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Klimaschutz: Wo Aufforstung soziale Risiken birgt

16.10.2026 19:05 Uhr Ludwig-Maximilians-Universität München

München (ots) -

- Drei Viertel des geschätzten Potenzials, durch neue Wälder CO2 zu binden, sind durch erhebliche soziale und institutionelle Hürden beschränkt. - Für die neue Studie kombinierten die LMU-Forschenden Erkenntnisse aus konkreten Fallstudien mit KI-Analysen umfangreicher globaler Datensätze. - Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte und schwache Verwaltungsstrukturen sind demnach die weltweit größten Hindernisse für Aufforstung und Wiederaufforstung.

Das Pflanzen von Bäumen wird oft als einfacher Weg zur Bekämpfung des Klimawandels angesehen. Weltweit haben Maßnahmen zur Schaffung neuer Wälder (Aufforstung) und zur Wiederherstellung verlorener Wälder (Wiederaufforstung) dazu beigetragen, die Waldfläche bislang um mehr als 300 Millionen Hektar zu vergrößern. Schätzungen zufolge wurden dadurch in den letzten zehn Jahren jährlich rund 2,2 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gebunden - was in etwa den jährlichen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in der gesamten Europäischen Union entspricht. Allerdings konkurriert diese großflächige Aufforstung mit der Nahrungsmittelproduktion und den Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort. Ihr Erfolg hängt zudem von den Landnutzungsrechten sowie von Institutionen ab, die die Projekte langfristig unterstützen und schützen können.

Wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen Aufforstung einschränken

Eine neue Studie unter der Leitung des LMU-Geographen Wenkai Bao (https://www.ge o.lmu.de/geographie/de/personen/kontaktseite/wenkai-bao-3a5d3895.html) zeigt, dass rund drei Viertel der bisher geschätzten Potenziale zur CO2-Bindung durch Aufforstung und Wiederaufforstung auf erhebliche soziale und institutionelle Hindernisse stoßen könnten.

Das LMU-Team vereinte Fachwissen aus den Natur- und Sozialwissenschaften und kombinierte Erkenntnisse aus konkreten Fallstudien mit einer auf maschinellem Lernen basierenden Analyse umfangreicher globaler Datensätze. Die Studie, erschienen im Fachmagazin One Earth , liefert eine globale Einschätzung darüber, wie soziale, institutionelle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen die Bemühungen um Aufforstung und Wiederaufforstung einschränken - und was diese Herausforderungen für die künftige Bindung von Kohlendioxid bedeuten.

Die Ergebnisse zeigen, dass Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte und schwache Verwaltungsstrukturen zu den größten Hindernissen für Aufforstung und Wiederaufforstung weltweit zählen. Eine begrenzte forstwirtschaftliche Infrastruktur und mangelnde Unterstützung durch lokale Akteure erschweren zudem die langfristige Anlage und Erhaltung von Wäldern.

Während die Aufforstung und Pflege von Wäldern in Europa und China laut der Studie auf vergleichsweise geringe gesellschaftliche und institutionelle Hürden stoßen, sind diese Herausforderungen in Afrika sowie in Indien und Brasilien deutlich größer.

Erfolgreicher Klimaschutz muss ökologische und soziale Maßnahmen verbinden

"Da ein Großteil des geschätzten Potenzials in Regionen liegt, die mit solchen Hindernissen konfrontiert sind, insbesondere in tropischen Ländern, müssen glaubwürdige Klimastrategien Aufforstung und Wiederaufforstung mit Maßnahmen verbinden, die Lebensgrundlagen, Rechte und Institutionen stärken", erklärt Wenkai Bao. Werden diese sozialen und institutionellen Bedingungen ignoriert, kann dies zu einem Scheitern der Bepflanzung, zu weniger oder weniger dauerhaft gebundenem Kohlenstoff, zu Konflikten oder größerer Not für arme Gemeinden führen.

Julia Pongratz (https://www.geo.lmu.de/geographie/de/personen/kontaktseite/julia -pongratz-a88df483.html) , Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der LMU und Mitautorin der Studie, fügt hinzu: "Um Treibhausgasneutralität zu erreichen, müssen wir die globale Menge an CO2, die wir aus der Atmosphäre entfernen, bis zum Jahr 2050 mindestens verdreifachen. Die Ausweitung der Waldfläche wird dabei die entscheidende Rolle spielen, während wir die technologischen Möglichkeiten zur CO2-Entfernung weiterentwickeln. Es ist daher von grundlegender Bedeutung, die Hindernisse bei der Anpflanzung und Erhaltung dieser Wälder zu verstehen - und letztendlich zu überwinden. Allerdings muss klar gesagt werden, dass die Anpflanzung von Wäldern umfassendere Klimaschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeitsstrategien nur ergänzen, keinesfalls ersetzen kann."

Kontakt

Prof. Dr. Julia Pongratz

Lehrstuhl für Physische Geographie und Landnutzungssysteme

Department für Geographie

Ludwig-Maximilians-Universität München

E-Mail: mailto:julia.pongratz@lmu.de

Tel.: +49 89 2180-6652

Publikation

Wenkai Bao, Yiannis Moustakis, Wolfgang A. Obermeier, Matthias Garschagen, Julia Pongratz: Global socioeconomic constraints on afforestation- and reforestation-based carbon dioxide removal. One Earth 2026. DOI (ab 17 Uhr): https://doi.org/10.1016/j.oneear.2026.101872

Bilder und Videos zum Download (https://lmumediapool.fylr.de/collection/d5d3b7ce -1ff5-4550-b12d-782425c4bd7a?collection=21f63ad6-91c7-4574-aa35-b52f22c3c88d) dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke honorarfrei verwendet werden.

Pressekontakt:

Claudia Russo Ludwig-Maximilians-Universität München Leopoldstr. 3 80802 München

Phone: +49 (0) 89 2180-2706 E-Mail: mailto:Claudia.Russo@lmu.de

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Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Ludwig-Maximilians-Universität München
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