummy von der Hutablage ungebremst nach vorne geschleudert. Er prallte
zunächst gegen Kopfstütze und Rückenlehne des Fahrersitzes und anschließend
gegen die Windschutzscheibe. Die Aufprallwucht entsprach mehr als 500 Kilogramm,
also dem 25-fachen des Eigengewichts. Die Folge: Das Verletzungsrisiko für
Mensch und Tier steigt erheblich.
Transportboxen: Modelle aus Aluminium sind stabiler
Ob Kunststoff, Aluminium oder Stoff: Bei Transportboxen ist die Auswahl groß.
Doch nicht jedes Modell schützt bei einem Unfall gleich gut. Feste
Kunststoffboxen sind vergleichsweise günstig, leicht zu transportieren und
bieten bei korrekter Platzierung und Befestigung einen grundlegenden Schutz. Bei
starken Aufprallkräften können sie sich jedoch verformen, zersplittern oder
brechen. "Mehr Sicherheit bieten daher Aluminium- und fest eingebaute Boxen. Sie
halten den bei einem Unfall auftretenden Belastungen in der Regel besser stand",
sagt Siegl. Dafür sind sie meist teurer, schwerer und weniger flexibel im
Alltag. Faltbare Stoffboxen lassen sich unkompliziert verstauen und können dem
Tier als Rückzugsort dienen. "Da sie keine stabilen Außenwände haben und sich
bei einem Aufprall stark verformen können, bieten sie dem Tier jedoch keinen
ausreichenden Schutz", sagt Siegl.
Neben dem Material ist auch die Größe entscheidend. Das Tier sollte darin bequem
sitzen, liegen und sich umdrehen können. Eine sehr große Box ist allerdings
nicht automatisch komfortabler oder sicherer: Bei einer Vollbremsung oder einem
Unfall kann das Tier darin umhergeschleudert werden. Die Box sollte deshalb so
groß wie nötig, aber so kompakt wie möglich gewählt werden. "Kleine Boxen stehen
am besten im Fußraum hinter den Vordersitzen, sofern sie dort stabil
untergebracht werden können. Größere Boxen gehören in den Kofferraum. Dort
sollten sie quer und unmittelbar hinter der Rücksitzlehne stehen", sagt Siegl.
Die Box schützt nur dann zuverlässig, wenn sie während der Fahrt nicht
verrutschen oder umkippen kann. Spanngurte an den Verzurrösen oder die vom
Hersteller vorgesehenen Befestigungssysteme sorgen für den nötigen Halt. Zu
empfehlen sind auch spezielle Anti-Rutschmatten, die unter die Box gelegt
werden. Ein stabiles Trenngitter zwischen Kofferraum und Fahrgastzelle bietet
zusätzlichen Schutz für Mensch und Tier. Nachrüstbare Trennvorrichtungen zum
Schutz von Fahrzeuginsassen sollten nach Typengenehmigung ECE R126 ausgeführt
sein.
Bei Reisen mit Gepäck sollten Insassen darauf achten, dass keine Gegenstände
lose neben oder auf der Transportbox liegen. Auch die Belüftungsöffnungen müssen
frei bleiben, damit das Tier ausreichend Frischluft bekommt und sich Hitze nicht
anstaut.
Ohne Transportbox: Hunde immer anschnallen
Eine Alternative zu Transportboxen sind nach vom Hersteller empfohlenen
Körpergewicht und Größe des Tieres ausgewählte Reisesitze oder -bettchen. Diese
sind meist für kleinere Tiere vorgesehen. Die Fixierung am Autositz erfolgt für
einige Modelle über die ISOFIX-Befestigung bzw. ISOFIX-Adapter oder über den
Fahrzeuggurt, wobei das Tier selbst wiederum im Reisesitz oder -bettchen durch
einen Befestigungsgurt oder Befestigungsgeschirr angeschnallt wird. Auch
einzelne Gurtsysteme bzw. Geschirre ohne Reisesitz oder -bettchen sind möglich.
Diese werden je nach Modell am Gurtschloss, an den ISOFIX-Verankerungen oder
mithilfe des Fahrzeuggurts befestigt. Die Rückbank oder der Kofferraum sind
dafür geeignete Plätze. Der Beifahrersitz sollte menschlichen Insassen
vorbehalten bleiben, denn bei einer Vollbremsung oder einem Unfall kann das Tier
in Richtung Fahrer oder Armaturen geschleudert werden. Zudem birgt der
auslösende Airbag ein Verletzungsrisiko für das Haustier.
