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Marburg (ots) - Marburger Herzteam entwickelt digital unterstütztes
Versorgungskonzept für Menschen mit Kunstherz - Förderverein des Universitären
Herzzentrums unterstützt "Integrated LVAD Care" mit 12.000 Euro
Ein plötzlicher Gewichtsanstieg, eine veränderte Sauerstoffsättigung oder eine
auffällige Wunde: Für Menschen mit einem Kunstherz (LVAD)-System können auch
kleine Veränderungen wichtige Hinweise sein. Entscheidend ist nicht nur, dass
solche Signale erfasst werden - sondern dass sie rechtzeitig bei einem
spezialisierten Behandlungsteam ankommen und erkannt werden.
Genau hier setzt "Integrated LVAD Care" an. Das Universitäre Herz- und
Gefäßzentrum Marburg am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM)
entwickelt ein digitales, engmaschiges Versorgungskonzept für Menschen mit
fortgeschrittener Herzinsuffizienz vor und nach einer Kunstherzimplantation. Der
Förderverein des Universitären Herzzentrums Marburg unterstützt das Projekt mit
12.000 Euro.
Ein LVAD (Left Ventricular Assist Device) ist ein mechanisches
Herzunterstützungssystem, das bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit
fortgeschrittener Herzschwäche die linke Herzkammer entlasten kann und somit die
Herzleistung unterstützt. Die Behandlung kann Symptome lindern, die
Belastbarkeit verbessern und somit neue Perspektiven eröffnen - bleibt jedoch
dauerhaft anspruchsvoll. Infektionen, Blutungen oder eine Verschlechterung des
Allgemeinzustands müssen möglichst früh erkannt und medizinisch eingeordnet
werden.
Das Marburger Projekt verbindet daher die hochspezialisierte Versorgung im
Herzzentrum mit dem Alltag der Betroffenen zu Hause. Über eine digitale
Anwendung dokumentieren die Patientinnen und Patienten bereits vor der Operation
regelmäßig Werte wie Gewicht, Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und ihr
Befinden. Nach der Implantation kommen - je nach individueller Situation -
Angaben zum Wundverlauf, zu Blutgerinnungswerten und zum LVAD-System hinzu. Eine
medizinische Hilfskraft sichtet die Daten strukturiert, erkennt Auffälligkeiten
und bindet das Behandlungsteam gezielt ein.
So entsteht eine verlässliche Verbindung zwischen stationärem Aufenthalt,
ambulanter Nachsorge und dem Leben zu Hause. Das digitale Angebot ersetzt dabei
nicht den persönlichen Kontakt. Es sorgt vielmehr dafür, dass die spezialisierte
Expertise des Herzzentrums auch zwischen den Kontrollterminen erreichbar bleibt
- und dass mögliche Warnzeichen nicht unbemerkt bleiben.
"Ein LVAD ermöglicht ein Leben außerhalb der Klinik. Damit das sicher gelingt,
müssen wir Veränderungen früh erkennen, ohne den Menschen mit App und Messwerten
allein zu lassen. Digitale Begleitung macht unsere Expertise nicht
unpersönlicher - sie macht sie im Alltag erreichbarer", erklärt Prof. Dr. Birgit
Markus, Projektleiterin und stellvertretende Klinikdirektorin am UKGM Marburg.
Das Projekt ist damit mehr als eine App-Anwendung. Es antwortet auf eine
zentrale Versorgungsfrage der Region: Wie kann hochspezialisierte Medizin
Menschen auch dann zuverlässig begleiten, wenn sie weiter entfernt wohnen vom
spezialisierten Zentrum? Gerade im ländlich geprägten Umfeld von Marburg sind
längere Wege zur Klinik und begrenzte ambulante Ressourcen für viele Betroffene
Realität. Gleichzeitig wächst mit einer älter werdenden Bevölkerung der Bedarf
an langfristiger, koordinierter Versorgung bei chronischen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
"Integrated LVAD Care" greift damit Themen auf, die die Gesundheitsversorgung
derzeit weit über Marburg hinaus prägen: sektorenübergreifende Zusammenarbeit,
bedarfsgerechte Versorgung im ländlichen Raum und eine sinnvolle Nutzung
digitaler Möglichkeiten. Ziel ist es, diese besonders komplexen
Hochrisikopatientinnen und -patienten durch ein digital unterstütztes,
engmaschiges Versorgungskonzept insbesondere im ambulanten Setting besser zu
begleiten, klinische Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen und dadurch
vermeidbare Notfallvorstellungen sowie erneute stationäre Aufnahmen möglichst zu
reduzieren.
Im Rahmen der Spendenübergabe am 16. Juni 2026 im Herzzentrum des UKGM Marburg
wurde die Förderung offiziell übergeben. Neben Vertreterinnen und Vertretern des
Fördervereins, des Projektteams und der ProCarement GmbH war auch Peter Geisen
anwesend. Er erhielt vor vier Monaten am Universitätsklinikum Marburg ein LVAD
und nutzt das digitale System bereits. Seine Erfahrungen machten greifbar, worum
es bei dem Projekt geht: um mehr Sicherheit im Alltag und eine Versorgung, die
nicht an der Kliniktür endet.
"Wir fördern dieses Vorhaben, weil es Technik konsequent in den Dienst einer
besseren Versorgung stellt", sagt Andreas A. Schoenwandt, 1. Vorsitzender des
Fördervereins des Universitären Herzzentrums Marburg. "Die entscheidende
Innovation ist nicht allein die digitale Anwendung, sondern die verlässliche
Verbindung zwischen den Menschen zu Hause und dem spezialisierten Team im
Herzzentrum. Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt konkrete neue Standards in
der Betreuung von Menschen mit LVAD-System setzen wird."
Die Fördermittel finanzieren für zwei Jahre eine medizinische Hilfskraft als
zentrale Schnittstelle zwischen Patientinnen und Patienten und dem ärztlichen
Team. Getragen wird das Projekt gemeinschaftlich von der Klinik für Kardiologie,
Angiologie und Internistische Intensivmedizin sowie der Klinik für Thorakale
Herz- und Gefäßchirurgie am Standort Marburg. In einem nächsten Schritt soll das
Versorgungskonzept wissenschaftlich evaluiert und gemeinsam mit Partnerzentren
weiterentwickelt werden.
Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM)
(https://www.ukgm.de/home.html) mit seinen 86 Kliniken und Instituten an den
beiden Standorten Gießen und Marburg ist das drittgrößte Universitätsklinikum
Deutschlands. Seit Februar 2006 trägt die RHÖN-KLINIKUM AG
(https://www.rhoen-klinikum-ag.com/) zu 95 Prozent die Verantwortung als
Betreiber dieses privatisierten Universitätsklinikums. http://www.ukgm.de/
Pressekontakt:
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Thomas Steiner | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
T. +49 6421 58 - 68038 | mailto:thomas.steiner@uk-gm.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/109212/6301107
OTS: RHÖN-KLINIKUM AG
ISIN: DE0007042301
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