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Berlin (ots) - Neue Prognos-Studie im Auftrag der INSM analysiert Rente,
Gesundheit und Pflege. Deutschland zahlt in allen Sozialversicherungen
überdurchschnittlich für vielfach nur mittelmäßige Ergebnisse. Die ergibt eine
neue Prognos-Studie, die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
(INSM) die Entwicklung bei Rente, Gesundheit und Pflegeversicherung analysiert
hat.
Sechs Jahre Stagnation, eine Belastung des Faktors Arbeit durch Steuern und
Sozialabgaben von 49,3 Prozent - Rang zwei im OECD-Vergleich - und nun der
nahende Renteneintritt der Babyboomer: Das sind gleich drei hoch belastende
Herausforderungen für Deutschlands Sozialstaat. Das Policy Paper von Prognos
unter dem Titel "Zeit zu wenden - Deutschlands Sozialstaat am Kipppunkt" legt
auf Basis internationaler Vergleichsdaten offen, dass alle drei Säulen der
Sozialversicherung - Rente, Gesundheit und Pflege - dringend struktureller
Reformen bedürfen.
Rente: Überdurchschnittlicher Preis für durchschnittliche Leistung
Mit einem Beitragssatz von 18,6 Prozent liegt Deutschland zwei Prozentpunkte
über dem OECD-Schnitt von 16,0 Prozent - und erzielt dafür ein Rentenniveau von
42,1 Prozent, das in etwa dem OECD-Durchschnitt von 43,0 Prozent entspricht.
Noch gravierender ist das Defizit bei der privaten Altersvorsorge: Mit einem
Altersvorsorgevermögen von lediglich 6,4 Prozent des BIP gehört Deutschland zu
den am schlechtesten kapitalgedeckten Rentensystemen der OECD - der Schnitt
liegt bei 95,2 Prozent. Ohne den Ausbau einer kapitalgedeckten Säule droht dem
System mit dem Renteneintritt der Babyboomer eine zusätzliche Belastungswelle:
Die Deutsche Rentenversicherung erwartet einen Anstieg des Beitragssatzes auf
19,8 Prozent bis 2028 und auf 21,2 Prozent bis 2040.
Gesundheit: Höchste Ausgaben, mittlere Ergebnisse
Deutschland gibt mit 12,3 Prozent des BIP mehr für Gesundheit aus als jedes
andere EU-Land und liegt unter allen OECD-Ländern nur hinter den USA. Trotzdem
bewegt sich Deutschland bei Lebenserwartung und vermeidbarer Sterblichkeit nur
im OECD-Mittelfeld. Die Ursache: eine strukturelle Schieflage zwischen zu vielen
Krankenhäusern mit zu wenig Fällen und einer unterentwickelten Primärversorgung.
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung haben sich seit 1995 fast
verdreifacht - von 124 auf 352 Milliarden Euro (2025). Mehr Effizienz statt mehr
Einnahmen müsse die Devise lauten, so die Prognos-Autoren.
Pflege: Am Rand des strukturellen Kollapses
Die Soziale Pflegeversicherung steht laut Studie vor dem strukturellen Kollaps.
Die Zahl der Pflegebedürftigen ist seit 2015 auf 5,7 Millionen gestiegen.
Eigenanteile von über 3.200 Euro pro Monat im ersten Heimaufenthaltsjahr
überfordern immer mehr Betroffene; ein wachsender Anteil der Heimbewohner ist
auf Sozialhilfe angewiesen. Der demografische Wandel allein erklärt die
Überforderung des Pflegesystems aber nur zu einem kleinen Teil. Wesentlicher
Treiber war hingegen die massive Ausweitung der Leistungsberechtigten im Zuge
des zweiten Pflegestärkungsgesetzes von 2017.
Demografische Zeitenwende: Die eigentliche Welle kommt erst noch
Als übergreifende Rahmenbedingung analysiert die Studie die Demografie: Der
Altenquotient - die Zahl der Über-65-Jährigen je 100 Personen im Erwerbsalter -
ist seit 2000 von 26,8 auf 38,8 (2024) gestiegen. Mit dem vollständigen
Renteneintritt der Babyboomer wird er bis 2037 weiter auf 50,9 zulegen. Der
Reformbedarf war laut Prognos bereits im Jahr 2000 mit hoher Zuverlässigkeit
absehbar. Was sich verändert hat, ist nicht die Prognose - sondern der verlorene
Handlungsspielraum.
Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der INSM, betont: "Deutschland leistet sich
beim Sozialstaat Rekordausgaben - und erzielt im internationalen Vergleich
allenfalls Mittelmaß." Dabei stünden die größten demografischen
Herausforderungen noch bevor, so Alsleben, "die deutschen Sozialversicherungen
werden ohne Reformen immer teurer und wirken damit wachstumshemmend, wodurch die
Lage weiter verschärft wird - ein Teufelskreis, den nur grundlegende Reformen
durchbrechen können. Die Koalition muss bis zur Sommerpause den Mut haben,
solche Reformen anzustoßen, wenn sie das Sozialsystem insgesamt retten will. Wir
brauchen mehr Eigenbeteiligung, mehr Kapitaldeckung und bei den Leistungen eine
Fokussierung aufs Wesentliche."
Pressekontakt:
Carl-Victor Wachs
Leiter Kommunikation & Pressesprecher
mailto:wachs@insm.de
T +49 176 616 49 030
INSM Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH
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Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Thorsten Alsleben
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/39474/6292285
OTS: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
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