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Berlin (ots) - Prävention muss zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden
und deutlich stärker als bisher in allen Politikfeldern verankert werden. Darin
sind sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der
Wissenschaftsrat, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche
Krebshilfe einig. Angesichts der demografischen Entwicklung, steigender
Belastungen für das Gesundheitssystem und der wissenschaftlichen Evidenz für die
Wirksamkeit präventiver Maßnahmen fordern sie in einer gemeinsamen Stellungnahme
eine ressortübergreifende Strategie: Prävention ist als Investition in
Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und
in die langfristige Stabilität des Gesundheitssystems zu verstehen.
An einem gemeinsamen parlamentarischen Abend der vier Organisationen in Berlin
diskutierten die jeweiligen Präsidentinnen, Vorsitzenden bzw.
Vorstandsvorsitzenden mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundesregierung,
Bundestag, Ländern, Gesundheitsselbstverwaltung und Wissenschaft, wie ein
gesamtgesellschaftlicher Kulturwandel gelingen kann. In einem gemeinsamen
Statement sind die aus Sicht der Organisationen zentralen Maßnahmen
zusammengefasst:
Prävention überall mitdenken
- Gesundheit wird nicht allein im Gesundheitswesen gestaltet. Deshalb muss
Prävention zu einer gemeinsamen Aufgabe aller relevanten Politikbereiche werden
- von Bildung und Arbeit über Verkehr und Stadtentwicklung bis hin zu Umwelt und
Soziales.
Forschung besser vernetzen und Kräfte bündeln
- Präventionsforschung braucht das Wissen zahlreicher Fachrichtungen, die
untereinander sowie mit Praxis, Politik und Gesundheitswesen noch stärker
vernetzt werden müssen.
Gesunde Lebensbedingungen zum Standard machen
- Ob in Kita und Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel oder in der Pflege: Die
Bedingungen, unter denen Menschen leben, lernen und arbeiten, beeinflussen ihre
Gesundheit. Prävention muss deshalb in diesen alltäglichen Lebenswelten ansetzen
und Rahmenbedingungen schaffen, die für die allgemeine Gesundheit förderlich
sind.
Menschen befähigen, gute Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen
- Wer Gesundheitsinformationen verstehen und einordnen kann, kann im Alltag
bessere Entscheidungen treffen. Bildung und Gesundheitskompetenz sollten deshalb
früh vermittelt und ein Leben lang gestärkt werden - verständlich, alltagsnah
und für alle leicht zugänglich.
Prof. Dr. Bettina Rockenbach, Präsidentin der Nationalen Akademie der
Wissenschaften Leopoldina , sagte:
"Prävention ist von zentraler Bedeutung, nicht nur für ein möglichst gesundes
langes Leben, sondern auch zur Stabilisierung unseres Gesundheitssystems.
Prävention ist eine Zukunftsaufgabe, die weit über das Gesundheitswesen
hinausgeht und viele Gesellschaftsbereiche betrifft. Wichtige Faktoren, die die
Gesundheit wirksam fördern und bestimmte Krankheiten verhindern sind
wissenschaftlich gut erforscht - was uns fehlt, ist eine gemeinsame Strategie
zur konsequenten Umsetzung. Dies gilt es jetzt anzugehen."
Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen
Krebsforschungszentrums (DKFZ) , erklärte: "Rund 40 Prozent aller
Krebsneuerkrankungen wären nach heutigem Wissensstand vermeidbar. Leider
schaffen wir es nach wie vor nicht, dieses Potenzial zu nutzen. Was jeder
Einzelne tun kann, um sein Krebsrisiko zu senken, ist seit langem bekannt - wir
scheitern aber daran, dieses Wissen in die Anwendung bringen. Das Nationale
Krebspräventionszentrum bauen wir in strategischer Allianz mit der Deutschen
Krebshilfe genau mit diesem Ziel auf. Es kann eine Blaupause auch für andere
vermeidbare Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz oder Herz-Kreislaufleiden
dienen."
