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Berlin (ots) - Die Sovereignty Alliance for European Network Technology
(SAFENet) veröffentlicht gemeinsam mit der Forschungsinitiative Innovate Europe
Foundation (IE.F) und der Berliner Beratung iconomy eine neue Grundlagenstudie
zum europäischen Internetverkehr. Ein Ergebnis der Untersuchung zeigt: 93 %
dieses europäischen Internetverkehrs fließen über Router. Und: Die EU hat für
diese Schlüsselkomponente des digitalen Ökosystems kein Souveränitätskonzept.
Dabei kontrollieren chinesische Hersteller bereits 37 % des Marktes.
Während Europa über Souveränität im Bereich von KI, Cloud oder Chips debattiert,
bleibt ein zentrales Element der digitalen Infrastruktur weitgehend unbeachtet:
der Router, ob im heimischen Wohnzimmer oder im Netzwerk kleiner und mittlerer
Unternehmen, über ihn fließen in Europa 93 % des Internetverkehrs. Zum
Vergleich: Auf den Mobilfunk entfallen nur rund 7 %. Dennoch genießen Router
keine vergleichbare politische Aufmerksamkeit.
Eine nun veröffentlichte Studie zeigt: Bei Routern liegt einer der größten
ungenutzten Hebel für Europas digitale Souveränität und seine Aktivierung gehört
zu den wirkungsvollsten und am einfachsten umzusetzenden Maßnahmen der laufenden
Legislaturperiode.
Konzentrierte Abhängigkeit mit Sicherheitsrisiken
Laut der Studie der Denkfabrik IE.F. kontrollieren chinesische Hersteller wie
ZTE, Huawei, TP-Link, Xiaomi und Tenda bereits rund 37 % der Heimnetzwerk-Geräte
in der EU und haben damit theoretisch Zugang zu geschätzt 95 Millionen
europäischen Haushalten. Insgesamt entfällt mehr als die Hälfte aller Router-
und Repeater-Installationen in Europa auf Anbieter von außerhalb der EU.
Diese Abhängigkeit ist nicht nur eine Frage der Marktstruktur, sondern der
Sicherheit. Da der Router jedem Gerät im Netzwerk vorgeschaltet ist, eröffnet
ein einziger kompromittierter Router Einblick in die gesamte digitale Aktivität
eines Haushalts oder Unternehmens. Die Studie identifiziert drei zentrale
Risiken:
- Datenabgriff über die Firmware-Ebene - betrifft auch verschlüsselte
Kommunikation,
- Instrumentalisierung für Cyberangriffe - kompromittierte Router sind die
Grundbausteine von Botnetzen, wobei Marktkonzentration die Verwundbarkeit
verschärft,
- Rechtliche Exponiertheit - insbesondere durch die Verpflichtungen, die Chinas
Nationales Geheimdienstgesetz Herstellern auferlegt.
- Transparenz und Aufklärung , darunter eine verpflichtende, standardisierte
Kennzeichnung von Herkunftsland und Rechtsraum für Netzwerkgeräte,
- Reform der öffentlichen Beschaffung durch klare Sicherheitsanforderungen,
- Klare Governance und Kontrolle der EU-Lieferketten,
- Stärkung der europäischen Industriekapazität , damit vertrauenswürdige
europäische und verbündete Hersteller in einem von asymmetrischer staatlicher
Förderung geprägten Markt bestehen können.
Inkonsequenz in der Souveränitätsdebatte
Besonders auffällig: Europa handelt in anderen kritischen Hardware-Sektoren
längst gegen Hochrisiko-Lieferanten, beim Router jedoch bleibt es untätig. "Mit
der 5G-Toolbox existiert ein erprobtes operatives Drehbuch. Die institutionellen
Rahmen, die Gesetzgebungsinstrumente und die Koordinierungsmechanismen sind
vorhanden", schreiben die Autoren der Studie. "Was fehlt, ist der politische
Wille, der sich auf die konkrete Frage der Router-Sicherheit richtet", heißt es
weiter.
Clark Parsons, Geschäftsführer IE.F: "Europa hat die Instrumente, den
Präzedenzfall und den politischen Moment. Die Frage ist, ob es handelt, bevor
die Abhängigkeit unumkehrbar wird."
Jan Oetjen, SAFENet-Vorsitzender & CEO von FRITZ!: "Unabhängige und sichere
Netzwerktechnologie ist die Basis für eine digitale Souveränität Europas. Nur
gemeinsam können wir sicherstellen, dass Europa die Kontrolle über die
europäischen Netze behält und seine digitale Zukunft selbst gestaltet."
Verbraucher vertrauen Europa - ohne es zu wissen
Dieser politische Wille hätte Rückhalt in der Bevölkerung. Eine YouGov-Befragung
unter mehr als 16.000 Menschen in der EU zeigt: 58 % der Europäer vertrauen
europäischen Routern, während 51 % der Befragten Routern von chinesischen und 63
% Routern von russischen Herstellern misstrauen. Das Problem: Die meisten
Europäer wissen gar nicht, woher ihr Router stammt. Wer ein Gerät vom Provider
erhält, hält es überwiegend für europäisch, sehr häufig zu Unrecht, denn viele
Provider-Router stammen nach wie vor von nicht-europäischen Herstellern.
Die Studie folgert: Transparenz allein würde die politische Dynamik für
weitergehende Maßnahmen entfachen.
SAFENet-Allianz fordert: Europa muss jetzt handeln
"Die analytische Beweislage wird von niemandem bestritten, der die Marktdaten,
die Bedrohungslage und die rechtliche Exponiertheit ernsthaft prüft", teilt die
SAFENet-Allianz mit, die ein Zusammenschluss führender europäischer
Netzwerktechnologie-Unternehmen ist. "Die Router-Sicherheit und -Souveränität
wurde und wird in der europäischen Debatte und Regulierung immer wieder
verdrängt - von größeren, sichtbareren Herausforderungen. Es ist Zeit, diese
Lücke zu schließen."
Vier Hebel für Europas Router-Souveränität
Die gute Nachricht: Europa muss dafür weder neue Institutionen schaffen noch bei
null beginnen. Die regulatorischen Werkzeuge sind vorhanden, es geht darum, sie
gezielt einzusetzen. SAFENet bündelt sie in einem Vier-Säulen-Konzept:
Über SAFENet
Die Sovereignty Alliance for European Network Technology (SAFENet) ist ein
strategischer Zusammenschluss führender europäischer
Netzwerktechnologie-Unternehmen. Ziel: ein digitales Europa, das selbstbestimmt,
resilient und zukunftsfähig ist.
Mehr unter safe-net.tech (https://www.ie.foundation/) .
Über die IE.F
Unabhängiger Berliner Think Tank für Europas Platz in der globalen
Digitalwirtschaft.
Mehr unter ie.foundation.
Studie:
https://www.ie.foundation/content/4-publications/ief_router-risk_260615_final.pd
f
Pressekontakt:
Kira Terstappen-Richter · SAFENet · mailto:media@safe-net.tech
Clark Parsons · IE.F · mailto:c.parsons@ie.foundation
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/58562/6300977
OTS: SAFENet
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