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München (ots) -
- Resilienz wird zur Kernaufgabe: 81 Prozent der 486 befragten Fachleute
erwarten, dass die Widerstandsfähigkeit von Gesundheitssystemen weiter an
Bedeutung gewinnt. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und geopolitische
Konflikte gelten als größte Belastungen - zugleich fühlen sich die Systeme
gerade darauf besonders schlecht vorbereitet.
- Prävention schlägt Krisenmodus: 73 Prozent sprechen sich dafür aus, stärker in
Vorsorge und Widerstandsfähigkeit zu investieren, statt Kosten zu begrenzen
und erst im Ernstfall zu reagieren. Gleichzeitig sehen 54 Prozent knappe
Budgets und 47 Prozent regulatorische Hürden als größte Hindernisse.
- Umsetzung bleibt lückenhaft: Zwar setzen 48 Prozent auf strukturierte Planung
und Risikobewertung, 43 Prozent auf Digitalisierung, Automatisierung und
künstliche Intelligenz. Doch nur 22 Prozent vergleichen ihre
Widerstandsfähigkeit systematisch mit anderen Organisationen.
Gesundheitssysteme weltweit geraten unter wachsenden Druck - durch alternde
Gesellschaften, fehlendes Personal, geopolitische Konflikte, Cyberangriffe und
Klimafolgen. Die achte Ausgabe der Roland-Berger-Studienreihe "Future of Health"
zeigt: Die Dringlichkeit ist erkannt, doch zwischen Problembewusstsein und
tatsächlicher Vorsorge klafft eine erhebliche Lücke. Für die Studie wurden 486
Fachleute aus Politik, Kostenträgern, Versorgung sowie Pharma- und
Medizintechnikunternehmen international befragt.
Größte Risiken treffen auf die geringste Vorbereitung
81 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Widerstandsfähigkeit von
Gesundheitssystemen künftig wichtiger wird. In Deutschland liegt der Anteil
sogar bei 86 Prozent, in der Schweiz bei 79 Prozent und in Japan bei 60 Prozent.
Besonders kritisch: Ausgerechnet bei den als besonders schwerwiegend
eingestuften Belastungen - demografischer Wandel, Fachkräftemangel und
geopolitische Konflikte - wird die eigene Vorbereitung am schwächsten bewertet.
Kein einziger Befragter hält sein Gesundheitssystem für vollständig gerüstet, um
geopolitisch bedingte Störungen zu bewältigen.
Die Bereitschaft, in Vorsorge zu investieren, ist dennoch hoch: 73 Prozent
stellen Widerstandsfähigkeit vor kurzfristige Bezahlbarkeit. Regional zeigen
sich deutliche Unterschiede. In den USA befürworten 84 Prozent diesen Kurs, in
Europa 78 Prozent und in Asien 75 Prozent. Im Nahen Osten sind es dagegen nur 42
Prozent; dort priorisieren 58 Prozent die Bezahlbarkeit. Auch bei der
Verantwortung gibt es Spannungen: 60 Prozent sehen vor allem öffentliche
Institutionen in der Pflicht. Für die praktische Umsetzung werden jedoch
Krankenhäuser und andere Leistungserbringer mit 62 Prozent am häufigsten als
zentrale Akteure genannt, knapp vor nationalen Regierungen mit 59 Prozent.
"Widerstandsfähigkeit darf kein Schalter sein, den Gesundheitssysteme erst in
der Krise umlegen. Sie muss im Alltag fest verankert, klar finanziert und
eindeutig verantwortet werden. Wer Reservekapazitäten, sichere Lieferketten und
digitale Frühwarnsysteme erst aufbaut, wenn die Versorgung bereits unter Druck
steht, handelt zu spät", sagt Thilo Kaltenbach, Senior Partner bei Roland
Berger.
Budgets bremsen - Digitalisierung wird zum Hebel
In den Organisationen scheitert der Aufbau belastbarer Strukturen vor allem an
fehlenden Mitteln und ungünstigen Rahmenbedingungen. 54 Prozent nennen
Budgetbeschränkungen als größte Hürde, 47 Prozent regulatorische oder politische
Barrieren. Dahinter folgen fehlende Anreize für Investitionen in
Widerstandsfähigkeit mit 41 Prozent und mangelnde Ressourcen mit 37 Prozent. Das
Grundproblem: Vergütungssysteme belohnen Behandlungen und Auslastung, nicht aber
freie Betten, Vorräte oder kurzfristig mobilisierbares Personal.
Viele Organisationen reagieren bereits: 48 Prozent haben strukturierte Planung
und Risikobewertung eingeführt oder vorgesehen, 43 Prozent investieren in
Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz, 38 Prozent suchen
den engeren Austausch mit Behörden und Regierungen. Gleichzeitig zeigt der
geringe Anteil von 22 Prozent beim Vergleich mit anderen Organisationen, dass
belastbare Maßstäbe und Transparenz noch fehlen. Dabei können interoperable
Daten, digitale Frühwarnsysteme und vorausschauende Analysen Engpässe früher
sichtbar machen, Personal flexibler steuern und Lieferketten stabilisieren.
Die Studie zeigt abschließend, wie Gesundheitssysteme Krisen besser bewältigen
und daraus lernen können. Entscheidend sind verlässliche Strukturen, die eine
schnelle Reaktion ermöglichen und zugleich die Versorgung sichern. Dafür müssen
Zuständigkeiten klar geregelt und Mittel dauerhaft eingeplant sein. Regierungen
schaffen mit verbindlichen Standards und einer gesicherten Finanzierung den
Rahmen. Krankenhäuser verankern Widerstandsfähigkeit in ihrer täglichen
Steuerung, während Versicherer die Prävention und den Datenaustausch fördern.
Pharma- und Medizintechnikunternehmen tragen dazu bei, kritische Produktions-
und Lieferkapazitäten zu sichern.
Über die Studie
Für die achte Ausgabe der Studienreihe "Future of Health" analysierte Roland
Berger akute Schocks und langfristige Belastungen für Gesundheitssysteme,
verglich internationale Ansätze und befragte 486 Fachleute entlang der gesamten
Gesundheitswirtschaft.
Über Roland Berger
Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen
Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit
umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und
Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München,
unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung
komplexer Transformationen - von strategischer Neuausrichtung über
Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter,
KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit
Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets
Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen
jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen
Umsatz von über einer Milliarde Euro.
Pressekontakt:
Philipp Topitsch
Corporate Communications & PR
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OTS: Roland Berger
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