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Kommentar von "nd.DerTag" zu den Waldbränden in Deutschland

14.08.2026 19:25 Uhr nd.DerTag / nd.DieWoche

Berlin (ots) - Im Eifelstädtchen Hürtgenwald mussten am Freitagmorgen 2000 Menschen wegen eines Waldbrands evakuiert werden. Verglichen mit den Evakuierungszahlen aus Frankreich und Spanien, die in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen sorgten, mag das nach wenig klingen. Für einen Waldbrand in Deutschland ist die Zahl allerdings enorm hoch. Selbst bei großen Bränden wie in Treuenbrietzen 2022 oder der Lübtheener Heide 2019 mussten weniger Menschen evakuiert werden. Besonders schwierig macht die Brandbekämpfung in Hürtgenwald Munition im Boden. Die US-Armee führte am Ende des Zweiten Weltkriegs eine verlustreiche Schlacht in der Eifel.

Das Feuer in Hürtgenwald wird nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Hubschrauber, Panzer der Bundeswehr und Wasserwerfer der Polizei sind im Einsatz. Ob ihre Mittel reichen, ob sie gut genug ausgestattet sind und welche Konsequenzen aus dem Brand zu ziehen sind, darüber wird im Nachgang sicher viel diskutiert. Die FDP jedenfalls fordert schon jetzt eigene Löschflugzeuge für Nordrhein-Westfalen und Mitglieder der Landesregierung rufen dazu auf, Wälder nicht zu betreten.

Das eine mag eine sinnvolle Forderung sein, das andere ein kluger Ratschlag. Beides greift aber, wie so viel in der aktuellen Politik zu kurz. Schaut man sich auf einer Karte an, wo Hürtgenwald liegt, fällt schnell auf, dass zahlreiche Hotspots der Klimakatastrophe in direkter Nähe liegen. Ein Stück südlich ist Bad Münstereifel, der Ort wurde bei der Flutkatastrophe im Sommer 2021 schwer verwüstet, in der Stadt starben fünf Menschen, im Kreis 26. Keine 30 Kilometer von Hürtgenwald entfernt liegt der Tagebau Hambach. Der soll ab 2030 eigentlich mit Wasser aus dem Rhein befüllt werden, das aktuelle Niedrigwasser weist allerdings darauf hin, dass die Pläne scheitern könnten.

Katastrophal niedrige Pegelstände am Rhein, eine tödliche Hitzewelle, eskalierende Waldbrände, eine die Landwirtschaft bedrohende Dürre und hitzebedingte Ausfälle der Infrastruktur: Die Gleichzeitigkeit dieser Klimakatastrophen ist erschreckend. Die Gleichzeitigkeit an klimabedingten Katastrophenereignissen, die wir derzeit erleben, ist beeindruckend.

Für die politisch Verantwortlichen in Deutschland ist diese Gleichzeitigkeit aber offensichtlich nicht beeindruckend genug. Konkurrierende Einzelvorschläge machen die Runde, der Kanzler will überhaupt nichts zum "Wetter" sagen und auch die Forderung des Umweltministers, die Klimaanpassung zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen zu machen, ist nicht der große Wurf, um der Klimakrise angemessen zu begegnen. Einen großen Wurf bräuchte es aber, um nicht in der totalen Katastrophe zu enden. Dafür müsste sich allerdings eine breite politische Mehrheit finden - und diese über Legislaturperioden und Regierungswechsel hinweg konsequent verfolgt.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/59019/6333773 OTS: nd.DerTag / nd.DieWoche


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - nd.DerTag / nd.DieWoche
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