Das Rückhaltesystem sollte immer mit einem dafür geeigneten Hundegeschirr
verbunden sein. "Zu bevorzugen sind Geschirre mit breiten, gepolsterten
Auflageflächen. Sie verteilen die bei einer Vollbremsung auftretenden Kräfte
möglichst großflächig über den Brustbereich und verringern die punktuelle
Belastung einzelner Körperstellen", sagt Siegl. "Keinesfalls darf das
Rückhaltesystem am Halsband befestigt werden, da die auftretenden Kräfte Hals
und Wirbelsäule schwer verletzen können." Vor dem Kauf sollten
Haustierhalter:innen ihrem Hund das Geschirr anlegen, die Passform prüfen und
den Anschnallgurt auf die passende Länge einstellen. Der Anschnallgurt sollte so
kurz eingestellt sein, dass der Hund bequem sitzen und liegen kann, bei einem
Bremsmanöver aber nicht vom Sitz oder gegen den Vordersitz geschleudert wird.
Beim Kauf auf geprüfte Sicherheit achten
Für Hundeboxen und Rückhaltesysteme besteht keine gesetzliche Pflicht für die
Hersteller, eine unabhängige Produktprüfung durchführen zu lassen. Orientierung
bietet das freiwillige GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit"). Es bestätigt, dass
eine unabhängige Prüfstelle wie ein TÜV-Unternehmen die Sicherheit des Produkts
geprüft hat. Dabei werden unter anderem Konstruktion, Material, Verschlüsse
sowie mögliche Verletzungs- und Quetschstellen untersucht. Zusätzliche
Informationen liefern unabhängige Crashtests. Transportboxen werden häufig in
Anlehnung an ECE-R17 getestet. Die Technische Regel betrifft ursprünglich die
Festigkeit von Sitzen und deren Verankerungen und dient im Tiertransport oft als
Prüfreferenz Dabei wird geprüft, ob die Box und ihre Befestigung den Belastungen
eines simulierten Frontalaufpralls standhalten. Im Gesamtkontext wird bei
Crashtest und Prüfungen von Transportboxen hinsichtlich Ladungssicherung in Pkw,
Pkw-Kombi und Mehrzweck-Pkw auch DIN 75410-2 angewendet. Trennvorrichtungen
zwischen Kofferraum und Fahrgastraum sollten nach UN-R126 getestet und
entsprechend zertifiziert sein. Siegl: "Käufer:innen sollten darauf achten, dass
der Hersteller das konkrete Prüfverfahren nennt und deutlich macht, für welches
Tiergewicht, welche Geschwindigkeit, welche Fahrzeugposition und welche Art der
Befestigung das Produkt geprüft wurde."
Gerade bei sehr günstigen, ungeprüften Anschnallgurten besteht das Risiko, dass
Gurte, Nähte oder Verbindungen einer starken Belastung nicht standhalten und
reißen. Beim Kauf sollten Tierhalter:innen daher einen genauen Blick auf die
Ösen und Nähte werfen: Sie sollten aus verstärktem Material gefertigt und
mehrfach vernäht sein, statt nur an einer einzelnen Materialschicht anzusetzen.
Transportsysteme und insbesondere Kunststoffboxen sollten regelmäßig auf Risse,
Verformungen und spröde Stellen kontrolliert werden. UV-Strahlung können den
Kunststoff mit der Zeit beschädigen.
TÜV-Verband-Checkliste: Sicherer Tiertransport im Auto
- Tier immer sichern: Hunde und Katzen dürfen sich während der Fahrt nicht frei
im Fahrzeug bewegen - auch nicht auf kurzen Strecken.
- Passende Transportbox wählen: So groß wie nötig, so kompakt wie möglich.
Kunststoff bietet soliden, Aluminium höheren Schutz. Stoffboxen sind
ungeeignet.
- Box richtig platzieren und befestigen: Kleine Boxen in den Fußraum hinter den
Vordersitzen, größere Boxen quer in den Kofferraum - gesichert mit Spanngurten
oder Anti-Rutschmatten. Umliegendes Gepäck sichern.
- Alternative Gurtsysteme : Ohne Transportbox sollten Hunde immer angeschnallt
sein. Anschnallgurt niemals am Halsband befestigen.
- ECE R17 , ECE R126 oder DIN 75410-2: Dienen als Orientierung für die
Einhaltung von Mindeststandards für sichere Ausführung und Gebrauch.
- Auf geprüfte Sicherheit achten: Das freiwillige GS-Zeichen bietet
Orientierung, da eine unabhängige Prüfstelle die Sicherheit des Produkts
kontrolliert hat.
- Material regelmäßig prüfen: Transportboxen und Gurte regelmäßig auf Risse,
Verformungen und spröde Stellen kontrollieren.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
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Pressesprecher
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