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Frankfurt am Main (ots) - KI soll Prozesse beschleunigen und Beschäftigte
entlasten. Doch viele Häuser tun sich noch schwer mit dem Wandel.
Deutschlands Kliniken stehen unter Druck. Fachkräftemangel, steigende Kosten und
wachsende Dokumentationspflichten belasten den Alltag vieler Häuser. Zeitgleich
wächst die Erwartung, medizinische Versorgung schneller, effizienter und
digitaler zu organisieren. KI soll dabei helfen, Abläufe zu vereinfachen und
Beschäftigte zu entlasten. Doch vielerorts bleibt die Umsetzung schwierig.
Häufig scheitern Projekte nicht an der Technik, sondern an gewachsenen
Strukturen, fehlenden Ressourcen und langen Entscheidungswegen. Während andere
Länder digitale Lösungen deutlich pragmatischer einsetzen, kämpfen deutsche
Kliniken noch mit gewachsenen Strukturen und langen Entscheidungswegen. Dabei
wächst der Handlungsdruck.
Zahlreiche Prozesse stammen aus einer Zeit, in der Daten kaum vernetzt waren und
Digitalisierung noch als Zusatzaufgabe galt. Warum Krankenhäuser jetzt umdenken
müssen, erklärt Michael Ey, Leiter Global Health Services bei PwC.
Viele Kliniken sprechen über KI. Ist das echter Wandel - oder oft noch digitale
Symbolpolitik?
Der Wandel ist da, allein schon wegen des Drucks im System. Gleichzeitig sinkt
die Zufriedenheit vieler Menschen mit dem Gesundheitswesen, das zeigt unser
Healthcare Barometer 2026. KI wird deshalb zunehmend zur Notwendigkeit. Viele
denken dabei sofort an hochkomplexe Diagnostiksysteme. Dabei liegen die
schnellsten Fortschritte in der Verwaltung: Terminplanung, Belegungssteuerung
oder Arztbriefe kosten heute enorme Zeit. Genau dort kann KI spürbar und schnell
entlasten - und Beschäftigten wieder mehr Zeit für Patienten verschaffen.
Warum kommen viele Häuser nur langsam voran?
Weil wir häufig mit der falschen Erwartung starten. In Deutschland wollen wir
sofort die perfekte Lösung bauen. Erst Gesamtstrategie, dann Masterplan, alles
im Goldstandard. Genau das passt aber nicht zur Dynamik von KI. Wer zu lange
plant, verliert Zeit. Sinnvoller wäre es, kleiner anzufangen, Dinge
auszuprobieren und daraus zu lernen. Viele Anwendungen lassen sich heute relativ
unkompliziert einführen - gerade außerhalb hochregulierter medizinischer
Bereiche.
Wo erleben Kliniken die größte Entlastung?
Vor allem dort, wo Verwaltungsaufwand die Arbeit dominiert. Pflegekräfte und
Ärzt:innen verbringen inzwischen einen immer weiter steigenden Teil der
Arbeitszeit mit Dokumentation statt mit Versorgung. Gleichzeitig stoßen Kliniken
trotz neuer Technologien zunehmend an Grenzen, weil der regulatorische Aufwand
weiter wächst. KI kann Formulare strukturieren, Briefe vorbereiten oder Prozesse
koordinieren. Das klingt unspektakulär, hat aber eine große Wirkung. Und zahlt
sich für die Kliniken besonder schnell auch wirtschaftlich aus. Wir sprechen
hier von Monaten, bis erste Lösungen eingeführt sind und einen positiven Effekt
auf die tägliche Arbeit und die wirtschaftliche Lage haben.
Verändert KI auch die Rolle von Krankenhausleitungen?
Absolut. Klassische IT-Projekte wurden früher häufig top down entschieden. KI
funktioniert anders. Erfolgreiche Häuser beziehen Pflegekräfte, Ärzt:innen und
Verwaltung früh ein, weil dort das Prozesswissen sitzt. Führung bedeutet deshalb
stärker Moderation und Orientierung statt reiner Vorgabe. Entscheider:innen
benötigen aber ein realistisches Verständnis dafür, was diese Systeme leisten
können. Sie müssen also selbst die Möglichkeiten der KI "ausprobieren".
Deutschland diskutiert beim Thema Gesundheitsdaten besonders sensibel. Bremst
uns das?
Datenschutz ist essenziell, besonders bei Gesundheitsdaten. Gleichzeitig bringt
die Bevölkerung den Kliniken ein großes Vertrauen entgegen, dass mit Daten
sorgfältig umgegangen wird. Problematisch wird, wenn Datennutzung fast
automatisch als Risiko verstanden wird.
In Deutschland scheitern Projekte häufig weniger an der Technik als an
komplizierten Zuständigkeiten und Unsicherheit. Datenschutz und Datennutzung
müssen stärker zusammengedacht werden: Sicher und nutzbar.
Was müssen Kliniken tun, damit die KI-Transformation nicht zur verpassten Chance
wird?
Nicht warten, bis jede Strategie perfekt ausformuliert ist. Sondern Anwendungen
testen, Erfahrungen sammeln und daraus größere Lösungen entwickeln. Natürlich
wird nicht jedes Projekt sofort funktionieren. Aber genau dieses Lernen gehört
zur Transformation dazu, jetzt muss Wissen aufgebaut werden. Wer weiter zögert,
wird später Mühe haben aufzuholen.
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