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Giessen (ots) - Wetteraukreis: Zeuge erkennt Lovescam und schaltet Polizei ein -
weitere Zahlungen an Betrüger verhindert!
Von Zeit zu Zeit erhält die Polizei Mitteilung über Sachverhalte, die oftmals
mit vermeintlich harmlosen Anfragen in sozialen Netzwerken beginnen und nicht
selten nach anfänglichen Träumereien ein böses Erwachen nach sich ziehen. Am
Ende steht neben großer Scham auch ein immenser finanzieller Schaden. Der Ablauf
ist dabei immer ähnlich, teilweise sogar gleich:
Eine Person, die vorgibt einsam zu sein, ist auf der Suche nach Kontakt, nettem
Austausch, einem Seelenverwandten oder gar der großen Liebe. Dazu schildert die
Person ihre schwierige Lage, die das Gefühl der Einsamkeit vergrößere - zum
Beispiel als Arzt in einem Krisengebiet, als Angehöriger der US-Streitkräfte in
einer Region, in der Krieg geführt wird oder als alleiniger Erbe eines größeren
Vermögens oder gar einer Goldmine, der derzeit einen nahen Verwandten pflegen
müsse. Verlagert sich die Kommunikation schließlich auf andere Messengerdienste,
wie beispielsweise WhatsApp oder Telegram, nähert sich die neue Bekanntschaft
emotional weiter an. Das Gegenüber gaukelt nun vor, dass deutlich stärkere
Gefühle als zunächst angenommen vorhanden seien. Im Glauben, die große Liebe
gefunden zu haben, werden gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet. Dass es sich bei
dem Gegenüber, dem man noch nie begegnet ist, um einen Betrüger handelt,
erkennen die Opfer nicht. Es können durchaus mehrere Wochen ins Land ziehen, in
denen die Gauner ihre Legende weiter aufbauen, um das Vertrauen zu stärken.
Immer wieder werden dabei die baldige Zusammenkunft und das gemeinsame Leben in
Deutschland in Aussicht gestellt. Dann allerdings ergeben sich scheinbar
plötzlich immer neue Hindernisse, die ein Treffen verhindern - oftmals verbunden
mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Die Hoffnung, endlich mit dem
neugewonnenen Seelenverwandten zusammenzukommen, verleitet die Opfer dazu, die
immer wiederkehrenden Bitten oder gar Forderungen nach finanziellen
Unterstützungen zu erfüllen. Natürlich werde das Geld so bald wie möglich
zurückgezahlt. Teilweise nehmen Opfer sogar Kredite auf - in der festen
Überzeugung, einem lieben Menschen, mit dem man bald seine Zukunft teilen wird,
zu helfen.
Diese perfide Betrugsmasche macht sich dabei zum einen die Einsamkeit von
Menschen sowie deren Bedürfnis nach Nähe und Vertrautheit zu Nutze und knöpft
auf der anderen Seite den Opfern solange Geld ab, wie diese sich von dem Handeln
der Betrüger täuschen lassen. Kannte man ein ähnliches Vorgehen früher unter dem
Oberbegriff "Heiratsschwindler" mit Zeitungsannoncen, so spricht man heute in
diesen Fällen vom "Lovescam". Die Möglichkeiten, die die einfache Kommunikation
über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen im Internet bietet, erleichtern
den Betrügern dabei ihr Vorgehen erheblich. Das Ziel der Täter ist dabei immer
gleich: Möglichst hohe Gewinne einfahren. In erster Linie geht es um die
Überweisung von Bargeld. In manchen Fällen "begnügten" sich die Betrüger aber
auch mit Wertgegenständen oder Geschenkkarten, die an Supermarktkassen oder in
Tankstellen erworben werden können. Diese Karten dienen zumeist als
Gutscheinkarte für Streamingportale, Versandhäuser, Online-Händler oder
Spielekonsolenhersteller. Die Betrüger veranlassen ihr Opfer, solche Karten im
Geschäft zu kaufen und die entsprechenden Codes der Gutscheinkarten zu
übermitteln. Sodann werden diese eingelöst. Der Schaden muss dabei nicht
geringer ausfallen, als wenn direkt Geld überwiesen wird. Auch hier treiben die
Gauner ihr Spiel, bis das Opfer die Tat durchschaut - oder andere aufmerksam
werden. So geschehen Ende Mai in einer Tankstelle in Ranstadt.
Dem Betreiber der Tankstelle fiel eine Frau auf, die mehrere Geschenkkarten in
einem Gesamtwert von fast 1.000 EUR kaufen wollte. Da die Frau in der Woche
zuvor bereits mehrere solcher Karten erworben hatte, regte sich bei dem
Tankstellenbetreiber der Verdacht, dass die Frau Opfer von Betrügern geworden
sein könnte. Der Mann verständigte die Büdinger Polizei. Diese nahm sofort die
Ermittlungen auf, machte die Frau aus dem östlichen Wetteraukreis ausfindig und
suchte sie an ihrer Anschrift auf. Eine Streife stellte fest, dass die Frau
tatsächlich mit Betrügern in Kontakt steht, die die Übersendung der Codes
forderten. Als die Beamten bei der Frau eintrafen, hatte diese bereits den
ersten Code im Wert von 100 EUR übersandt. Die Übersendung der weiteren
Gutscheincodes im Wert von 850 EUR konnten die Polizisten verhindern. Sie
stellten die Gutscheinkarten sicher. Über die Tankstelle konnte im Nachgang eine
Rückerstattung der nicht eingelösten Gutscheine veranlasst werden. Wie oft es
zuvor bereits zum Kauf und zur Übermittlung von Gutscheinkarten beziehungsweise
Codes kam, bedarf weiterer Ermittlungen.
Nicht immer fallen solche Taten auf und nicht immer kann im letzten Moment
Schlimmeres verhindert werden. In diesem Fall war es der Aufmerksamkeit des
Tankstellenbetreibers und seiner Mitteilung bei der Polizei zu verdanken, dass
schnell reagiert werden konnte. Um zu überprüfen, ob es sich bei der neuen
Online-Bekanntschaft möglicherweise um einen Betrüger handelt, kann es hilfreich
sein deren Namen mit dem Zusatz "Scammer" bei einer Suchmaschine einzugeben.
Falls ein Bild mitgeschickt wurde, kann man über die umgekehrte Bildersuche
zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten. Weitere Informationen zum Thema
"Lovescam" finden Sie unter www.polizei-beratung.de - "Themen & Tipps" -
"Betrug" - "Scamming". Die Polizei empfiehlt außerdem, im Verwandten- und
Bekanntenkreis solche Betrugsmaschen zu thematisieren und zu sensibilisieren.
Bleiben Sie wachsam und prüfen Sie kritisch. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit
Vertrauenspersonen, die aus einem anderen Blickwinkel auf die Sache schauen,
oder wenden Sie sich an die Polizei, um nicht Opfer von dreisten Betrügern zu
werden.
Tobias Schwarz, Pressesprecher
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