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Berlin (ots) - TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026: Mängelquote verharrt auf hohem
Niveau. Schwere Lkw schneiden erneut am schlechtesten ab. Ölverlust,
Beleuchtungsmängel und Fahrwerksprobleme treten am häufigsten auf.
Elektro-Transporter zeigen Licht und Schatten. Erstes Fahrzeug eines
chinesischen Herstellers im Report zeigt zahlreiche Mängel.
Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug (20,3 Prozent) ist in den vergangenen zwei Jahren
mit "erheblichen" oder "gefährlichen Mängeln" bei der Hauptuntersuchung (HU)
durchgefallen. Das ist ein Ergebnis des "TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026". Im
Vergleich zum Vorjahresreport ist die Mängelquote leicht um 0,1 Prozentpunkt
gesunken. Grundlage des Reports ist eine Auswertung von rund 2,4 Millionen
Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw in den Jahren
2024 und 2025, die von den TÜV-Organisationen durchgeführt wurden. "Die
Mängelquoten von Nutzfahrzeugen stagnieren auf einem hohen Niveau", sagt Richard
Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, im Vorfeld
der Branchenmesse "IAA Transportation". "Technische Mängel sind eine Gefahr für
die Verkehrssicherheit. Daher sind Wartung, Pflege und unabhängige Prüfungen im
betrieblichen Alltag von Transportunternehmen, Handwerksbetrieben und Versorgern
unabdingbar." Besonders häufig stellten die TÜV-Sachverständigen Defekte an der
Beleuchtung, Ölverlust an Motor oder Antrieb sowie Mängel an den
Achsaufhängungen fest.
Laut dem aktuellen Report haben schwere Lkw größer 18 Tonnen mit 21,8 Prozent
die höchste Mängelquote der verschiedenen Gewichtsklassen (Vorjahr: 21,9
Prozent). "Bei den schweren Lkw macht sich auch die Zurückhaltung bei den
Neuanschaffungen in den vergangenen Jahren bemerkbar", sagt Goebelt. "Die
schwache Konjunktur und die Unsicherheiten rund um die Antriebswende haben dazu
beigetragen, dass Fahrzeuge länger im Bestand bleiben. Damit steigt der
Verschleiß, Wartung und Instandhaltung werden wichtiger." Die Mängelquoten
steigen mit dem Alter an und erreichen bei den Schwergewichten 28,5 Prozent bei
10 Jahre alten Fahrzeugen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes liegt das
Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen aktuell bei 8,9 Jahren, ein Jahr mehr als
noch vor zehn Jahren. Es folgen die leichten Transporter bis 3,5 Tonnen mit
einer Mängelquote von 21,5 Prozent (Vorjahr: 21,5 Prozent). "Transporter werden
im Lieferverkehr und von Handwerksbetrieben stark beansprucht. Entsprechend hoch
ist der Verschleiß", sagt Goebelt. Leicht unter dem Durchschnitt liegen
Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 bis 7,5 Tonnen. Bei 19,8 Prozent der
Fahrzeuge sind erhebliche Mängel festgestellt worden (Vorjahr: 20,0 Prozent). Am
besten schneiden mittelschwere Lkw (7,5 bis 18 Tonnen) mit einer Mängelquote von
16,3 Prozent ab (Vorjahr: 16,5 Prozent). "Mittelschwere Lkw sind viel im
Zulieferverkehr tätig, kehren täglich in ihre Depots zurück und verfügen häufig
über feste Fahrer, die den Zustand der Fahrzeuge im Blick haben", sagt Goebelt.
Das mache sich bei der HU bemerkbar.
Elektro-Transporter mit guten und schlechten HU-Ergebnissen
Erstmals sind drei Elektro-Transporter in der Klasse bis 3,5 Tonnen im
TÜV-Report Nutzfahrzeuge vertreten. Der Peugeot E-Expert belegt im Ranking der 1
bis 2 Jahre alten Fahrzeuge mit einer Mängelquote von 8,4 Prozent einen guten
fünften Platz. Dagegen erreicht der Mercedes E-Vito mit 19,7 Prozent nur den
vorletzten Platz unter 27 Transportern. Auffällig sind bei diesem Modell vor
allem überdurchschnittlich viele Mängel an der Feststellbremse, den
Antriebswellen und am Abblendlicht. Im Ranking der 3 bis 4 Jahre alten Fahrzeuge
bildet der Streetscooter (B14/B16) mit 26,4 Prozent Mängelquote das
Schlusslicht. Der einst als Pionier der Antriebswende gestartete Streetscooter
wird inzwischen nicht mehr produziert. Bei der HU ziehen sich hohe Mängelwerte
durch alle Komponenten wie Bremsen, Fahrwerk und Licht. "Für eine Bewertung der
technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die
Ergebnisse noch nicht aus", sagt Goebelt. "Im Pkw-Bereich zeigen E-Autos bei der
HU die volle Bandbreite, von sehr gut über durchschnittlich bis zu schlecht."
Erster Transporter aus chinesischer Produktion wird mit Abstand Schlusslicht
Mit dem Maxus Deliver 9 des Automobilkonzerns SAIC Motors ist zum ersten Mal
auch ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung. Gut jeder
dritte (33,6 Prozent) der 1 bis 2 Jahre alte Deliver 9 fällt bei der
Hauptuntersuchung durch. "Das ist in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert",
sagt Goebelt. Besonders sicherheitskritisch sind die überdurchschnittlich häufig
auftretenden Mängel an der Bremsanlage. Deutlich über dem Schnitt liegen auch
Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung. Der Großteil der Mängel entfällt aber
auf die Beleuchtung. Das Fahrwerk ist bei der HU unauffällig. "Der TÜV-Report
dient auch als Frühwarnsystem für die Hersteller", sagt Goebelt. "Sie können die
Erkenntnisse nutzen, um die Langlebigkeit und die technische Sicherheit ihrer
Fahrzeuge zu verbessern."
