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Coburg (ots) - Rote Karte für die Bahn, Stillstand beim ÖPNV und Ermüdung bei
der Fahrrad-Begeisterung - Auch die Jugend setzt bei der Mobilität der Zukunft
vor allem auf das Auto
- Mehr als jeder dritte Bundesbürger (35 %) versucht inzwischen "Bahnfahrten
wenn irgend möglich zu vermeiden"
- Bus sowie Straßen- und S-Bahn stagnieren in der Beliebtheit seit bereits fünf
Jahren - obwohl sich gleichzeitig viele Hoffnungen darauf richten
- Das Fahrrad fällt als Verkehrsmittel der Zukunft seit der Corona-Pandemie um
mehr als ein Drittel in der Beliebtheit zurück
- Neue Regeln beim Führerscheinerwerb werden gerade von jungen Menschen fast
durchgehend abgelehnt
- Der Frust über unkalkulierbare Mobilitätsverhältnisse ist in
Nordrhein-Westfalen am größten
Die Bundesbürger reagieren inzwischen massiv auf die Zuverlässigkeits-Probleme
der Bahn. Das belegt die seit 2021 jährlich durchgeführte HUK-Mobilitätsstudie.
Laut der diesjährigen Befragung von 4114 Bürgern ab 16 Jahren (repräsentativ
nach Alter und Geschlecht) versucht jeder Dritte inzwischen, "Bahnfahrten wenn
irgend möglich zu vermeiden" (35%). Und mehr als jeder Vierte macht "wichtige
Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn" (26 %) oder plant Bahnfahrten
"nur mit deutlich größerem Zeit-Puffer als noch vor etwa zwei Jahren" (28%).
Breite Resignation beim Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland zeigt sich
aber auch an anderen Stellen. So werden die Hauptpfeiler des ÖPNV, also
Straßen-, S-Bahnen und Bus, konstant seit 2021 von nur maximal 13 Prozent der
Bundesbürger als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft. Die Einschätzung des
Fahrrads als Verkehrsmittel der Zukunft ist seit den Corona-Jahren inzwischen
sogar um mehr als ein Drittel eingebrochen - auf nicht einmal heute jeden
fünften Befragten (16 %). Gewinner der Entwicklung ist das Auto. Mit einem neuen
Spitzenwert von 76 Prozent verschiebt es das Voting der Bundesbürger noch weiter
nach vorn und macht es zum mit Abstand beliebtesten Verkehrsmittel der Zukunft.
Auffällig ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, dass das Auto bei jungen Menschen
im Alter von 16 bis 24 Jahren in der positiven Zukunfts-Einschätzung am
stärksten hinzugewinnt. Und in dieser Altersgruppe sinkt auch die Beurteilung
der Zukunftsfähigkeit der Bahn am kräftigsten ab.
Wie stark sich die Jüngeren dem Auto zuwenden, zeigt vor allem auch der
Langfrist-Vergleich. So stieg die Auto-Präferenz der unter 40-Jährigen in den
vergangenen vier Jahren dreimal so stark an wie bei den Befragten ab 40 Jahren.
In der Folge liegen die Werte heute fast gleichauf, es gibt beim Voting für das
Auto als Top-Verkehrsmittel der Zukunft also fast keinen
Generationen-Unterschied mehr (75 % zu 76 %). Das Verhältnis sah im Jahr 2022
anders aus, damals waren es 64 Prozent zu 73 Prozent.
Neue Mobilitätskonzepte gefragt - vor allem beim ÖPNV
Wie stark die Deutschen der Zustand der Mobilität bedrückt, zeigen hohe
Zustimmungswerte für Verbesserungsvorschläge: Rund sieben von zehn Bundesbürgern
plädieren für einen grundsätzlich kostenfreien öffentlichen Nahverkehr (67%),
für eine deutlich erhöhte Taktung im Bus- und Bahnverkehr (66 %) sowie das
bundesweit einsetzbare Deutschland-Ticket (71 %). Die meisten Befragten lehnen
zwar ein Verbot von Autoverkehr in den Innenstädten ab - stehen aber dem Parken
ausschließlich in zentralen, sogenannten Quartiersgaragen eher positiv
gegenüber. Auch das Votum für eine staatliche E-Auto-Förderung nimmt deutlich
zu. Waren 39 Prozent in 2024 dafür und im vergangenen Jahr 45 Prozent, sind es
nun mehr als die Hälfte (52 %). Interessant: Zwar sprechen sich die Jüngeren
unter 40 Jahren noch immer stärker für die staatliche E-Förderung aus (60 %).
Aber am stärksten nimmt die Zustimmung bei den Älteren ab 40 Jahren zu - von im
Vorjahr erst 31 Prozent stieg er auf jetzt 47 Prozent.
Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied bei der HUK-COBURG: "Unsere langjährige
Mobilitäts-Studie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den
schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen,
sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das
E-Auto setzt man Hoffnungen und befürwortet immer stärker eine staatliche
Förderung."
Ältere sind stärker betroffen als Jüngere - digitale Angebote verpuffen
Harsch fällt heute der Vergleich aus, wie sich der Gesamtzustand der Mobilität
in den Augen der Bundesbürger in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat.
