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Düsseldorf (ots) - Während zwei Drittel der Jobsuchenden Künstliche Intelligenz
zur Bewerbung nutzen, drohen Unternehmen den Blick für wirkliche Qualifikationen
zu verlieren.
Bewerbungen sind heute schöner, fehlerfreier, strategisch optimiert und perfekt
auf die Stelle zugeschnitten, aber oft weniger aussagekräftig. Genau das kann
für Unternehmen zum Problem werden. Wenn Kandidatinnen und Kandidaten ihre
Unterlagen mit generativer KI optimieren, steigt zwar die formale Qualität der
Bewerbung - ihre Aussagekraft über Motivation, Arbeitsweise und tatsächliche
Eignung wächst dadurch aber nicht automatisch mit.
Die aktuelle Talent Trends-Studie 2026 von Michael Page zeigt: 67 Prozent der
deutschen Jobsuchenden nutzen generative KI, um ihre Lebensläufe zu optimieren,
Anschreiben zu perfektionieren und sich selbst auf dem Papier besser
darzustellen. Gleichzeitig setzen auch Unternehmen KI im Recruiting ein - etwa,
um Bewerbungen schneller zu sichten, Stellenanzeigen zu erstellen oder
Kandidatenprofile zu vergleichen.
Die KI-Schraube: Wenn beide Seiten das gleiche Spiel spielen
Auf Unternehmensseite wird KI vor allem als Effizienzhebel wahrgenommen. Laut
Studie nutzen 55 Prozent der deutschen Arbeitgeber KI im Recruiting. Unter den
Unternehmen, die KI bereits einsetzen, berichten 79 Prozent von positiven
Effekten bei der Erstellung und Verbesserung von Stellenanzeigen. 58 Prozent
sehen Vorteile dabei, Lebensläufe von Bewerberinnen und Bewerbern zu prüfen oder
zu bewerten. Das kann Auswahlprozesse beschleunigen und strukturieren. Zugleich
werden klassische Bewerbungsunterlagen schwerer einzuordnen: Sie zeigen
weiterhin berufliche Stationen und formale Qualifikationen, sagen aber weniger
darüber aus, wie eigenständig, reflektiert oder passend sich eine Person
tatsächlich präsentiert.
"Wir erleben gerade eine neue Dynamik im Recruiting", sagt Michael Baier,
Geschäftsführer von Michael Page in Deutschland . "Wenn Bewerbende KI nutzen, um
ihre Unterlagen zu perfektionieren, und Unternehmen KI einsetzen, um genau diese
Unterlagen zu bewerten, entsteht ein Prozess, der sehr effizient wirkt, aber
nicht automatisch zum Ziel führt. Die zentrale Frage ist wer steht wirklich
hinter dieser Bewerbung und wie können Unternehmen das sicher erkennen."
Die unbequeme Wahrheit: Unternehmen laufen Gefahr, Talente zu übersehen
Die Studie zeigt zudem, dass Unternehmen diese Entwicklung bislang
unterschiedlich gut einschätzen können. 57 Prozent der befragten Arbeitgeber
geben an, den Einsatz von KI in Bewerbungen erkennen zu können. Rund ein Drittel
sagt zugleich, dies nicht sicher beurteilen zu können. Problematisch ist damit
nicht die KI-Nutzung an sich, sondern die Frage, wie Unternehmen KI-optimierte
Unterlagen einordnen.
"Die größte Herausforderung ist nicht, dass Bewerber KI nutzen, sondern dass
dadurch Individualität verloren gehen kann. Die persönliche Handschrift, die
Idee hinter einem Anschreiben oder die Art, das eigene Berufsleben zu erzählen,
wird geglättet. Am Ende klingen viele Bewerbungen professionell, aber auch
erstaunlich ähnlich. Gerade deshalb müssen Unternehmen stärker hinter die
Unterlagen schauen und den Menschen dahinter kennenlernen."
Unternehmen brauchen klarere Standards für KI im Bewerbungsprozess
Dass Unternehmen KI-Nutzung nicht grundsätzlich kritisch sehen, zeigt auch der
Blick in den Arbeitsalltag: 72 Prozent der deutschen Unternehmen empfehlen ihren
Mitarbeitenden aktiv den Einsatz von KI, 73 Prozent bieten Trainings für
generative KI an. KI-Kompetenz wird damit selbst zu einer relevanten Fähigkeit.
" KI-Nutzung sollte kein Ausschlusskriterium sein ", so Baier. " Aber sie ist
ein Anlass, genauer hinzuschauen. Unternehmen müssen zwischen professioneller
Darstellung und tatsächlicher Kompetenz unterscheiden können. In einem zunehmend
KI-gestützten Bewerbungsmarkt wird genau das zum Wettbewerbsvorteil. "
Recruiting muss über perfekte Unterlagen hinausdenken
KI wird aus Bewerbungen und Recruiting nicht wieder verschwinden. Bereits 63
Prozent der Befragten nutzen generative KI in ihrer täglichen Arbeit, mehr als
im europäischen Durchschnitt von 60 Prozent. Für Unternehmen geht es daher nicht
um ein Verbot, sondern um bessere Auswahlverfahren: Wer Kompetenzen, Motivation
und Passung, etwa durch strukturierte Interviews, Arbeitsproben oder
realistische Aufgaben, prüft, kann Talente auch dann erkennen, wenn Bewerbungen
auf den ersten Blick immer ähnlicher wirken.
Über die Studie:
Die Talent Trends werden im Auftrag von Michael Page erhoben und zählen zu den
größten jährlichen Studien zu Arbeitsmarkt, Karriere und Recruiting. Für die
Talent Trends-Studie 2026 wurden weltweit über 60.000 Fach- und Führungskräfte
befragt, darunter rund 23.000 Teilnehmende in Europa und rund 3.000 in
Deutschland.
Über Michael Page:
Michael Page ist eine global agierende Personalberatungsgruppe in 34 Ländern mit
mehr als 6.800 Mitarbeitern weltweit. Das Unternehmen wurde 1976 in London
gegründet und ist an der Londoner Börse gelistet (PAGE).
Michael Page bietet spezialisierte Expertise in den Bereichen Executive Search,
Professional Recruitment, qualifizierte Zeitarbeit und Projektgeschäft. Wir
beraten, unterstützen und vermitteln qualifizierte Fach- und Führungskräfte über
verschiedenste Funktionen, Branchen und Karrierestufen hinweg.
In Deutschland ist Michael Page an sechs Standorten vertreten: Düsseldorf
(Hauptsitz), Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg und Berlin.
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