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Losheim am See (ots) - Zugegeben: Ein Termin zur Hauptuntersuchung (HU) sorgt
bei vielen Autofahrern für ein leichtes Kribbeln im Bauch. Fast wie vor einer
Schulprüfung.Eigentlich sollte alles passen. Trotzdem bleiben kleine Zweifel.
Und manchmal behält das Bauchgefühl recht. Dann endet der Besuch nicht mit der
ersehnten Plakette, sondern mit einem Mängelbericht. Wie oft das passiert, zeigt
ein Blick in die aktuellen Zahlen. Im vergangenen Jahr führte die KÜS rund 3,25
Millionen Hauptuntersuchungen durch. An 2,07 Millionen Fahrzeugen wurden keine
Mängel erkannt. Bei 1,18 Millionen wurden geringe Mängel (GM), erhebliche Mängel
(EM), verkehrsgefährdende Mängel (VM) erkannt oder das Fahrzeug als
verkehrsunsicher (VU) beurteilt. Der kleine bunte Aufkleber wanderte, je nach
Untersuchungsergebnis, vorerst nicht aufs Kennzeichen. "Wer so viele Fahrzeuge
prüft, erkennt sehr schnell Muster", sagt Johannes Kautenburger,
Fachbereichsleiter für Qualitätssicherung bei der KÜS. Die Auswertung von 2025
zeigt: Über 60 Prozent aller Mängel entfallen auf nur drei Bereiche. An der
Spitze stehen die lichttechnischen Einrichtungen mit etwa einem Viertel aller
Beanstandungen. Danach folgen Achsen, Räder und Reifen mit rund 20 Prozent.
Genauso häufig ist die Mängelgruppe Bremsanlage betroffen. "Viele Fahrzeughalter
vermuten komplizierte Defekte hinter einer nicht bestandenen HU. Tatsächlich
liegen die Ursachen oft in Bereichen, die man mit wenig Aufwand teilweise selbst
kontrollieren kann", erklärt Kautenburger. Anders gesagt: Wer rechtzeitig
hinschaut, spart Zeit, zusätzliche Kosten und schont die Nerven.
20-Minuten-Check gegen böse Überraschungen
Dass die Beleuchtung in der Statistik ganz oben steht, überrascht vielleicht.
Aber schon kleine Defekte fallen bei der HU ins Gewicht: ein ausgefallenes
Leuchtmittel, falsch eingestellte Scheinwerfer oder beschädigte LED-Elemente.
Ein kurzer Rundgang um das Fahrzeug schafft hier oft schon Klarheit. "Die
Beleuchtung ist ein typisches Beispiel für einen Mangel, der oft vermeidbar
wäre", sagt Kautenburger. Ein schneller Vorabcheck dauert nur ein paar Minuten.
Geprüft werden sollten Abblend- und Fernlicht, Fahrtrichtungsanzeiger,
Bremsleuchten, Schlusslichter, Nebelschlussleuchte und Kennzeichenbeleuchtung.
Auch die Ausrichtung der Scheinwerfer lässt sich grob einschätzen. Vor einer
Wand zeigt sich, ob eine vorgeschriebene Hell-Dunkel-Grenze zu erkennen ist oder
ein Scheinwerfer "die Baumwipfel ausleuchtet". Bei modernen Fahrzeugen meldet
das Bordmenü vieles. Alles erkennt es aber nicht. Gerade LED-Systeme können
tückisch sein. Ein einzelnes Segment bleibt dunkel, während der Rest noch
funktioniert. Bei der HU gilt das bereits als Mangel. Eine weitere Gruppe fällt
in der Statistik stark ins Gewicht: Achsen, Räder und Reifen. Fast jeder fünfte
festgestellte Mangel fällt in diesen Bereich. Dabei muss niemand mit der
Taschenlampe unter das Auto kriechen, um das Lager einer Koppelstange zu
beurteilen. Viele Auffälligkeiten an den Reifen sind schon in der Hofeinfahrt
erkennbar. Zunächst zählt die Profiltiefe: Gesetzlich vorgeschrieben sind
mindestens 1,6 Millimeter. Empfehlenswert sind etwa drei Millimeter bei
Sommerreifen und vier bei Winterreifen. Ebenso wichtig sind sichtbare Schäden.
Schnitte, Beulen oder Risse sollten nicht auf die leichte Schulter genommen
werden. Auch das Verschleißbild verrät viel. Nutzt sich die Lauffläche
ungleichmäßig ab, kann das auf Probleme bei Spur, Fahrwerk, Luftdruck oder
Dämpfung hinweisen.
Vorher hinschauen lohnt sich
Bei der Sicherheit spielt die Bremsanlage eine zentrale Rolle. Für Laien ist
hier nicht alles auf den ersten Blick zu erkennen. Einige Warnzeichen gibt es
aber: Das Bremspedal sollte einen klaren Druckpunkt haben. Spürbare Vibrationen
können auf verschlissene oder verzogene Bremsscheiben hindeuten. Auch die
Feststellbremse verdient Aufmerksamkeit: Ihre nicht ausreichende Wirkung führt
sogar die Liste der einzelnen erheblichen Mängel an. Dieser Punkt wurde 38.000
Mal dokumentiert. Ein einfacher Test gibt erste Hinweise: Hält das Fahrzeug
sicher an einer Steigung? Lässt es sich bei angezogener Bremse noch bewegen?
Solche Beobachtungen ersetzen keine Werkstattprüfung. Sie zeigen aber, ob
genauer hingeschaut werden sollte. Bei den einzelnen erheblichen Mängeln folgt
auf die Feststellbremse der Ölverlust am Motor. Rund 36.000 Mal stand
"Umweltbelastung: Motor undicht - Ölverlust mit Abtropfen" in den Prüfberichten.
Insgesamt liegt die Mängelgruppe Umweltbelastung mit 17 Prozent auf Rang vier
der KÜS-Statistik.
Ein Blick unter das Fahrzeug gibt schnell Aufschluss: Frische Tropfen, feuchte
Stellen oder ölige Spuren sind klare Warnzeichen. Wird dann die Plakette wegen
eines Mangels nicht zugeteilt, läuft eine klare Frist. Die festgestellten Mängel
müssen unverzüglich behoben werden. Lediglich der Nachweis über die Beseitigung
der Mängel darf bis zu einem Monat in Anspruch nehmen, um eine Nachkontrolle
machen zu lassen. Danach ist eine neue Hauptuntersuchung verpflichtend.
Insgesamt sind es eher wenige Punkte, die im Vorfeld einer Hauptuntersuchung
durch den Laien überprüft werden können. Eine vollwertige HU ersetzt diese
Überprüfung zwar nicht. Aber: Wer genau hinschaut, kann dem HU-Termin ruhig
entgegensehen - und entgegenfahren.
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