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Berlin (ots) - Mehr politische Verlässlichkeit, weniger Polemik mit Blick auf
Modernisierungstechnologien und ein Abbau von Fehlanreizen im Markt - mit diesen
Forderungen appelliert der Vorstand des BNW an Schwarz-Rot, die wirtschaftlichen
Chancen des wachsenden GreenTech-Sektors nicht zu verspielen.
"Wenn die Bundesregierung Wirtschaftswachstum sucht, findet sie es im CleanTech-
und GreenTech-Bereich. Jetzt in Effizienz, Ressourceneinsparung und
Energieautarkie zu investieren, ist ein Profit für den Standort. Wir brauchen
dafür aber mehr Klarheit und einen langfristigen Rahmen - kein permanentes
Rütteln und Verschieben der Klimaziele, wie es die Mittelstandsunion und CDA in
den letzten Tagen diskutiert haben", so Prof. Dr. Katharina Reuter,
Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
anlässlich der Berlin-Tage des BNW.
Die neue Wettbewerbsfähigkeit
Der Verband steht mit seinen 700 Mitgliedern für über 200.000 Arbeitsplätze. Vom
industriellen Mittelstand über Großunternehmen bis hin zu Cleantech-Startups und
Social-Entrepreneurs ist der Verband das gelebte Beispiel für die Wirtschaft von
morgen. Anlässlich der Berlin-Tage ist der 11-köpfige, paritätisch besetzte
Vorstand des Verbandes in Berlin zusammengekommen.
Für einen wirtschaftlichen Aufbruch aus der Krise formuliert der BNW drei
Kernforderungen. Erstens Stopp der Delegitimierung der Modernisierung, zweitens
einen verlässlichen politischen Rahmen, der Investitionen anschiebt und drittens
faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmenden - die Benachteiligung
nachhaltiger Geschäftsmodelle muss aufhören.
"Das aktuelle Wirtschaftssystem bevorteilt fossile Herstellungsprozesse. Die
Folge sind Wettbewerbsnachteile für GreenTech-Unternehmen. Laut Boston
Consulting Group wird der weltweite Umsatz grüner Technologien in den nächsten
fünf Jahren um 40 % steigen. Wenn wir uns diese Wachstumschancen sichern wollen,
müssen wir anfangen, die strukturellen Nachteile nachhaltigen Wirtschaftens
abzubauen." - Aysel Osmanoglu, Vorständin GLS Gemeinschaftsbank eG
Politische Delegitimierung der Modernisierung beenden
Mit Blick auf die aktuelle klima- und wirtschaftspolitische Debatte kritisiert
der BNW, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit systematisch als Gegensatz zu
Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum inszeniert werden. Wenn gewählte
Amtsträger:innen das Klimaziel anzweifeln und über eine Verschiebung
diskutieren, hat das harte wirtschaftliche Konsequenzen. Die Nachfrage sinkt und
Unternehmen halten Investitionen zurück.
Besonders deutlich wird die verschobene Debatte aus Sicht des Verbandes bei
bereits etablierten Lösungen wie Wärmepumpen, Elektroautos sowie dem Ausbau von
Wind- und Solar. Insbesondere etablierte Technologien können hier und jetzt
einen Beitrag dazu leisten, Abhängigkeiten zu reduzieren und die Wirtschaft
resilienter aufzustellen.
"Die Wirtschaft ist weiter als die Politik denkt. Jedes dritte Unternehmen hat
bereits in Erneuerbare, Energieeffizienz oder Ressourceneffizienz investiert.
Das ist kein Nice-to-have, sondern sicherheitspolitisch relevant. Durch
Investitionen in Klimaschutz entstehen Infrastrukturen, die Importabhängigkeiten
reduzieren, Rohstoffe besser nutzen und Kreisläufe schließen. Diese
Wirtschaftsleistung gehört anerkannt und gefördert." - Sophia Eltrop, Vorständin
naturstrom AG
Investitionen absichern: Politische Verlässlichkeit stärken
Investitionen in nachhaltige Infrastruktur, Produktionsanlagen und Technologien
haben Amortisationszeiträume von zehn bis 30 Jahren. Unternehmen tätigen diese
nur, wenn der politische Rahmen stabil und vorhersehbar ist. Gerade deshalb sind
beschlossene CO2-Reduktionspfade, Energiestandards und Förderprogramme wichtige
Anhaltspunkte für unternehmerische Entscheidungen.
