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Hamburg (ots) -
- Bürokratieaufwand wächst mit jeder Reform
- Beitragssatzstabilisierungsgesetz verschärft den Dokumentationsaufwand
- Alle Ärzt:innen betroffen - gleichermaßen in Klinik und Praxis
Seit Jahren wird beklagt, dass deutsche Klinikärzt:innen im Durchschnitt 44
Prozent ihrer Arbeitszeit für Bürokratie und Dokumentation aufwenden. Rein
rechnerisch kümmern sie sich damit ab dem 24. Juli nicht mehr um Patient:innen,
sondern ausschließlich um Dokumentation und Dateneingaben. Pflegekräfte haben
einen Monat länger Schonfrist: Für sie beginnt der "Docu Day" erst am 22.
August. Doch auch in der Pflege verdrängt die Bürokratie die Arbeit an den
Menschen. Die jüngsten Reformen versprechen keine Entlastung - im Gegenteil: Sie
erhöhen den Aufwand weiter. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte den
Bürokratieabbau zwar zu einem zentralen Ziel ihrer Amtszeit erklärt. Das
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht jedoch beispielsweise eine
"Anpassung" und damit faktisch eine Anhebung der Prüfquoten des Medizinischen
Dienstes vor.
"Seit Jahren wird Bürokratieabbau versprochen - doch mit dem
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird erneut das Gegenteil beschlossen:
mehr Prüfungen, mehr Nachweise, mehr Dokumentation. Das ist kaum noch
vermittelbar", sagt Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken. "Einerseits wird
der Fachkräftemangel zur größten Herausforderung des Gesundheitswesens erklärt,
andererseits verbringen Klinikärzt:innen 44 Prozent ihrer Arbeitszeit am
Schreibtisch statt bei ihren Patient:innen. Dieser Widerspruch kommt einem
politischen Offenbarungseid gleich. Wer Fachkräfte sucht und sie gleichzeitig
mit immer neuen Dokumentationspflichten von der Versorgung abhält, organisiert
den Mangel selbst - und gefährdet damit sehenden Auges die Patientenversorgung."
Bereits vor einigen Jahren hatten die Asklepios Kliniken dazu eine Studie
veröffentlicht. Damals gaben 85 Prozent der Stationsärzt:innen und rund 68
Prozent der leitenden Ärzt:innen an, sich durch den Dokumentationsaufwand
frustriert zu fühlen. 93 Prozent der Klinikärzt:innen empfanden die Bürokratie
als Ausdruck einer Misstrauenskultur zulasten der Patient:innen. 79 Prozent
berichteten zudem, dass der Dokumentationsaufwand in den vorangegangenen fünf
Jahren deutlich zugenommen habe. Zu diesen Ergebnissen kam eine von den
Asklepios Kliniken beauftragte Online-Befragung von 200 Klinikärzt:innen über
DocCheck.
Der Protest gegen die überbordende Bürokratie wird inzwischen immer lauter.
Große Krankenhaus- und Ärzteverbände, regionale Krankenhausgesellschaften sowie
gemeinsame Bündnisse von Kliniken und Praxen haben sich hierzu deutlich zu Wort
gemeldet. Im Juni 2026 forderten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und
die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Bundesregierung gemeinsam auf,
den versprochenen Bürokratieabbau im Gesundheitswesen endlich anzugehen. Das
Ausmaß der Bürokratie sprenge "alle Grenzen des Vertretbaren". Die
Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) demonstrierte 2025 mit einer
eindrucksvollen "Papierwelle" vor dem Rathaus in Hannover und wies darauf hin,
dass im Durchschnitt drei Stunden täglich für Dokumentationspflichten
aufgewendet werden. Auch weitere regionale Krankenhausverbände und
Landeskrankenhausgesellschaften äußerten sich ähnlich kritisch und legten
konkrete Vorschläge zur Entbürokratisierung vor.
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