Typische Schwachstellen bei der HU von Nutzfahrzeugen sind Ölfeuchte und
Ölverlust, die mit dem Alter der Fahrzeuge zunehmen. 5,2 Prozent der fünf Jahre
alten Fahrzeuge und 8 Prozent der zehnjährigen werden beanstandet. "Austretendes
Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken",
sagt Goebelt. Besonders häufig werden Mängel an der Beleuchtung beanstandet. Die
Mängelquote der hinteren Beleuchtung liegt nach fünf Jahren bei 6,7 Prozent und
nach zehn Jahren 11,3 Prozent. "Beleuchtungsmängel sind ein häufig
unterschätztes Risiko", sagt Goebelt. "Sehen und gesehen werden ist für die
Verkehrssicherheit essenziell. Mit regelmäßigen Kontrollen der Halter und
Flottenbetreiber ließen sich viele dieser Mängel deutlich reduzieren." Ein
ähnlicher Alterseffekt zeigt sich auch am Fahrwerk bei den Achsaufhängungen. Die
Mängelquote erhöht sich von 1,5 Prozent bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 5,0
Prozent bei zehnjährigen. "Schäden an der Achsaufhängung können die
Fahrstabilität beeinträchtigen und im Extremfall dazu führen, dass Fahrer:innen
die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren", sagt Goebelt.
Antriebswende kommt bei Nutzfahrzeugen voran
Laut KBA-Angaben ist der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland zum 1.1.2026 wieder
leicht um 1,8 Prozent auf 3,9 Millionen gestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2017
liegt der Anstieg sogar bei 34 Prozent. Das Wachstum geht zu großen Teilen auf
leichte Nutzfahrzeuge zurück, die mit dem steigenden Bedarf im Liefer- und
Paketverkehr zulegen. Aber auch der Bestand der mittleren und schweren Lkw
größer 7,5 Tonnen wächst in diesem Zeitraum um 6 Prozent. "Ähnlich wie bei Pkw
vollzieht sich auch bei Nutzfahrzeugen die Antriebswende", sagt Goebelt. Von
Januar bis Juli 2026 lag der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den
Neuzulassungen bei 13 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 8,7 Prozent.
"Beginnend mit den leichten Transportern erweitern die Hersteller ihre
elektrische Modellpalette schrittweise auf mittlere und schwere Lkw", sagt
Goebelt. "In der Praxis ist neben den noch deutlich höheren Anschaffungspreisen
im Vergleich zu Verbrennern vor allem der Ausbau der Ladeinfrastruktur ein
Hindernis für einen schnelleren Umstieg." Ein neues Förderprogramm des
Verkehrsministeriums stellt eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Ausrüstung
von Fuhrparkdepots und Megawatt-Ladern an Raststätten zu beschleunigen. "Die
steuerlichen Anreize für Elektro-Nutzfahrzeuge sollten verstetigt und die
Mautbefreiung über das Jahr 2031 hinaus verlängert werden, um den
Flottenbetreibern Planungssicherheit zu geben", sagt Goebelt. Ein
regulatorisches Problem sind die Gewichts- und Achslastvorgaben für schwere
Elektro-Lkw. Diese reichen in vielen Fällen nicht aus, um das Gewicht der
Antriebsbatterien vollständig zu kompensieren. Goebelt: "Hier muss der
Gesetzgeber handeln, um diese Regelungslücke zu schließen."
Elektrifizierung und Digitalisierung: Hauptuntersuchung modernisieren
Die Transformation der Nutzfahrzeugbranche geht aus Sicht des TÜV-Verbands weit
über den Antrieb hinaus. "Die Fahrzeuge werden elektrisch, zunehmend
softwaredefiniert und mit immer mehr Assistenzfunktionen für das automatisierte
Fahren ausgestattet", sagt Goebelt. "Damit verändert sich auch die
Hauptuntersuchung. Ein Nutzfahrzeug muss nicht nur sicher auf die Straße kommen.
Es muss nach Reparaturen und Software-Updates auch nach vielen Jahren noch
unabhängig prüfbar sein." Für eine zeitgemäße HU fordert der TÜV-Verband eine
Erweiterung des Prüfumfangs der Antriebsbatterien und den Zugang zu den
Batteriedaten, um strukturelle Mängel erkennen zu können. Ein erweiterter
Datenzugang ist auch für eine Funktions- und Wirkungsprüfung von
Assistenzsystemen über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge notwendig. Dabei
kann auch der korrekte Software-Stand überprüft werden, um Fehler und
Manipulationen zu erkennen. "Das Roadworthiness Package der EU bietet die
Chance, die HU an die Erfordernisse von Elektroantrieben, Software-Steuerungen
und automatisierten Fahrfunktionen anzupassen", sagt Goebelt. "Die
Bundesregierung sollte diesen Prozess im Interesse der Verkehrssicherheit
konstruktiv begleiten."
Der vollständige TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 ist abrufbar unter:
https://ots.de/dZNeEU
Methodik-Hinweis: Für den "TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026" sind vom TÜV-Verband
rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2024 und 2025 ausgewertet
worden. Die Ergebnisse werden für vier Gewichtsklassen dargestellt: von leichten
Transportern bis 3,5 Tonnen über leichte Lkw mit 3,5 bis 7,5 Tonnen und
mittelschwere Lkw mit 7,5 bis 18 Tonnen bis zu schweren Lkw ab 18 Tonnen.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
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