Eine Studie des WWF zeigt, dass allein durch die geplante Reform des EEG ein
prognostizierter Wertschöpfungsverlust von 757 Millionen Euro für Solarenergie
bzw. 17 Milliarden Euro für Windkraft bei bereits geplanten Projekten entstünde.
Auch mit Blick auf das GModG prognostizieren Studien einen möglichen Einbruch
des Wärmepumpenmarktes um 27 % sowie den Verlust von 36.000 Arbeitsplätzen bis
2030.
Der BNW fordert mit Blick auf die drohenden Verluste mehr politische
Verlässlichkeit. Einmal beschlossene Transformationspfade und regulatorische
Rahmenbedingungen sollten langfristig Bestand haben, damit Unternehmen die
notwendigen Investitionen mit ausreichender Planungssicherheit tätigen können.
Fehlanreize abbauen und fairen Wettbewerb ermöglichen
Der Grundstein für verlässliche Rahmenbedingungen ist eine konsequente
Weiterentwicklung der CO2-Bepreisung. Das Aussetzen des geplanten
CO2-Preisanstiegs im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) war daher ein
falsches Signal. Wir fordern die konsequente Umsetzung und kontinuierliche
Erhöhung eines sektorenübergreifenden CO2-Preises mit einem verbindlichen
Mindestpreis von mindestens 65 Euro pro Tonne. Zugleich muss sich die
Bundesregierung auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass der
EU-Emissionshandel (ETS I) nicht weiter verwässert wird und der ETS II wie
geplant eingeführt wird.
"Durch den Europäischen Emissionshandel (ETS I) sind die Emissionen um 51%
gesunken, die betroffenen Sektoren um 71% gewachsen. Der ETS bringt
Wirtschaftswachstum und Emissionsminderung zusammen - auf einer
marktwirtschaftlichen Basis. Dieser Pfad gehört planungssicher, transparent und
konsequent auf das Klimaziel ausgerichtet fortgesetzt." - Ruth von Heusinger,
Gründerin ForTomorrow gGmbH
Parallel dazu gilt es, die klimaschädlichen Subventionen im Bundeshaushalt
systematisch abzubauen. Trotz eines Prüfauftrages aus dem Jahr 2016, hat auch
das Klimaschutzprogramm 2026 keinen Fahrplan zur Reduktion fossiler
Abhängigkeiten im Bundeshaushalt präsentiert. Stattdessen ist durch die
Agrardieselrückvergütung und Senkung der Luftverkehrssteuer unter Schwarz-Rot
das Volumen klimaschädlicher Subventionen zuletzt gewachsen.
"Deutschland leistet sich jährlich 80 Milliarden an fossilen Importen. Durch die
Energiepreiskrise des Iran-Krieges dürften es dieses Jahr mehr als 100
Milliarden werden. Das Geld verpufft - auch weil über das Sondervermögen
Infrastruktur und Klimaschutz zu wenig in klimafreundliche Technologieträger und
Wirtschaftszweige investiert wird. Knapp jeder dritte Euro aus dem Klima- und
Transformationsfonds zahlt 2026 nicht auf das Klimaziel ein. In der jetzt
anstehenden Haushaltsdebatte für 2027 muss sich das ändern." - Alma Spribille,
Gründerin WEtell GmbH
Die gesamten Forderungen des BNW für die Neue Wettbewerbsfähigkeit sind im
gleichnamigen Positionspapier zu finden. (https://www.bnw-bundesverband.de/sites
/default/files/inline-files/BNW_Die%20neue%20Wettbewebsf%C3%A4higkeit.pdf)
Pressekontakt:
Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.
Joscha Frost
Pressereferent
mailto:presse@bnw-bundesverband.de
Tel.: +49 1525 673 54 66
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/154982/6301810
OTS: Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.
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