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Köln (ots) -
- Weltweite Landwirtschaft steht unter Druck
- Rund drei US-Dollar verdienen Kaffeeproduzent am Tag; Baumwollbauern noch
weniger
- Niedrige Erzeugerpreise gefährden die Existenz von Betrieben und notwendige
Investitionen
- Fairtrade Deutschland fordert Erweiterung der UTP-Richtlinie um verbindliche
Regeln für Erzeugerpreise
Rund 5,5 Millionen kleinbäuerliche Kaffeeproduzentinnen und -produzenten aus
Brasilien, Kolumbien, Indonesien und Äthiopien leben laut
Welternährungsorganisation FAO von weniger als 3,20 US-Dollar am Tag [1]. Auch
von den ca. 25 Millionen Baumwollbäuerinnen und -bauern [2], die vor allem in
Indien und Westafrika tätig sind, verdient ein Großteil nur ein bis drei Dollar
täglich [3]. Ihre Lage steht beispielhaft für ein weltweites Problem: Die Erlöse
für landwirtschaftliche Produkte reichen häufig nicht aus, um die Kosten für
Anbau, Ernte, Arbeitskräfte und notwendige Investitionen zu decken. Betroffen
sind Produzent*innen im globalen Süden ebenso wie landwirtschaftliche Betriebe
in Europa.
Denn auch in der EU zeigt sich der wirtschaftliche Druck deutlich: Zwischen 2005
und 2023 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU von 14,4
Millionen auf 8,8 Millionen. Das entspricht einem Rückgang um rund 5,6 Millionen
Betriebe [4]. Neben fehlender Nachfolge und steigendem Investitionsdruck tragen
dazu auch Erzeugerpreise bei. Diese reichen häufig nicht einmal aus, um die
Produktionskosten zu decken. Fairtrade Deutschland und 13 Mitinitiatoren, wie
Oxfam Deutschland e.V., Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V. und die
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., fordern deshalb mit dem
Appell "Landwirtschaft braucht Fairness"
(https://www.openpetition.de/petition/online/landwirtschaft-braucht-fairness) ,
den Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten als
unlautere Handelspraktik zu verbieten.
Niedrige Preise bremsen notwendige Investitionen
Während die Ausgaben für Energie, Betriebsmittel und Fachkräfte steigen und
Klimaextreme die Ernteerträge schmälern, bleiben die Erlöse, die Produzent*innen
für ihre Rohstoffe erhalten, unter der Schwelle der Auskömmlichkeit.
"Im Vergleich zu früher ist die Situation schlecht. Mit den aktuellen Preisen
haben wir gerade so die Kosten gedeckt. Es wäre so viel möglich, wenn wir faire
Preise für unsere Baumwolle bekämen", erklärt Ramji Bhika Mukwana, Baumwollbauer
der RDFC-Kooperative in Indien. Eine höhere und verlässlichere Vergütung könnte
den Betrieben etwa Investitionen in moderne Technik, Bodenschutz oder die
Anpassung an die Folgen des Klimawandels erlauben, um die Zukunftsfähigkeit des
weltweiten Agrarmarkts zu sichern.
Auch die Anforderungen von Politik und Gesellschaft wie Umwelt-, Tierwohl- oder
Sozialstandards könnten die Produzent*innen leichter erfüllen und zugleich
Lebensmittel zu Preisen produzieren, die für Verbraucher*innen bezahlbar
bleiben. "Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wenig vom Verkaufspreis eines
Lebensmittels bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommt", erklärt die
Landwirtin und Agrar-Influencerin Marie Hoffmann. "Nachhaltigere Produktion,
höhere Standards und bezahlbare Lebensmittel lassen sich nur miteinander
verbinden, wenn die Arbeit der Landwirtschaft fair bezahlt wird."
Eine Lücke in den europäischen Marktregeln
Die europäische Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken, kurz
UTP-Richtlinie, schützt landwirtschaftliche Betriebe bereits vor unfairen
Handelspraktiken wie verspätete Zahlungen oder sehr kurzfristige Stornierungen
verderblicher Waren. Eine entscheidende Lücke bleibt jedoch: Der Einkauf
unterhalb der Produktions-kosten gilt bislang nicht als unlautere
Handelspraktik. Der Appell "Landwirtschaft braucht Fairness" fordert deshalb
faire Preise. "Faire Erzeugerpreise sind die Voraussetzung für eine
zukunftsfähige Landwirtschaft, hier wie weltweit", erklärt Claudia Brück,
Vorständin Politik und Kommunikation bei Fairtrade Deutschland.
Weiterführende Informationen
- Für Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
- Website "Landwirtschaft braucht Fairness" (https://www.fairtrade.net/de-de/mac
h-mit/Weitere-Moeglichkeiten-fuer-Engagement/Appell-Landwirtschaft-braucht-Fai
rness.html)
- Online Petition "Landwirtschaft braucht Fairness"
(https://www.openpetition.de/petition/online/landwirtschaft-braucht-fairness)
Bildmaterial:
- Ramji Bhika Mukwana (https://transfairgermany-my.sharepoint.com/:i:/g/personal
/c_stein_fairtrade-deutschland_de/IQB4uFKklObwSbJwuFkR14DtATOIAoCui8IZXyl-K9Bf
z3g?e=mjaSSE) , (c) Saumya Khandelwal
- Marie Hoffmann (https://transfairgermany-my.sharepoint.com/:i:/g/personal/c_st
ein_fairtrade-deutschland_de/IQD1trwjjrfbS5Vt7WxzKURhATR_Fmv7hO5YF604YsA7HEk?e
=3Ov3Mc) , (c) Marie Hoffmann
[1] FAO (2025): UN FOOD SYSTEMS SUMMIT STOCKTAKE (UNFSS+4) High-Level Panel:
"Advancing Transformation of the Coffee Value Chain" Statement (https://www.fao.
org/director-general/speeches/details/un-food-systems-summit-stocktake-%28unfss-
4%29-high-level-panel---advancing-transformation-of-the-coffee-value-chain--stat
ement/en)
[2] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2023):
Baumwolle auf dem Weg zur mehr Nachhaltigkeit.
(https://www.giz.de/en/downloads/giz2023-de-Baumwolle.pdf)
[3] SÜDWIND e.V. (2023): In weiter Ferne: Existenzsichernde Einkommen im
Baumwollanbau. (http://www.globaleslernen.de/sites/default/files/files/pages/202
3-17_FS_Baumwolle.pdf)
[4] EU CAP Network (2026): Ein Sektor im Wandel: Aktuelle Daten zu
landwirtschaftlichen Betrieben und landwirtschaftlichen Flächen in der EU. (http
s://eu-cap-network.ec.europa.eu/news/sector-transition-latest-data-farms-and-far
mland-eu_de)
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