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Berlin (ots) - Ein Jahr nach dem Start der neuen Bundesregierung ziehen Terre
des Hommes und Welthungerhilfe im aktuellen Kompass 2026 Bilanz: Die Reform der
Entwicklungspolitik enthält viele relevante Punkte, bleibt aber hinter dem
zurück, was angesichts der globalen Krisen nötig wäre. Terre des Hommes und
Welthungerhilfe begrüßen den Reformwillen der Bundesregierung - warnen aber
zugleich davor, Entwicklungspolitik auf Rhetorik, Berliner Debatten und
kurzfristige Prioritäten zu reduzieren.
"Die Reform der Entwicklungspolitik darf nicht zu einem Berliner
Verwaltungsprojekt werden", sagt Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des
Hommes. "Wer Wirksamkeit will, muss Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und
junge Menschen frühzeitig und verbindlich einbinden. Eine glaubwürdige
Partnerschaft lebt von verantwortungsvollem Handeln, nicht von schönen Worten."
Die beiden Organisationen fordern eine starke Entwicklungspolitik, die
Deutschland zu einem ausgeglichenen Kurs zwischen globaler Verantwortung und
nationalen Interessen führt. Bei den Kooperationen mit der deutschen Wirtschaft
müssen auch die Menschen in den Partnerländern profitieren.
Besonders kritisch zu bewerten sind die neuen Zahlen zu öffentlichen
Entwicklungsleistungen (ODA). Die deutschen ODA-Mittel sind 2025 real um 17
Prozent gesunken, die Unterstützung für die am wenigsten entwickelten Länder
(LDCs) ging zuletzt (2024) sogar um rund ein Drittel zurück. Damit geraten
ausgerechnet jene Staaten unter Druck, die von Hunger, Armut, Klimakrisen und
Konflikten besonders betroffen sind und die laut Reformagenda stärker
unterstützt werden sollen.
"Es ist nicht glaubwürdig, die LDCs als Schwerpunkt zu benennen, ihnen aber
nicht ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen. Hier muss man künftig
nachbessern. Wer Transformation verspricht, muss sie auch finanzieren -
verlässlich, langfristig und gemeinsam mit den Partnern. Die Bundesregierung
muss sich entscheiden, ob sie in Zeiten zunehmender Herausforderungen auch
zukünftig ein verlässlicher Partner sein will", betont Mathias Mogge,
Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe.
Auch die Kürzungen bei der humanitären Hilfe geben Anlass zur Sorge. Deutschland
hat seine Mittel 2025 um 53 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro reduziert. Im Jahr
2026 sollen die Mittel auf demselben Niveau verharren - der niedrigste Stand
seit zehn Jahren. In einer Zeit multipler Krisen ist das ein gefährliches
Signal.
Humanitäre Hilfe muss sich konsequent an den Bedarfen der Menschen orientieren
und nicht, wie es zunehmend geschieht, politisiert und instrumentalisiert
werden. Ihre Neutralität und Unabhängigkeit müssen gewahrt bleiben. Die
Bundesregierung sollte zudem Entwicklungszusammenarbeit, Friedenssicherung und
humanitäre Hilfe besser miteinander verzahnen und durch mehrjährige
Finanzierungen absichern.
Der Kompass 2026 macht damit deutlich: Die Bundesregierung muss ihre Humanitäre
Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung nicht nur reformieren,
sondern auch politisch und finanziell absichern. Ohne echte Partnerschaft,
ausreichende Mittel und ein klares Leitbild bleibt der Anspruch hinter der
Wirklichkeit zurück.
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Welthungerhilfe-Pressestelle: Simone Pott, Tel.: 0178 / 3700129, E-Mail:
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Allgemeine Informationen auch unter http://www.welthungerhilfe.de/presse/ und
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Der "Kompass" ist die Weiterentwicklung des jährlichen Berichts zur
"Wirklichkeit der Entwicklungspolitik", den Terre des Hommes und die
Welthungerhilfe seit 1993 herausgeben. Er unterzieht weiterhin die deutsche
Entwicklungspolitik einer kritischen Analyse, berücksichtigt dabei aber
insbesondere die Anforderungen der 2015 beschlossenen UN-Agenda für nachhaltige
Entwicklung an die deutsche Politik.
Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in
Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und
entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962
wurden 12.777 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,42
Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip
der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den
Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit
nationalen und internationalen Partnerorganisationen.
Terre des Hommes: starke Kinder - gerechte Welt
Terre des Hommes schützt Kinder vor Gewalt, Ausbeutung und den Folgen von Krieg,
Vertreibung und Umweltzerstörung. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen
fördert Terre des Hommes nachhaltige Projekte in mehr als 40 Ländern und leistet
humanitäre Hilfe. Junge Menschen weltweit sowie Mitglieder in Deutschland setzen
sich für Kinderrechte ein. Die Kinderrechtsorganisation agiert dabei unabhängig
von Regierungen, Wirtschaft, Religionsgemeinschaften und Parteien.
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