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Berlin (ots) - Im Eifelstädtchen Hürtgenwald mussten am Freitagmorgen 2000
Menschen wegen eines Waldbrands evakuiert werden. Verglichen mit den
Evakuierungszahlen aus Frankreich und Spanien, die in den vergangenen Wochen für
Schlagzeilen sorgten, mag das nach wenig klingen. Für einen Waldbrand in
Deutschland ist die Zahl allerdings enorm hoch. Selbst bei großen Bränden wie in
Treuenbrietzen 2022 oder der Lübtheener Heide 2019 mussten weniger Menschen
evakuiert werden. Besonders schwierig macht die Brandbekämpfung in Hürtgenwald
Munition im Boden. Die US-Armee führte am Ende des Zweiten Weltkriegs eine
verlustreiche Schlacht in der Eifel.
Das Feuer in Hürtgenwald wird nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln
bekämpft. Hubschrauber, Panzer der Bundeswehr und Wasserwerfer der Polizei sind
im Einsatz. Ob ihre Mittel reichen, ob sie gut genug ausgestattet sind und
welche Konsequenzen aus dem Brand zu ziehen sind, darüber wird im Nachgang
sicher viel diskutiert. Die FDP jedenfalls fordert schon jetzt eigene
Löschflugzeuge für Nordrhein-Westfalen und Mitglieder der Landesregierung rufen
dazu auf, Wälder nicht zu betreten.
Das eine mag eine sinnvolle Forderung sein, das andere ein kluger Ratschlag.
Beides greift aber, wie so viel in der aktuellen Politik zu kurz. Schaut man
sich auf einer Karte an, wo Hürtgenwald liegt, fällt schnell auf, dass
zahlreiche Hotspots der Klimakatastrophe in direkter Nähe liegen. Ein Stück
südlich ist Bad Münstereifel, der Ort wurde bei der Flutkatastrophe im Sommer
2021 schwer verwüstet, in der Stadt starben fünf Menschen, im Kreis 26. Keine 30
Kilometer von Hürtgenwald entfernt liegt der Tagebau Hambach. Der soll ab 2030
eigentlich mit Wasser aus dem Rhein befüllt werden, das aktuelle Niedrigwasser
weist allerdings darauf hin, dass die Pläne scheitern könnten.
Katastrophal niedrige Pegelstände am Rhein, eine tödliche Hitzewelle,
eskalierende Waldbrände, eine die Landwirtschaft bedrohende Dürre und
hitzebedingte Ausfälle der Infrastruktur: Die Gleichzeitigkeit dieser
Klimakatastrophen ist erschreckend. Die Gleichzeitigkeit an klimabedingten
Katastrophenereignissen, die wir derzeit erleben, ist beeindruckend.
Für die politisch Verantwortlichen in Deutschland ist diese Gleichzeitigkeit
aber offensichtlich nicht beeindruckend genug. Konkurrierende Einzelvorschläge
machen die Runde, der Kanzler will überhaupt nichts zum "Wetter" sagen und auch
die Forderung des Umweltministers, die Klimaanpassung zur Gemeinschaftsaufgabe
von Bund, Ländern und Kommunen zu machen, ist nicht der große Wurf, um der
Klimakrise angemessen zu begegnen. Einen großen Wurf bräuchte es aber, um nicht
in der totalen Katastrophe zu enden. Dafür müsste sich allerdings eine breite
politische Mehrheit finden - und diese über Legislaturperioden und
Regierungswechsel hinweg konsequent verfolgt.
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