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Braunschweig (ots) - Die Abteilung Pflanzenviren der DSMZ gewährleistet mit
modernster Diagnostik den sicheren Transfer genetischer Ressourcen und leistet
damit einen zentralen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung.
Die von Dr. Björn Krenz geführte Abteilung für Pflanzenviren des
Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen
GmbH in Braunschweig schützt durch den gesicherten globalen Austausch von
Cassava-Pflanzenmaterial diese extrem wichtige Ernährungspflanze. Cassava ist
für hunderte Millionen Menschen in Sub-Sahara-Afrika lebensnotwendig. Ähnlich
wie die Kartoffel aus Südamerika stammend, liefert sie Stärke und Energie für
eine der vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen der Welt. Doch Klimawandel und neue
Pflanzenkrankheiten setzen die Kulturen zunehmend unter Druck. Die Antwort der
Wissenschaft liegt in der gezielten Pflanzenzüchtung, dafür wird ständig neues
genetisches Material benötigt. Pflanzenzüchtung beruht auf der kontinuierlichen
Weiterentwicklung vorhandener Sorten, um leistungsfähigere, ertragreichere und
widerstandsfähigere Pflanzen zu erzeugen, die beispielsweise besser an
veränderte klimatische Bedingungen angepasst sind oder neu auftretenden
Krankheits- und Schaderregern besser standhalten. "Besonders wertvolle
Cassava-Genotypen finden sich in ihren Ursprungsregionen Kolumbien und Brasilien
und sind wissenschaftlich wie entwicklungspolitisch von hoher Relevanz",
informiert Doktor Krenz.
Das Risiko: Unsichtbare Bedrohungen auf Reisen
Der interkontinentale Austausch von Pflanzenmaterial birgt jedoch erhebliche
Risiken. Viren, Bakterien, Pilze, Nematoden und Insekten können als blinde
Passagiere mitreisen und in neuen Regionen auf anfällige Sorten, unbekannte
Vektoren oder fehlende Abwehrstrategien treffen. "Ein unkontrollierter Transfer
wäre nicht nur fahrlässig, sondern könnte verheerende Folgen für ganze
Anbaugebiete haben. Dieses Szenario trifft natürlich nicht nur für Cassava zu",
so Dr. Björn Krenz.
Die Lösung: Modernste Diagnostik an der DSMZ
Genau hier setzt die Abteilung Pflanzenviren der DSMZ an. Unter der Leitung von
Dr. Samar Sheat arbeitet hier ein interdisziplinäres Team an der Schnittstelle
von Forschung, Diagnostik und internationaler Pflanzengesundheit. Bevor
Cassava-Material zwischen Kontinenten und Regionen transferiert werden kann,
durchläuft es ein intensives Untersuchungsprotokoll, das auch bisher unbekannte
und neuartige Erreger zuverlässig erkennt. Präzise molekulare Methoden, darunter
modernste Genomsequenzierung und biologische Tests, kommen ebenso zum Einsatz
wie spezielle Quarantäne- und Growing-on-Verfahren unter kontrollierten
Bedingungen. Ziel ist die umfassende Bewertung des Gesundheitsstatus jedes
Pflanzenmaterials, bevor es freigegeben wird. "Unsere Arbeit ist wenig sichtbar,
aber sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wertvolles genetisches Material
überhaupt international genutzt werden kann. Wir stellen sicher, dass die
Züchtungsforschung auf der ganzen Welt Zugang zu den besten Cassava-Linien
bekommt, ohne dabei phytosanitäre Risiken einzugehen", erläutert Dr. Samar Sheat
von der Abteilung Pflanzenviren des Leibniz-Instituts DSMZ.
Bedeutung für die globale Ernährungssicherung
Die Arbeit der DSMZ ermöglicht internationale Cassava-Züchtung,
Resistenzforschung und den Transfer verbesserter Linien und verhindert
gleichzeitig, dass Pathogene aus Südamerika nach Afrika oder umgekehrt
verschleppt werden. Die DSMZ ist damit eine global bedeutende wissenschaftliche
Kontrollstelle für den sicheren Austausch pflanzengenetischer Ressourcen. Das
Beispiel Cassava zeigt exemplarisch, wie moderne Virusdiagnostik, internationale
Zusammenarbeit und verantwortungsvoller Umgang mit pflanzengenetischen
Ressourcen zusammenwirken - zum Nutzen der Ernährungssicherheit und
Pflanzengesundheit weltweit. "Pflanzengenetische Ressourcen sind das Kulturgut
aller Menschen. Es ist unsere Verantwortung, sie so zu schützen und verfügbar zu
machen, dass künftige Generationen davon profitieren - gerade angesichts des
Klimawandels", so Dr. Samar Sheat von der Abteilung Pflanzenviren des
Leibniz-Instituts DSMZ abschließend.
Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen
GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische Ressourcen
(Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren,
genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der
DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und
archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren
umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969
globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als
gemeinnützig anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU)
Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 94.400 Bioressourcen und hat rund 210
Beschäftigte. http://www.dsmz.de
Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen.
Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über
die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den
Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich,
ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und
anwendungsorientierte Forschung, vernetzen sich in übergreifenden
Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche
Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die
Leibniz-Gemeinschaft berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und
Öffentlichkeit. Sie setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, insbesondere mit den
Leibniz-Forschungsmuseen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf technologisch
relevanter Forschung und aktivem Technologietransfer: Leibniz-Institute bringen
innovative Entwicklungen gezielt in die Anwendung und fördern durch
Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie die Umsetzung neuer Technologien in
die Gesellschaft. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den
Hochschulen - unter anderem in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der
Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem
transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer
gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der
Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400
Personen, darunter 12.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das
Finanzvolumen liegt bei gut 2,3 Milliarden Euro.
http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Pressekontakt:
PhDr. Sven-David Müller, M.Sc., Pressesprecher des Leibniz-Instituts
DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, Tel.:
0531/2616-300, E-Mail: press@dsmz.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/182115/6288131
OTS: Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen u
nd Zellkulturen GmbH
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