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Hamburg (ots) - Nach schweren Behandlungsfehlern ist der Weg zu Aufklärung und
Entschädigung für Betroffene in Deutschland häufig lang und zermürbend. Auch
beteiligte Ärzt:innen und Pflegefachpersonen können als "Second Victims"
psychisch belastet sein. Eine offene Aufarbeitung wäre für beide Seiten wichtig.
Doch haftungsrechtliche Interessen, institutionelle Vorgaben und Hierarchien
erschweren aus Sicht des Vereins einen offenen Umgang mit Behandlungsfehlern.
Hinzu kommt die Sorge der Behandelnden vor beruflichen, haftungs- oder
strafrechtlichen Konsequenzen. Fokus Behandlungsfehler e.V. erklärt anlässlich
des Welttags der Patient:innensicherheit am 17. September:
"Wir brauchen einen Systemwandel im Umgang mit Behandlungsfehlern, um künftige
Patient:innen besser zu schützen. Betroffene brauchen ehrliche Aufklärung und
Hilfe. Behandelnde brauchen den Rückhalt, Fehler offen ansprechen zu dürfen", so
die Vorstandsvorsitzende Michelle Bayona. "Ein System, das Betroffene und
Behandelnde geradezu in die Auseinandersetzung drängt, vertieft unnötig Gräben.
Wir sind überzeugt, dass sich viele der oft jahrelangen Gerichtsverfahren
vermeiden ließen."
Gemeinsam für Patient:innensicherheit - statt gegeneinander vor Gericht
Einen Ausweg aus diesem Spannungsverhältnis sieht der Verein in einer
grundsätzlichen gesetzlichen Offenlegungspflicht und einer gerechten,
lernorientierten Sicherheitskultur ("Just Culture"). Einrichtungen und
Behandelnde müssen Betroffene bei konkreten Hinweisen auf Behandlungsfehler
unaufgefordert über den Verdacht und mögliche Folgen informieren. Die bisherigen
Informationspflichten reichen dafür nicht aus. Just Culture setzt bei
unbeabsichtigten Fehlern auf Lernen statt auf Sanktionen und untersucht auch
organisatorische Ursachen. Einrichtungen müssen unsichere Abläufe ändern und
Beschäftigten geschützte Meldewege bieten.
Zugleich fordert der Verein eine Reform des Arzthaftungsrechts, die offene
Aufklärung und zeitnahe, faire Entschädigung erleichtert. Dänemark zeigt einen
niedrigschwelligen Weg: Dort können Betroffene über ein gesetzlich geregeltes
Entschädigungssystem Ansprüche geltend machen. Geschütztes Lernen bedeutet
jedoch keinen Freifahrtschein: Insbesondere bei grober Fahrlässigkeit oder
Vorsatz müssen Behörden mögliche Straftaten weiterhin aufklären.
Eine konstruktive Melde- und Lernkultur wäre zugleich ein wichtiges Fundament
für ein bundesweites Never-Event-Register. Ein solches Register könnte
grundlegende Daten zur Aufarbeitung und Prävention klar definierter Ereignisse
liefern, die schwere Gesundheitsschäden verursachen können und durch wirksame
Sicherheitsvorkehrungen vermeidbar wären. England erfasst und veröffentlicht
solche Ereignisse bereits seit Jahren auf nationaler Ebene. In Deutschland hat
der Innovationsfonds jüngst drei Projekte zur Entwicklung und Erprobung eines
solchen Registers ausgewählt.
Investitionen in Patient:innensicherheit können auch Folgekosten senken
Schwere Behandlungsfehler können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Aber
auch für die Solidargemeinschaft entstehen Kosten durch Folgebehandlungen,
Rehabilitation, Pflege oder Arbeitsunfähigkeit. "Patient:innensicherheit sollte
als Investition betrachtet werden: Sie kann Leid und weitere Gesundheitsschäden
verhindern und stärkt die Menschen, die im Gesundheitswesen Verantwortung
tragen", sagt Bayona. Dafür brauche es sichere Abläufe, ausreichend Personal und
eine offene Sicherheitskultur. Auch medizinisches Fachpersonal braucht nach
schweren Zwischenfällen Rückhalt. Ausfälle oder beruflicher Rückzug im Kontext
schwerer Behandlungsfehler können die angespannte Personalsituation weiter
verschärfen - zulasten der Patient:innensicherheit.
Informationen zum Verein, fachliche Einordnungen und Hinweise für Betroffene:
https://www.fokus-behandlungsfehler.de/ .
Pressekontakt:
Achtung Redaktionen: Kontakt zum Vorstand: Michelle Bayona, Tel. 0160-95698261,
Joachim Greuner, Tel. 0176-32539376, oder Martje Ratzow, Tel. 0176-24014248.
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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/182179/6352950
OTS: Fokus Behandlungsfehler e.V.
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