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Berlin (ots) -
- Bericht zeigt deutliche Pestizid-Belastung beim Anbau von konventionellem
Kaffee: 159 Pestizid-Wirkstoffe kommen zum Einsatz
- Mehr als die Hälfte der eingesetzten Pestizide sind in der EU verboten, mit
gravierenden Folgen für die Gesundheit von Arbeitenden, die Artenvielfalt und
die Umwelt in den Anbauländern
- Coffee Watch, Deutsche Umwelthilfe, INKOTA-Netzwerk und PAN UK fordern Stopp
von in der EU verbotenen Pestiziden
Konventioneller Kaffee ist mit in Deutschland verbotenen, hochgiftigen
Pestiziden belastet. Dies ist das Ergebnis eines gemeinsamen Berichts von Coffee
Watch, Deutscher Umwelthilfe, dem INKOTA-Netzwerk und dem Pesticide Action
Network (PAN) UK. Der Bericht stellt insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe fest, die
in der Kaffeeproduktion eingesetzt werden. Davon sind 59 Prozent in der
Europäischen Union verboten. Die Pestizide kommen vor allem in den Anbauländern
zum Einsatz, wo sie Mensch und Natur gefährden und gelangen über globale
Lieferketten dennoch in die Kaffeetassen der Menschen in Deutschland. Der
Bericht legt die ungerechten doppelten Standards in der Kaffeebranche offen.
Silke Bollmohr vom INKOTA-Netzwerk und Hauptautorin des Berichts erklärt: "Der
Bericht macht die Doppelmoral in der Kaffeebranche deutlich sichtbar: Pestizide,
die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer
exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt. Der
so produzierte Kaffee gelangt anschließend wieder in unsere Supermärkte - die
gesundheitlichen Folgen tragen jedoch andere: Arbeiterinnen und Arbeiter, ihre
Familien und die Bevölkerung in den Anbaugebieten. Sie erkranken, während
wohlhabende Länder sich vor genau diesen Risiken schützen. Das ist
Umweltungerechtigkeit und ein Menschenrechtsproblem. Politik und Unternehmen
dürfen nicht länger von einem System profitieren, das die Risiken auf Menschen
und Ökosysteme in den Anbauländern verlagert."
Dazu Svane Bender, Bereichsleiterin Naturschutz und Biologische Vielfalt der
DUH: "Der Schaden, der durch hochgiftige Pestizide im Kaffeeanbau für Mensch und
Natur entsteht, ist katastrophal. Allein Deutschland importiert jährlich
durchschnittlich 1,1 Millionen Tonnen ungerösteten Kaffee mit einem Profit für
die Kaffeefirmen von bis zu 12,9 Milliarden Euro pro Jahr. Die Folge sind kranke
Arbeiterinnen und Arbeiter, zerstörte Artenvielfalt und vergiftete Böden. Wir
fordern, dass der Export von Pestiziden, die hierzulande verboten sind,
schnellstmöglich gestoppt wird. Deutsche Kaffeefirmen müssen außerdem Bäuerinnen
und Bauern in den Anbaugebieten beim pestizidfreien und nachhaltigen Umbau ihrer
Plantagen unterstützen."
Die eingesetzten Pestizide stehen nachweislich mit massiven Gesundheitsschäden
in Zusammenhang wie Krebs und Fortpflanzungsschäden. Laut Bericht enthält etwa
jede fünfte Tasse Kaffee giftige Pestizidrückstände. Während Verbraucherinnen
und Verbraucher so mit Pestizidrückständen in Kontakt kommen können, tragen die
Menschen in den Anbauländern die größte Last. Sie sind den Pestiziden
unmittelbar ausgesetzt, oft ohne ausreichende Schutzkleidung. Bei einigen Giften
sind die Rückstände sogar noch langanhaltender, wie bei Glyphosatrückständen
(AMPA genannt), bei denen in 72 Prozent der Kaffeeproben Giftrückstände
nachgewiesen wurden.
Allein in Brasilien wurden 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im
Kaffeeanbau eingesetzt, das ist pro Hektar mehr als beim Anbau von Mais oder
Soja. In Vietnam hat sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mindestens
verdreifacht. In Kenia entfallen 27 Prozent des nationalen Pestizideinsatzes auf
den Kaffeeanbau, obwohl Kaffee weniger als 1 Prozent der Anbaufläche einnimmt.
Coffee Watch, DUH, INKOTA-Netzwerk und PAN fordern Bundesregierung und die EU
auf, den Export von in Europa verbotenen Pestizide zu beenden und Unternehmen
stärker in die Pflicht zu nehmen, den Übergang zu einer ökologisch verträglichen
und menschenrechtskonformen Kaffeeproduktion mitzufinanzieren.
Hintergrund:
Der Bericht "Gift in unserer Kaffeetasse" fasst wissenschaftliche Literatur,
öffentliche Daten und Feldforschung aus Brasilien, Vietnam, Kenia, Kolumbien und
anderen wichtigen Anbaugebieten zusammen.
Links:
Zum Bericht: https://l.duh.de/p260625a
Pressekontakt:
Dr. Silke Bollmohr, INKOTA-Netzwerk
0174 5620107, mailto:bollmohr@inkota.de
Svane Bender, Bereichsleiterin Naturschutz und Biologische Vielfalt
0151 70534254, mailto:bender@duh.de
Johanna Weidauer, Öffentlichkeitsarbeit INKOTA-Netzwerk
030 420 8202-33, mailto:presse@inkota.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, mailto:presse@duh.de
http://www.duh.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/22521/6301619
OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V.
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