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Bonn (ots) - Die jüngsten Preisexplosionen an den Zapfsäulen treffen nicht nur
Autofahrer. Für die Logistikbranche entwickeln sie sich zunehmend zu einem
strukturellen Margenrisiko. Denn Treibstoff ist kein Randkostenfaktor - er ist
zentraler Bestandteil der Kostenbasis. Viele Logistiker gehen davon aus, dass
sie über Dieselzuschläge ausreichend abgesichert sind, tatsächlich sind sie es
oft nicht. Kornelia Reifenberg, Sven Wengler und Jan Mahlstein von der globalen
Strategieberatung Simon-Kucher ordnen ein, warum Dieselzuschläge ihre
Schutzfunktion vielerorts nicht mehr erfüllen - und was das strategisch
bedeutet.
Im Straßengüterverkehr entfallen rund 25 Prozent der operativen Kosten auf
Kraftstoff, während Margen häufig unter fünf Prozent liegen. Schon moderate
Preisbewegungen können diese Balance verschieben - starke Ausschläge bringen sie
ins Wanken.
Aktuelle Marktdaten zeigen, wie schnell aus Volatilität ein Ergebnisproblem
wird: Innerhalb von neun Wochen stieg der durchschnittliche Dieselpreis in
Europa um rund 31 Prozent. Wird ein solcher Anstieg nicht zeitnah weitergegeben,
tragen Logistikunternehmen das Kostenrisiko vollständig selbst. Selbst
profitables Geschäft kann so innerhalb kürzester Zeit in die Verlustzone kippen.
Nicht die Volatilität ist das Problem - sondern die Lücke in der Preislogik
Entscheidend ist nicht die Preisbewegung selbst, sondern die Fähigkeit, sie
zeitnah und vollständig in die eigene Preislogik zu übersetzen. In stabileren
Marktphasen fallen solche Schwächen kaum ins Gewicht. In volatilen Phasen werden
sie zum Margenrisiko. Denn: Zu häufig basieren Dieselzuschläge auf festen
Tabellen, die der Marktentwicklung hinterherlaufen. Anpassungen erfolgen zu
selten, etwa quartalsweise, oder auf Basis rückwärtsgerichteter Referenzwerte.
In vielen Verträgen liegen Anpassungsmechaniken mehrere Wochen hinter der realen
Preisentwicklung - genau in dieser Zeit entsteht das Ergebnisrisiko. Der
Dieselfloater existiert in diesen Fällen zwar formal, erfüllt seine
wirtschaftliche Funktion jedoch nur eingeschränkt. Viele Floater sind heute
keine Absicherung mehr, sondern Scheinsicherheit mit Zeitverzug.
Vom Kostenfaktor zum strategischen Pricing-Hebel
Damit verschiebt sich die Rolle des Themas grundlegend. Diesel ist nicht länger
ein durchlaufender Kostenblock, der technisch weitergereicht wird. Er wird zum
aktiven Bestandteil der Preisstrategie. Die Ausgestaltung von Floater-Modellen
entwickelt sich damit zur zentralen kommerziellen Stellschraube - für
Margensicherung, Steuerbarkeit und Risikokontrolle. Robuste Ansätze zeichnen
sich durch drei Elemente aus: erstens durch eine hohe Aktualität und Frequenz
der Anpassung, zweitens durch klare, marktnah definierte Referenzgrößen und
drittens durch transparente, nachvollziehbare Mechaniken.
Doch selbst gut konzipierte Modelle entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie
konsequent umgesetzt werden. Genau daran scheitern viele Logistiker: Die
Überführung neuer Logiken in bestehende Kundenverträge erfordert eine
strukturierte Migrations- und Verhandlungsstrategie. Ohne diese bleibt selbst
das beste Modell theoretisch.
Gleichzeitig entsteht hier ein oft unterschätzter Vorteil: Standardisierte,
flächendeckend eingesetzte Floater erhöhen nicht nur die Margenstabilität,
sondern verbessern auch die Steuerbarkeit der gesamten Preisarchitektur. In
volatilen Märkten wird Standardisierung damit zum strategischen Asset.
