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Frankfurt (ots) - Schon fünf Jahre. Schon fünf Jahre ist es her, seit die
Taliban in Afghanistan wieder die Macht übernommen haben. Für uns mag die Zeit
schnell vergangen sein. So ist das mit Krisen, die aus unserem Blickfeld
verschwinden. Doch für Frauen in Afghanistan waren das fünf lange Jahre. Mehr
als 100 Erlasse und Anordnungen wurden gegen Frauen und Mädchen verhängt.
Ab 12 Jahren sind Mädchen aus den Schulen verbannt. Frauen dürfen nicht mehr
studieren und sind aus weiten Teilen des Arbeitslebens gedrängt worden. Parks
und Fitnessstudios sind ihnen verschlossen. Viele verlassen kaum noch das Haus.
Gleichzeitig ist die Wirtschaft eingebrochen, das Gesundheitssystem kollabiert
und Millionen Menschen hungern. Afghanistan ist Schauplatz einer der größten
humanitären Krisen der Welt. (...)
Und was macht Deutschland? Die Bundesregierung verhandelt mit diesem
Terrorregime, um Menschen abzuschieben. Zunächst waren es verurteilte Straftäter
und sogenannte Gefährder. Inzwischen saß erstmals auch ein Mann in einem
Abschiebeflug, der nicht straffällig geworden war.
Deutschland hat die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit nach der
Machtübernahme eingestellt. Schließlich erkennt die Bundesregierung die
Islamisten nicht als legitim an. Wenn es aber um Abschiebungen geht, schwindet
diese Berührungsangst in Europa und Deutschland wie durch ein Wunder. In Bonn
und Berlin, aber auch in Oslo leiten Taliban sogar die diplomatischen
Vertretungen.
Dort können Afghan:innen nun auf Repräsentanten jener Machthaber treffen, vor
denen sie geflohen sind. Namen und Adressen von Angehörigen können so in die
Hände der Taliban geraten und zum Druckmittel werden. Deutschland praktiziert
eine groteske Doppelmoral, und das ist noch zu gelinde formuliert. Für Hilfe
sind die Taliban nicht akzeptabel genug, doch für Abschiebungen offenbar schon.
Das ist der Gipfel der Heuchelei.
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