|
Hamburg (ots) - Ozeane sind Klimaschützer, Nahrungsquelle und Lebensraum
zugleich - und damit weit mehr als "nur" eine Kulisse für Küstenurlaub oder
Fischerei. Zum Welttag der Ozeane am 8. Juni rückt die Bedeutung einer
nachhaltigen Nutzung der Meere deshalb besonders in den Fokus. Als Informations-
und Kommunikationsplattform rund um Fisch und Seafood bringt das
Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) dazu wissenschaftliche Expertise zusammen.
Wie es aktuell um Nord- und Ostsee steht, welche Rolle Wissenschaft und
Fischerei für den Schutz mariner Ressourcen spielen - und warum gesunde Meere
alle Menschen betreffen, erklären Dr. Gerd Kraus vom Thünen-Institut für
Seefischerei und Umweltwissenschaftler Björn Suckow vom Alfred-Wegener-Institut.
Klimawandel, steigende Meerestemperaturen, Verschmutzung oder zunehmende
Nutzungsansprüche verändern marine Ökosysteme bereits heute spürbar.
Wissenschaftler beobachten seit Jahren, wie sich die Umweltbedingungen in den
Meeren verändern - mit Folgen für Lebensräume und Fischbestände. Wie
unterschiedlich sich Belastungen auswirken, zeigt sich besonders in Nord- und
Ostsee. "Die Situation ist gemischt", erklärt Dr. Gerd Kraus, Leiter des
Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. "Während sich einige
Fischbestände stabil entwickeln, geht es anderen deutlich schlechter." Besonders
die Ostsee gilt dabei als sensibles Ökosystem. "Steigende Temperaturen bringen
gerade dort natürliche Abläufe zunehmend durcheinander. Viele Fischarten
orientieren sich bei ihrer Fortpflanzung an bestimmten Wassertemperaturen.
Verschieben sich diese, kann es passieren, dass Jungfische schlüpfen, bevor
ausreichend Nahrung vorhanden ist."
Ozeane als Klimaschützer?
Wie wichtig gesunde Ozeane sind, wird dabei häufig unterschätzt. Denn Meere
sichern nicht nur Lebensräume, Nahrung und wirtschaftliche Grundlagen - sie
spielen auch eine entscheidende Rolle für das Klima. Umweltwissenschaftler Björn
Suckow: "Die Ozeane funktionieren wie eine natürliche Klimaanlage. Sie speichern
große Mengen Wärme und leisten einen entscheidenden Beitrag für das Leben auf
der Erde: Rund die Hälfte des Sauerstoffs entsteht im Ozean - vor allem durch
Phytoplankton, mikroskopisch kleine Algen und andere photosynthetisch aktive
Organismen. Wenn wir aus dem Meer Nahrung und Energie gewinnen wollen, brauchen
wir gesunde Meere."
Die Ozeane leisten jedoch nicht nur einen wichtigen Beitrag für
Sauerstoffproduktion und Klimaregulierung - sie nehmen auch große Mengen des von
Menschen verursachten Kohlendioxids auf und bremsen damit die Folgen des
Klimawandels mit ab. "Der Ozean puffert einen Teil unseres CO2-Ausstoßes ab",
erklärt Suckow. "Das hilft kurzfristig - gleichzeitig verändert sich dadurch
aber auch das Meer." Die steigende Aufnahme von Kohlendioxid trägt dazu bei,
dass Ozeane saurer werden. Das kann langfristig marine Lebensräume belasten -
etwa Organismen mit Kalkschalen wie Muscheln oder bestimmte Krebstiere. Für
Suckow ist deshalb klar: "Wenn wir gesunde Meere erhalten wollen, brauchen wir
konsequenten Klimaschutz."
Wie nachhaltige Nutzung heute funktioniert
Doch nicht nur der Klimaschutz, auch die Art und Weise, wie marine Ressourcen
genutzt und bewirtschaftet werden, spielt eine entscheidende Rolle.