Prof. Dr. Rita Schmutzler, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe , sagte: "Hinter
jeder verhinderten Krebserkrankung steht ein Mensch, dem Leid, belastende
Therapien und oft auch existenzielle Ängste erspart bleiben. Prävention bedeutet
deshalb weit mehr als die Vermeidung von Krankheit - sie bedeutet mehr
Lebensqualität, mehr Lebenszeit und mehr Gesundheit für Millionen Menschen.
Dieses Potenzial müssen wir endlich entschlossener nutzen - und dazu brauchen
wir die Politik, wir brauchen eine verbindliche politischen Koordination für die
Prävention."
Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats , sagte:
"Deutschland braucht einen gesundheitsorientierten Kulturwandel, der Prävention
über Reparatur stellt - nicht nur in der Gesundheitspolitik, sondern in allen
politischen Bereichen. Gesundheit ist nicht nur mitzudenken, sondern sollte als
verbindliche Zielgröße für ressortübergreifendes politisches Handeln in allen
Politikbereichen verankert werden."
Die vier Organisationen appellieren an die politischen Entscheidungsträgerinnen
und Entscheidungsträger, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine wirksame und
nachhaltige Präventionspolitik zu schaffen. Die Umsetzung der vorgeschlagenen
Maßnahmen erfordere einen gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel, der Verhältnis-
und Verhaltensprävention konsequent zusammendenkt. Davon würden nicht nur die
Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung profitieren, sondern auch die
Innovations- und Leistungsfähigkeit Deutschlands insgesamt.
Der parlamentarische Abend "Prävention im Mittelpunkt - Maßnahmen für einen
gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel" fand am 8. September 2026 in Berlin
statt.
Das gemeinsame Statement ist hier (https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads
/PDFs/Stellungnahmen/2026_Praevention_im_Mittelpunkt_Handout.pdf) abrufbar.
Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige
wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen.
Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage
wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden
Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch
legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen
verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die
deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der
wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat rund
1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu
allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen
Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als
unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.
https://www.leopoldina.org/
Über den Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat (WR) ist das wichtigste wissenschaftspolitische
Beratungsgremium in Deutschland. In ihm entwickeln Politik und Wissenschaft
gemeinsam Vorschläge, die das Wissenschaftssystem stärken. Der WR setzt Themen
und initiiert Diskussionen, die der Weiterentwicklung der Wissenschaft und
Gesellschaft dienen. Durch die Evaluation und Akkreditierung von
Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen sichert der Wissenschaftsrat die
Qualität und Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems. In der
Exzellenzstrategie ist der WR für die Auswahl der Exzellenzuniversitäten
verantwortlich und trägt damit zu Innovationen an deutschen Hochschulen und
ihrer internationalen Sichtbarkeit bei.
Über das Deutsche Krebsforschungszentrum
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische
Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen
nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie
entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und
Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim
Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und
Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen
und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das
DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen
in ganz Deutschland Translationszentren:
- Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
- Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
- Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
- Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz - ein
Helmholtz-Institut des DKFZ
- DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
- Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und
Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist
Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Über die Deutsche Krebshilfe
Die Deutsche Krebshilfe wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel
gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Krebserkrankungen in all
ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Unter dem Motto "Helfen. Forschen.
Informieren." fördert die Stiftung Deutsche Krebshilfe Projekte zur Verbesserung
der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und
psychosozialen Versorgung, einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Ihre Aufgaben
erstrecken sich darüber hinaus auf forschungs- und gesundheitspolitische
Aktivitäten. Sie ist ebenfalls Mitinitiator des Nationalen Krebsplans sowie
Partner der "Nationalen Dekade gegen Krebs". Die Deutsche Krebshilfe ist der
größte private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung - unter anderem der
Krebsforschung - in Deutschland. Sie finanziert ihre gesamten Aktivitäten
ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen der Bevölkerung.
Pressekontakt:
Deutsche Krebshilfe
Pressestelle
Buschstr. 32
53113 Bonn
Telefon: 02 28/7 29 90-96
E-Mail: mailto:presse@krebshilfe.de
Internet: http://www.krebshilfe.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/116010/6348745
OTS: Deutsche Krebshilfe
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