Volatilität ist kein Ausnahmezustand mehr
Sie ist Ausdruck eines strukturell volatileren Umfelds - getrieben durch
geopolitische Risiken, regulatorische Eingriffe und sich verändernde
Energiemärkte. Kurzfristige Reaktionen reichen nicht mehr aus.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Dieselpreise steigen oder fallen. Die
eigentliche Frage ist, ob Logistikunternehmen ihre Preismechanik so aufstellen,
dass sie mit dieser Volatilität systematisch umgehen können.
Die Führungsfrage: Reagieren oder steuern?
Viele Unternehmen behandeln Dieselzuschläge noch immer wie einen administrativen
Vertragsbaustein. Genau darin liegt das Problem. Wer weiterhin auf träge oder
unzureichend kalibrierte Modelle setzt, bleibt wiederkehrenden Margenrisiken
ausgesetzt. Wer seine Preislogik aktiv steuert, kann Kosten weitergeben, Margen
stabilisieren und seine kommerzielle Resilienz stärken.
Dieselpreisbewegungen werden häufig unterschätzt - nicht in ihrer Höhe, sondern
in ihrer Wirkung auf das Ergebnis. In vielen Fällen entwickelt sich Treibstoff
vom durchlaufenden Posten zum direkten Margentreiber. Der entscheidende Hebel
liegt daher nicht in kurzfristigen Nachverhandlungen, sondern in klar
definierten, robusten und marktnahen Floater-Modellen. Nicht Dieselpreise
unterscheiden künftig Gewinner und Verlierer - sondern die Fähigkeit, sie
kommerziell zu steuern.
Kornelia Reifenberg ist Partnerin bei Simon-Kucher in Bonn. Seit mehr als 28
Jahren unterstützt sie Logistikunternehmen weltweit bei der Optimierung ihrer
kommerziellen Strategien. Sie berät über verschiedene Logistiksegmente hinweg,
darunter Post und KEP, Supply Chain und Infrastruktur sowie Schienen-, Straßen-,
Luft- und Seefracht.
Sven Wengler ist Senior Director bei Simon-Kucher in Köln und seit 18 Jahren im
Unternehmen. Er unterstützt Logistikunternehmen zu Strategie, Pricing und Sales
über verschiedene Transport- und Logistiksegmente hinweg. Zudem leitete er drei
Jahre lang die Transport- und Logistikaktivitäten von Simon-Kucher in
Nordamerika.
Jan Mahlstein ist Director bei Simon-Kucher in Köln. Er berät Logistik- und
Professional-Services-Unternehmen weltweit zu profitablem Wachstum durch
Pricing-, Sales- und Go-to-Market-Strategien. Sein Fokus liegt auf Commercial
Excellence in Bereichen wie KEP, Kontraktlogistik, multimodalem Transport und
Freight Forwarding.
Über Simon-Kucher
Simon-Kucher ist eine globale Unternehmensberatung mit mehr als 2.200
Mitarbeitenden in über 30 Ländern. Als verlässlicher Partner für Commercial
Excellence unterstützen wir Unternehmen dabei, nachhaltiges und profitables
Wachstum zu realisieren. Wir verbinden tiefgehende Beratungsexpertise mit
Spezialisierung auf Wachstumsstrategien und technologischer Kompetenz, um
messbare Ergebnisse zu erzielen. Wir optimieren sämtliche Hebel der
kommerziellen Strategie - von Produkt, Pricing und Innovation bis hin zu
Marketing und Vertrieb - konsequent ausgerichtet am Kundennutzen und der
Zahlungsbereitschaft. Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Monetarisierung gelten
wir als weltweit führende Beratung für Commercial Growth und Pricing.
simon-kucher.com
Für Rückfragen und detaillierte Informationen stehen wir Ihnen gerne zur
Verfügung:
Roxana Müller (Communications & Marketing Manager)
Tel: +49 160 92180752
Email: roxana.mueller@simon-kucher.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/78805/6260126
OTS: Simon - Kucher & Partners
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