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Bonn/München (ots) - Die Energiewende vor Ort scheitert selten am Willen der
Verantwortlichen - sondern an fehlenden Netzkapazitäten, fehlendem Geld und
komplizierten Verfahren. Zu diesem Ergebnis kam eine bundesweite Befragung unter
mehr als 600 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern durch die Initiative
Klimaneutrales Deutschland (IKND) und heimatwurzeln e.V. Während mit
Netzanschlusspaket und Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes auf Bundesebene
große Reformen auf den Weg gebracht werden sollen, mangelt es Deutschlands
Kommunen an verlässlichen Rahmenbedingungen und kommunikativer Stringenz.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in vielen Kommunen Projekte in allen
Bereichen der Transformation von Energiewende über Wärme und Mobilität bis zur
Klimaanpassung bereits umgesetzt und geplant werden oder grundsätzlich auf
Interesse stoßen. Doch gerade die Stromnetze entwickeln sich zum Flaschenhals.
Fast jede zweite Kommune nennt fehlende Kapazitäten im Verteilnetz (46 Prozent)
oder Engpässe bei Umspannwerken (39 Prozent). Lediglich 3 Prozent der Befragten
geben an, dass Netzanschlüsse kein Problem sind. Das Ergebnis: Entgegen
kommunalem Engagement scheitern Projekte an fehlender Infrastruktur.
"Vor Ort in den Kommunen entscheidet sich, ob Projekte umgesetzt werden. Wenn
der Netzausbau nicht Schritt hält, geraten millionenschwere Vorhaben ins Wanken
- und das bremst Investitionen für unseren Standort. Hier brauchen wir Tempo und
Verlässlichkeit." - Tobias Averbeck, Bürgermeister der Gemeinde Bakum im
Landkreis Vechta
Knappe Mittel und bürokratische Förderungsprozesse
Zudem fehlt es an finanziellem Spielraum, um Projekte eigenständig
voranzutreiben. Mehr als 73 Prozent der Bürgermeister beschreiben die
Haushaltslage ihrer Kommune als angespannt, nennen aber auch eine Lösung. Mehr
als 63 Prozent von ihnen sehen in einer "Pauschalförderung und vereinfachter
Kofinanzierung für kommunale Projekte" den wichtigsten Hebel für eine schnellere
Umsetzung der Energiewende vor Ort.
Zusätzlich ist undurchsichtig, wo der Gesetzgeber die Kommunen eigentlich
unterstützen kann. So ruft nicht einmal die Hälfte ihnen zustehende Zahlungen
nach § 6 EEG 2023 tatsächlich ab. Fast 40 Prozent geben sogar an, davon noch nie
gehört zu haben bzw. dass ihnen Informationen fehlen.
Fehlende politische Unterstützung trotz lokalem Zuspruch
Vor Ort sieht man Berlins kommunikativen Kurs sehr kritisch. Zwei Drittel der
Bürgermeister sind der Meinung, dass die Kommunikation der Bundesregierung zur
Energiewende negative Auswirkungen auf die Akzeptanz vor Ort hat. Zusätzlich
fühle man sich in allen angefragten Aufgabenbereichen wie "Stromerzeugung &
Netze", "Wärmenetze & kommunale Wärmeplanung", "Mobilität & Ladeinfrastruktur"
und die "Finanzierung der Energiewende" schlecht von der Bundesregierung
vertreten.
"Die Energiewende entscheidet sich auch an der Frage, wie sie kommuniziert wird.
Wenn aus Berlin und den Landeshauptstädten ermutigende Signale kämen, die über
Legislaturperioden hinaus verlässlich wären, würde uns das helfen, Menschen vor
Ort mitzunehmen." - Dr. Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch im Landkreis
Meißen
Die Akzeptanz für neue Energieprojekte sei insbesondere von unmittelbaren
Vorteilen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort abhängig. So geben zwei Drittel
der Bürgermeister an, dass günstige Energiepreise und mehr als die Hälfte eine
direkte finanzielle Beteiligung der Bürger die Akzeptanz steigern können.
Fazit: Die Energiewende entscheidet sich in den Kommunen
Die Befragung zeigt deutlich: Die Kommunen sind zentrale Akteure zum Erreichen
der Klimaschutzziele und in den deutschen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern
findet man lokale Experten - wenn man ihnen Gehör schenkt. Damit Projekte
tatsächlich umgesetzt werden können, braucht es einfachere Förderstrukturen,
mehr Netzkapazitäten und eine bessere Abstimmung der Infrastrukturplanung.
Günstige Energie sichert dabei nicht nur die Akzeptanz der Bevölkerung, sondern
kann auch unserer stark in Bedrängnis geratenen Wirtschaft unter die Arme
greifen.
Die Umfrage wurde von Januar bis März 2026 via Zufallsauswahl und per
Onlinebefragung durchgeführt. Eingeladen waren alle deutschen Bürgermeister. Die
609 teilnehmenden Kommunen stehen für rund 10 Prozent der deutschen Haushalte.
Über heimatwurzeln e.V.
heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich
für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem
bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in
der Mitte der Gesellschaft fördern.
Über die Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND)
Die IKND ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in München, die die
faktenbasierte, parteiübergreifende Klimadebatte mit Mitteln der Kommunikation
und Netzwerkarbeit unterstützt.
Pressekontakt:
Julian Franz
Pressesprecher heimatwurzeln e.V.
mailto:presse@heimatwurzeln.de
0228 50431981
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OTS: heimatwurzeln e. V.
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