Neun von zehn abgefragten Kriterien wie Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Kosten
oder Organisierbarkeit werden per Saldo zum Teil drastisch schlechter bewertet
als vor fünf Jahren. Nur der CO2-Ausstoß wird etwas besser beurteilt. So
erklären ganze 9 Prozent der Befragten, dass man Fahrten heute verlässlicher
planen kann als vor fünf Jahren - jeder Zweite (49 %) findet dagegen, dass sich
dies verschlechtert hat (34% sind neutral, 8% ohne Angaben). Neue digitale
Möglichkeiten, Mobilität zu organisieren, verpuffen offenbar weitgehend. So
leiden vor allem Ältere unter dem Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland:
Rund doppelt so viele der über 55-Jährigen beklagen im Vergleich zu Befragten
unter 25 Jahren, dass sie auf der Straße oder Schiene heute langsamer ihre Ziele
erreichen als vor fünf Jahren. Fast ebenso groß ist der Unterschied bei der
Beurteilung, ob Mobilität schwieriger zu organisieren geworden ist. Auch die
abnehmende Verlässlichkeit der Zeitplanung monieren die älteren Befragten zu
fast einem Drittel häufiger als junge Menschen unter 25 Jahren.
Nur zwei Führerschein-Neuerungen werden insgesamt positiv bewertet
Überraschendes bringt der Generationen-Vergleich zu aktuell diskutierten
Änderungen beim Führerscheinerwerb zu Tage. So sehen gerade die jungen Leute,
deren Portemonnaie die vorgeschlagenen Maßnahmen eigentlich entlasten sollen,
die meisten Maßnahmen negativ. Mehr als die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen stuft
etwa reduzierte pflichtmäßige Übungsfahrten als "gar nicht gut" und "weniger
gut" ein (54 %, Gesamtbevölkerung 59 %). Und gegenüber der geplanten Anrechnung
eines Fahrtrainings mit Familienmitgliedern auf Übungsplätzen ist die Ablehnung
in dieser Altersgruppe sogar noch höher als in der Gesamtbevölkerung (51 %,
gesamt 47 %). Positiv werden in der deutschen Bevölkerung insgesamt nur zwei der
sieben diskutierten Vorschläge gesehen: Dass Theoriestunden überwiegend digital
erfolgen können sowie Kosten und Durchfallquoten von Fahrschulen online
einsehbar werden.
Jüngere fordern vor allem Nachprüfungen für über 75-Jährige
Trotz der generationsübergreifenden Auto-Präferenz wünschen sich die Deutschen
für mehr Sicherheit auf den Straßen schärfere Maßnahmen der Politik. "Härtere
Strafen bei Verkehrs-vergehen" wird mit 40 Prozent am stärksten präferiert.
Interessant: Besonders stark wird das in der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen
gefordert (45 %). An zweiter Stelle wollen 37 Prozent aller Bundesbürger, dass
"verstärkte Polizeikontrollen Fahrten etwa mit überhöhter Geschwindigkeit oder
unter Alkohol- sowie Drogeneinfluss besser verhindern". An dritter Stelle liegt
eine pflichtmäßige Führerschein-Nachprüfung für alle ab 75 Jahren. Allerdings:
Bei den unter 40-Jährigen fordert das nicht nur mehr als die Hälfte (52 %). In
dieser Altersgruppe wird diese Maßnahme sogar als die mit Abstand wichtigste
überhaupt für mehr Verkehrssicherheit angesehen. Maßnahmen jenseits einer harten
staatlichen Hand werden dagegen nur geringere Effekte für erhöhte
Verkehrssicherheit zugetraut. Etwa längere Probezeiten für Fahranfänger oder
regelmäßige Nachschulungen für alle Autofahrer und Sehtests.
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Differenzen zeigt auch die regionale Auswertung. Härtere Strafen bei
Verkehrsverstößen werden von den Bewohnern der drei Stadtstaaten deutlich
stärker als in allen anderen Bundesländern gefordert (Berlin 48 %, Hamburg und
Bremen 45 %). Auch der Anteil von Befürwortern schärferer Kontrollen ist in
Berlin am höchsten (45%). Vor das drittplatzierte Hamburg (43 %) schiebt sich
hier noch Sachsen-Anhalt (44 %).
Den größten Frust über fehlende Zeitverlässlichkeit bei der Mobilitätsplanung
gibt es in Nordrhein-Westfalen: Deutlich mehr als die Hälfte (57 %) monieren das
hier. Ebenfalls an der Spitze liegt im bevölkerungsreichsten Bundesland der
Ärger über zurückgehende Schnelligkeit beim Erreichen der Ziele (39 % wie auch
in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber 33 % im Bundesschnitt).
Weitere Informationen finden Sie unter
https://www.huk.de/presse/nachrichten/aktuelles/mobilitaetsstudie-2026.html
Die HUK-Mobilitätsstudie 2026 basiert auf einer Online-Umfrage der YouGov
Deutschland GmbH mit Mitgliedern des YouGov Panels, an der 4114 Personen
zwischen dem 21.01. und 18.02.2026 teilnahmen. Die Daten wurden mit den
Quotenmerkmalen Alter und Geschlecht innerhalb der einzelnen Bundesländer
erhoben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die
Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland ab 16 Jahren nach Alter und Geschlecht
sowie für die Bevölkerung in Deutschland gesamt ab 16 Jahren nach Alter,
Geschlecht und Region.
Die HUK-COBURG Versicherungsgruppe
Mit deutlich über 13 Mio. Kunden ist die HUK-COBURG der große Versicherer für
private Haushalte mit traditionell preisgünstigen Angeboten von der
Kfz-Versicherung über Haftpflicht-, Unfall-, Sach- und Rechtsschutzversicherung
bis hin zur privaten Kranken-, der Lebens- sowie der privaten
Rentenversicherung. Mit Beitragseinnahmen 2025 von rund 11 Mrd. Euro zählt sie
zu den zehn größten deutschen Versicherungsgruppen. Traditioneller Schwerpunkt
ist die Kfz-Versicherung: Mit 14,5 Mio. versicherten Fahrzeugen ist sie der
größte deutsche Autoversicherer. In der Haftpflicht- und Hausratversicherung ist
sie ebenfalls führend. Die HUK-COBURG mit Sitz in Coburg beschäftigte Ende 2025
insgesamt rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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