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Berlin (ots) - Christoph Ahlhaus ist seit 2023 Bundesgeschäftsführer des
Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft: "Mit großem Anspruch hat die
Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt - doch in der Praxis bleiben
sie weit hinter dem zurück, was mittelständische Unternehmen jetzt dringend
brauchen. Statt eines durchdachten Reformpakets erleben wir Stückwerk:
kurzfristig, zeitlich begrenzt und ohne langfristigen Planungshorizont.
Gerade im Mittelstand sorgt das für erheblichen Unmut. Viele Betriebe kämpfen
mit hohen Energiepreisen, steigenden Sozialabgaben und wachsender Bürokratie. In
dieser Situation sind Maßnahmen gefragt, die strukturell wirken und Vertrauen
schaffen. Was stattdessen vorgelegt wurde, wirkt wie ein Minimalkompromiss nach
dem Gießkannenprinzip.
Ein Beispiel ist der befristete Tankrabatt. Für zwei Monate soll die
Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter gesenkt werden. So verständlich der Wunsch
nach schneller Hilfe für die Verbraucher ist: Eine derart kurzfristige Maßnahme
droht, in ihrer Wirkung zu verpuffen. Was fehlt, sind verlässliche Perspektiven
statt politischem Aktionismus.
Noch kritischer sehen viele Mittelständler die geplante Entlastungsprämie. Die
Idee, Beschäftigten bis zu 1.000 Euro als steuerfreie Einmalzahlung zukommen zu
lassen, ist angesichts steigender Preise nachvollziehbar. Doch dass diese
Zahlung von den Arbeitgebern getragen werden soll, setzt völlig falsche Signale.
In vielen Betrieben entsteht so ein Erwartungsdruck, der kaum mit der
wirtschaftlichen Realität vereinbar ist. Eine aktuelle Umfrage unter unseren
mittelständischen Mitgliedsunternehmen zeigt daher deutlich: Rund 90 Prozent
lehnen eine solche Prämie klar ab.
Das eigentliche Problem liegt tiefer. Die Politik sendet Signale, die an der
Realität vieler Unternehmen vorbeigehen. Während Betriebe auf sinkende Abgaben,
wettbewerbsfähige Energiekosten und weniger Bürokratie angewiesen sind, werden
stattdessen neue Belastungen auf Arbeitgeber verlagert. Das untergräbt Vertrauen
und verstärkt die Investitionszurückhaltung.
Dabei ist die Bereitschaft im Mittelstand groß, Verantwortung zu übernehmen und
zur Stabilisierung beizutragen. Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren
bewiesen, wie anpassungsfähig und resilient sie in Krisenzeiten reagieren.
Gleichzeitig erwarten sie zu Recht verlässliche politische Rahmenbedingungen
statt zusätzlicher Unsicherheit.
Entscheidend ist jetzt ein klarer wirtschaftspolitischer Kurs, der die
versprochene Wirtschaftswende endlich auf den Weg bringt. Glaubwürdige
Wirtschaftspolitik entsteht nicht durch Ankündigungen zulasten der Unternehmen,
sondern durch unmittelbare Wirkung im betrieblichen Alltag. Bleibt diese Wirkung
aus, wird aus wachsender Unsicherheit ein dauerhafter Standortnachteil für den
Mittelstand."
Pressekontakt:
Fuldaer Zeitung
Bernd Loskant
Telefon: 0661 280-445
Bernd.Lofkant@fuldaerzeitung.de
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OTS: Fuldaer Zeitung
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