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München (ots) -
- Drei Viertel des geschätzten Potenzials, durch neue Wälder CO2 zu binden, sind
durch erhebliche soziale und institutionelle Hürden beschränkt.
- Für die neue Studie kombinierten die LMU-Forschenden Erkenntnisse aus
konkreten Fallstudien mit KI-Analysen umfangreicher globaler Datensätze.
- Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte und schwache
Verwaltungsstrukturen sind demnach die weltweit größten Hindernisse für
Aufforstung und Wiederaufforstung.
Das Pflanzen von Bäumen wird oft als einfacher Weg zur Bekämpfung des
Klimawandels angesehen. Weltweit haben Maßnahmen zur Schaffung neuer Wälder
(Aufforstung) und zur Wiederherstellung verlorener Wälder (Wiederaufforstung)
dazu beigetragen, die Waldfläche bislang um mehr als 300 Millionen Hektar zu
vergrößern. Schätzungen zufolge wurden dadurch in den letzten zehn Jahren
jährlich rund 2,2 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gebunden - was in
etwa den jährlichen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in der gesamten
Europäischen Union entspricht. Allerdings konkurriert diese großflächige
Aufforstung mit der Nahrungsmittelproduktion und den Lebensgrundlagen der
Menschen vor Ort. Ihr Erfolg hängt zudem von den Landnutzungsrechten sowie von
Institutionen ab, die die Projekte langfristig unterstützen und schützen können.
Wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen Aufforstung einschränken
Eine neue Studie unter der Leitung des LMU-Geographen Wenkai Bao (https://www.ge
o.lmu.de/geographie/de/personen/kontaktseite/wenkai-bao-3a5d3895.html) zeigt,
dass rund drei Viertel der bisher geschätzten Potenziale zur CO2-Bindung durch
Aufforstung und Wiederaufforstung auf erhebliche soziale und institutionelle
Hindernisse stoßen könnten.
Das LMU-Team vereinte Fachwissen aus den Natur- und Sozialwissenschaften und
kombinierte Erkenntnisse aus konkreten Fallstudien mit einer auf maschinellem
Lernen basierenden Analyse umfangreicher globaler Datensätze. Die Studie,
erschienen im Fachmagazin One Earth , liefert eine globale Einschätzung darüber,
wie soziale, institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen die
Bemühungen um Aufforstung und Wiederaufforstung einschränken - und was diese
Herausforderungen für die künftige Bindung von Kohlendioxid bedeuten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte
und schwache Verwaltungsstrukturen zu den größten Hindernissen für Aufforstung
und Wiederaufforstung weltweit zählen. Eine begrenzte forstwirtschaftliche
Infrastruktur und mangelnde Unterstützung durch lokale Akteure erschweren zudem
die langfristige Anlage und Erhaltung von Wäldern.
Während die Aufforstung und Pflege von Wäldern in Europa und China laut der
Studie auf vergleichsweise geringe gesellschaftliche und institutionelle Hürden
stoßen, sind diese Herausforderungen in Afrika sowie in Indien und Brasilien
deutlich größer.
Erfolgreicher Klimaschutz muss ökologische und soziale Maßnahmen verbinden
"Da ein Großteil des geschätzten Potenzials in Regionen liegt, die mit solchen
Hindernissen konfrontiert sind, insbesondere in tropischen Ländern, müssen
glaubwürdige Klimastrategien Aufforstung und Wiederaufforstung mit Maßnahmen
verbinden, die Lebensgrundlagen, Rechte und Institutionen stärken", erklärt
Wenkai Bao. Werden diese sozialen und institutionellen Bedingungen ignoriert,
kann dies zu einem Scheitern der Bepflanzung, zu weniger oder weniger dauerhaft
gebundenem Kohlenstoff, zu Konflikten oder größerer Not für arme Gemeinden
führen.
Julia Pongratz (https://www.geo.lmu.de/geographie/de/personen/kontaktseite/julia
-pongratz-a88df483.html) , Professorin für Physische Geographie und
Landnutzungssysteme an der LMU und Mitautorin der Studie, fügt hinzu: "Um
Treibhausgasneutralität zu erreichen, müssen wir die globale Menge an CO2, die
wir aus der Atmosphäre entfernen, bis zum Jahr 2050 mindestens verdreifachen.
Die Ausweitung der Waldfläche wird dabei die entscheidende Rolle spielen,
während wir die technologischen Möglichkeiten zur CO2-Entfernung
weiterentwickeln. Es ist daher von grundlegender Bedeutung, die Hindernisse bei
der Anpflanzung und Erhaltung dieser Wälder zu verstehen - und letztendlich zu
überwinden. Allerdings muss klar gesagt werden, dass die Anpflanzung von Wäldern
umfassendere Klimaschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeitsstrategien nur ergänzen,
keinesfalls ersetzen kann."
Kontakt
Prof. Dr. Julia Pongratz
Lehrstuhl für Physische Geographie und Landnutzungssysteme
Department für Geographie
Ludwig-Maximilians-Universität München
E-Mail: mailto:julia.pongratz@lmu.de
Tel.: +49 89 2180-6652
Publikation
Wenkai Bao, Yiannis Moustakis, Wolfgang A. Obermeier, Matthias Garschagen, Julia
Pongratz: Global socioeconomic constraints on afforestation- and
reforestation-based carbon dioxide removal. One Earth 2026. DOI (ab 17 Uhr):
https://doi.org/10.1016/j.oneear.2026.101872
Bilder und Videos zum Download (https://lmumediapool.fylr.de/collection/d5d3b7ce
-1ff5-4550-b12d-782425c4bd7a?collection=21f63ad6-91c7-4574-aa35-b52f22c3c88d)
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