Wissenschaft, Management und nachhaltige Fischerei tragen dazu bei,
Meeresökosysteme langfristig zu erhalten. Wer an Belastungen für die Meere
denkt, denkt häufig zuerst an Überfischung. Dr. Gerd Kraus erklärt: "Heute
spielen Umweltveränderungen, steigende Temperaturen, Nährstoffeinträge - etwa
durch Düngemittel aus der Landwirtschaft - oder zunehmende Nutzungsansprüche oft
eine deutlich größere Rolle als die Fischerei." Tatsächlich hat sich die
Fischerei in Europa in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. "Allein
in der Krabbenfischerei ist die Zahl der Fahrzeuge von rund 200 Anfang der
2000er Jahre auf heute knapp 140 zurückgegangen - perspektivisch werden es noch
weniger", so der Experte. Gleichzeitig sorgen wissenschaftliche Empfehlungen,
Fangquoten und Kontrollen dafür, Fischbestände dauerhaft zu erhalten. "Dass
gutes Fischereimanagement Wirkung haben kann, zeigt beispielsweise der
Nordseehering: Der Bestand galt in den 1970er als stark überfischt und die
Fischerei wurde 1977 geschlossen. Durch konsequente Steuerung und langfristige
Wiederaufbaumaßnahmen konnte er sich erholen und liefert seit Jahrzehnten
stabile Erträge", so Kraus.
Was ist Deutschlands Beitrag?
Deutschland setzt bei der nachhaltigen Nutzung der Meere heute vor allem auf
wissenschaftsbasierte Entscheidungen, Forschung und langfristiges Management.
Einrichtungen wie das Thünen-Institut liefern Daten und wissenschaftliche
Empfehlungen für die nachhaltige Bewirtschaftung von Fischbeständen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse bilden damit eine wichtige Grundlage für
politische Entscheidungen - etwa bei Fangempfehlungen, Schutzmaßnahmen oder dem
Umgang mit sich verändernden Umweltbedingungen.
Lösungen gemeinsam denken
Gleichzeitig wächst die Herausforderung, unterschiedliche Nutzungsansprüche auf
See künftig besser miteinander zu verbinden. Fischerei, Energiegewinnung,
Naturschutz und wirtschaftliche Interessen müssten stärker integriert gedacht
werden - darüber sind sich die Experten einig. Wie solche Lösungen aussehen
könnten, erklärt Björn Suckow: "Perspektivisch könnten Offshore-Windparks nicht
nur Strom erzeugen, sondern gleichzeitig Raum für Muschel- oder Algenkulturen
bieten. So ließen sich verschiedene Nutzungen auf See besser miteinander
verbinden." Auch aus Sicht von Kraus braucht es künftig einen breiteren Blick
auf die Meere als Gesamtsystem, denn "Fischerei, Schifffahrt, Energiegewinnung,
Meeresschutz und Klimawandel wirken gemeinsam auf die Ökosysteme", erklärt er.
Nachhaltige Nutzung beginnt bereits im Alltag
"Nachhaltige Nutzung bedeutet, Ressourcen so zu bewirtschaften, dass sie
dauerhaft erhalten bleiben - ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich",
so Kraus. Auch Verbraucher können einen Beitrag leisten - etwa durch bewussten
Konsum, den Blick auf Herkunft und transparente Kennzeichnungen von
Lebensmitteln. "Unsere Zukunft ist unmittelbar an gesunde Meere gekoppelt", sagt
Björn Suckow. "Wenn wir die Ozeane schützen, schützen wir damit immer auch
unsere eigene Zukunft."
Pressekontakt:
Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V.
Dipl. oec. troph. Julia Steinberg-Böthig
Große Elbstraße 133
D-22767 Hamburg
Tel. 040 / 389 25 97
Mobil: 0151 420 360 58
Mail: mailto:jboethig@fischinfo.de
Web: http://www.fischinfo.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/41894/6288107
OTS: FIZ Fisch-Informationszentrum e. V.
|