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Köln (ots) - Die Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung
(KZBV) stimmt grundsätzlich mit dem Ziel der Bundesregierung überein, weitere
Beitragssatzsteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung zu verhindern.
Dies darf aber nicht mit ziellosen Sparmaßnahmen erkauft werden, welche die
Erfolge des hocheffizienten, präventionsorientierten zahnärztlichen
Versorgungsbereichs aufs Spiel setzen. Daher fordern die Vertreterinnen und
Vertreter der KZBV deutliche Korrekturen am Entwurf des
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes.
Maßnahmen gefährden die Patientenversorgung
Die Vertreterversammlung stellt klar, dass sich die zahnärztliche Versorgung in
Deutschland derzeit auf einem flächendeckend guten Niveau befindet. Jedoch
laufen die mit dem Gesetz geplanten Maßnahmen auf eine erneute, verschärfte
Budgetierung hinaus und konterkarieren damit nachhaltig alle Bemühungen der KZBV
und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, das aktuelle Versorgungsniveau in
Deutschland auch in Zukunft zu erhalten. Zudem führt der vorgesehene
Fachzahnarztvorbehalt im Bereich der Kieferorthopädie dazu, dass knapp eine
Million Kinder und Jugendliche zukünftig nicht mehr von bislang
kieferorthopädisch tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzten versorgt werden können.
Für die KZBV-Vertreterversammlung ist dies ein klarer Beleg, dass die Regierung
mit diesem Gesetzentwurf einen grundlegenden Paradigmenwechsel fortsetzt, weg
von einer am zahnmedizinischen Bedarf orientierten Versorgung hin zu einem
System, das sich primär an finanziellen Grenzen ausrichtet.
Hierzu betont Martin Hendges, KZBV-Vorstandsvorsitzender: "In den vergangenen
Jahren ist es der Zahnärzteschaft gelungen, die Mundgesundheit in Deutschland
durch konsequente und gezielte Präventionsausrichtung kontinuierlich zu
verbessern - was die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie über alle
Alterskohorten hinweg eindrucksvoll belegt. Gleichzeitig entlastet dieser
präventive Ansatz das GKV-System spürbar. Denn durch unsere Erfolge in der
Prävention verzeichnen wir eine stetig rückläufige Krankheitslast, womit Kosten
gesenkt werden. Die so eingesparten Mittel haben wir für die Etablierung neuer
Versorgungskonzepte genutzt, etwa für die Versorgung vulnerabler
Patientengruppen oder für die neue Parodontitis-Behandlungsstrecke. Solche
seitens der Politik geplanten Sparmaßnahmen führen hingegen zu langfristigen
Einschnitten in der Patientenversorgung und verunmöglichen unsere Bemühungen,
die Volkskrankheit Parodontitis angemessen bekämpfen zu können."
Faire Lastenverteilung gefordert
Um die gravierenden negativen Folgen für die Patientenversorgung noch
abzuwenden, sei jetzt ein Dialog mit den maßgeblichen Beteiligten im
Gesundheitswesen entscheidend. Nur so ließen sich tragfähige und nachhaltige
Lösungen entwickeln. Dazu gehöre vor allem eine faire Lastenverteilung, bei der
auch der Bund die versicherungsfremden Leistungen zu refinanzieren habe. Die
Vertreterversammlung kritisiert scharf, dass die Bundesregierung aktuell
vornehmlich bei denjenigen einspart, die mit großem Einsatz jeden Tag die
Versorgung sicherstellen.
Akzeptanz der ePA fördern und nicht kaputtsparen
Kritisch sehen die Vertreterinnen und Vertreter auch die geplanten Einsparungen
bei der elektronischen Patientenakte (ePA). "Die bisherigen Entwicklungen
zeigen, dass die ePA und mit ihr vor allem strukturierte Inhalte wie die
elektronische Medikationsliste zunehmend genutzt werden. Jetzt die Vergütung für
die Befüllung der ePA zu streichen, setzt also ein völlig falsches Signal,
gerade vor dem Hintergrund, dass die ePA die sektorenübergreifende Versorgung
verbessern soll", betont Dr. Karl-Georg Pochhammer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der KZBV . Die ePA zeige beispielhaft, wohin die
Sparpolitik der Bundesregierung führe: "Die Digitalisierung wird zulasten
derjenigen organisiert, die täglich in den Praxen die Versorgung sicherstellen."
Wer die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranbringen wolle, müsse auch
bereit sein, die dafür notwendigen Investitionen zu leisten. "Das ist keine
Privatsache der Praxen, sondern eine gesellschaftliche Zukunftsaufgabe."
Appell an Handwerkskammern: Digitalisierung vorantreiben
Wie praxistaugliche Digitalisierung funktioniert, zeigt das elektronische
Beantragungs- und Genehmigungsverfahren. Als weiterer Baustein der digitalen
Transformation des Gesundheitswesens soll nun der elektronische Datenaustausch
zwischen Dentallaboren und Zahnarztpraxen sein Potenzial entfalten. "Die
Anbindung der Zahntechniker an die Telematikinfrastruktur und die damit
verbundene sichere, strukturierte und zeitsparende Vernetzung zwischen
Zahnarztpraxis und Dentallabor scheitert aber aktuell an externen Faktoren, die
wir nicht beeinflussen können", stellt Meike Gorski-Goebel, stellvertretende
Vorstandsvorsitzende der KZBV und zuständig für den Bereich Vertragsinformatik,
klar und ergänzt: "Es ist nicht länger hinnehmbar, dass strukturelle und
organisatorische Hürden die Umsetzung verzögern. So wünschen wir uns
insbesondere von den Handwerkskammern, die eine Schlüsselrolle in der
Prozesskette innehaben, dass sie ihre organisatorischen und administrativen
Prozesse entsprechend vorantreiben."
Zwei Tage diskutiert die Vertreterversammlung in Köln standespolitische Themen
und fasst richtungsweisende Beschlüsse. Diese sowie die Reden der
Vorstandsmitglieder stehen zeitnah auf der Website der KZBV
(https://www.kzbv.de/) zur Verfügung.
Hintergrund: KZBV-Vertreterversammlung
Die Vertreterversammlung ist das wichtigste Selbstverwaltungsorgan der KZBV und
zugleich oberstes Entscheidungsgremium der rund 63.000 Zahnärztinnen und
Zahnärzte, die an der vertragszahnärztlichen Versorgung in Deutschland
teilnehmen. Gesetzlich vorgeschriebene Mitglieder sind die oder der Vorsitzende
jeder Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) und jeweils ein Stellvertreter oder
eine Stellvertreterin. Die Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der
KZVen nehmen 34 Sitze ein. Weitere 26 Vertreterinnen und Vertreter werden von
den Vertreterversammlungen der KZVen aus ihren Reihen unter Berücksichtigung des
Verhältniswahlrechtes gewählt.
Pressekontakt:
Vanessa Hönighaus
Leiterin Abt. Presse - und Öffentlichkeitsarbeit
Christian Albaum
Referent Abt. Presse - und Öffentlichkeitsarbeit
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
Tel. 030 / 280179-27
mailto:presse@kzbv.de
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OTS: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV)
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