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Düsseldorf/Bad Neuenahr-Ahrweiler (ots) - Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im
Ahrtal ist die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland erstmals
wieder für zwei Tage in Bad Neuenahr zusammengekommen
(https://youtu.be/8Ru9Jd0xvyI) . Sie besuchte damit den Ort, in dem die
Landessynode der rheinischen Kirche von 1976 bis 2020 insgesamt 45-mal getagt
hatte und dabei ein wichtiger saisonaler Wirtschaftsfaktor für die Stadt war.
Die zweitägige Sitzung war auch als Zeichen der Solidarität mit den Menschen
gedacht, die das Synodenleben vor Ort über Jahrzehnte ermöglicht haben.
Die Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr, jahrzehntelang für die
Eröffnungsgottesdienste der Synodentagungen genutzt, ist noch immer geschlossen
und wartet auf ihre Sanierung. Wegen der geplanten großen Umgestaltung war ein
Bauantrag erforderlich. Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr
(https://evkirche-neuenahr.de/) hat ihn vor Jahresfrist eingereicht, rund 2,7
Millionen Euro an Fördergeldern sind bewilligt - aber eine Baugenehmigung liegt
bisher noch nicht vor. Ein Beispiel dafür, dass die Beseitigung der Flutschäden
einen langen Atem erfordert.
Fast 30 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe bewilligt
Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz (RLP) und Nordrhein-Westfalen (NRW) bisher
29,4 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe für die Instandsetzung kirchlicher
Gebäude auf rheinischem Kirchengebiet bewilligt. Mehr als die Hälfte der
Fördergelder ist auch bereits an die betroffenen Kirchengemeinden ausgezahlt
worden. 29 flutgeschädigte Gemeinden in NRW und drei in RLP hatten Anträge
gestellt. Entsprechend entfallen 26,5 Millionen Euro der Bewilligungen auf
NRW-Gemeinden und 2,8 Millionen Euro auf Gemeinden in RLP. Die höchste
Einzelförderung ging dabei an die Kirchengemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath
(https://www.evkirche-roesrath.de/) (Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch): Sie
erhielt rund sechs Millionen Euro für den Neubau der Kita Volberg (https://news.
ekir.de/meldungen/wiederaufbauhilfe-frohe-nachrichten-aus-volberg-36187) in
Rösrath. Über eine der aktuellsten Bewilligungen in Höhe von 1,9 Millionen Euro
kann sich nach langem Verfahren die Evangelische Kirchengemeinde Leichlingen
(https://www.kirche-leichlingen.de/) im Kirchenkreis Leverkusen freuen. Dort
wurden insgesamt acht Gebäude durch die über die Ufer getretene Wupper
beschädigt, darunter die Kirche und das benachbarte Gemeindezentrum.
Erinnerung und Gedenken nicht überall ein Bedürfnis
Aber Geld heilt längst nicht alle Wunden, das wurde auch beim Besuch der
Kirchenleitung in Bad Neuenahr wieder deutlich. Auf die Frage, ob es in der
Martin-Luther-Kirche nach der Sanierung noch ein Zeichen der Erinnerung geben
werde, antwortete Baukirchmeister Harmen Eckert zurückhaltend: "Es gibt in Bad
Neuenahr viele, die alles weghaben wollen, was sie an die Flut erinnert." Auch
die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag ist keineswegs allen ein
Bedürfnis. Und der gerade neu ins Amt gewählte Gemeindepfarrer Sung Kwon Kim
beschrieb die Stimmung in der Gemeinde so: "An Tauffeste an der Ahr ist momentan
nicht zu denken. Und Psalmen, in denen das Wort Flut auftaucht oder die
lebensspendende Kraft des Wassers beschrieben wird, sind schwierig." Selbst die
Jahreslosung 2026 ("Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!") traf nicht
überall auf Wohlwollen, wie Prädikantin und Presbyterin Jana Seifert zu
berichten wusste: "Eine Frau in der Frauenhilfe hat gesagt: Ich habe nicht
gedacht, noch mal alles neu machen zu müssen." Aber Seifert hat auch ökumenische
Solidarität erfahren: Weil die Martin-Luther-Kirche noch immer gesperrt ist,
wurde in diesem Jahr Konfirmation in der katholischen Kirche in
Grafschaft-Lantershofen gefeiert.
Gesellschaftliche Relevanz von Kirche erlebt
Mit Claudia Müller-Bück (Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel) und Rolf Stahl
(Kirchenkreis Koblenz) fassten auch zwei Superintendent*innen aus betroffenen
Kirchenkreisen vor der Kirchenleitung ihre in fünf Jahren gesammelten Eindrücke
zusammen. "Die Flut hat gezeigt: Kirche hat weiterhin Relevanz für die
Gesellschaft", sagte Müller-Bück. "Wir haben große Hilfe erfahren. Und uns ist
die Vernetzung der Helfenden vor Ort gelungen." Die Menschen im Ahrtal hätten
seit der Flut eine andere Identität als außerhalb, ist ihr Amtskollege Stahl
überzeugt. Und er berichtete bei aller Hilfsbereitschaft zugleich von der
Erfahrung, dass Hilfe bisweilen auch als übergriffig erlebt wurde. "Fünf Jahre
sind lang und kurz: Man sieht die Wunden noch deutlich. Und vieles ist nicht
mehr, wie es mal war - und wird es auch nicht wieder sein. In der Psyche der
Menschen ist noch vieles ganz frisch." Eine Konsequenz aus den Erfahrungen ist
für Claudia Müller-Bück, dass die Resilienz von Pfarrerinnen und Pfarrern und
anderen Mitarbeitenden weiter gestärkt werden muss. "Denn uns wird ein großer
Vertrauensvorschuss entgegengebracht."
Stichwort: Gedenkfeier im Landtag
Mit einer Gedenkfeier im NRW-Landtag in Düsseldorf wird am 14. Juli an die Opfer
der Flutkatastrophe vor fünf Jahren erinnert. Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier wird ebenso Gedenkworte sprechen wie Ministerpräsident Hendrik Wüst
und Landtagspräsident André Kuper (beide CDU). Außerdem hält Superintendentin
Claudia Müller-Bück (Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel) eine Ansprache. In
Rheinland-Pfalz starben bei der Flut 136 Menschen, fast alle im Ahrtal. In
Nordrhein-Westfalen gab es 49 Tote.
Autor: Ekkehard Rüger
Hinweis an die Redaktionen: Zwei Vorher-nachher-Bilder von der Telegrafenstraße
(https://mediencenter.ekir.de/pages/view.php?ref=94635&k=0e18d9495c) und der
Martin-Luther-Kirche
(https://mediencenter.ekir.de/pages/view.php?ref=94634&k=910b5b1c8a) in Bad
Neuenahr bieten wir im Download zur freien redaktionellen Verwendung an, ebenso
ein Vorher-nachher-Schieberbild von der Telegrafenstraße, das Sie bei Bedarf
über den unten stehenden Embed-Code auf Ihrer Webseite einbauen können. Bitte
beachten Sie dabei jeweils den Copyright-Hinweis EKiR/Marcel Kuß.
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